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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 03:13 Uhr

Bornhöved : Schlechte Werte für Wasser aus dem Brunnen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nitratwerte überschreiten die Obergrenze von 50 Milligramm.

Bornhöved | Am 15. August war das Labormobil des VSR-Gewässerschutzes auf dem Großflecken in Neumünster zu Gast. Bürger aus Neumünster und Umgebung nutzen die Gelegenheit, ihr Brunnenwasser untersuchen zu lassen. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Laut VSR-Sprecher Diplom-Physiker Harald Gülzow wurden viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser festgestellt. Der Spitzenwert lag in Bornhöved mit 125 Milligramm Nitrat pro Liter.

Insgesamt wurde bei der Untersuchung das Wasser aus 91 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Neumünster / Bad Segeberg analysiert. In jeder neunten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden bei den Untersuchungen 125 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Bornhöved. Weitere mit Nitraten stark verschmutzten Brunnen stellten die Umweltschützer auch in Tasdorf mit 84 Milligramm pro Liter (mg/l), in Neumünster mit 73 mg/l, in Willingrade mit 111 mg/l, in Rickling mit 110 mg/l, in Negernbötel mit 83 mg/l fest. „Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet. Besonders wichtig ist außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt wird. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt“, erklärt Harald Gülzow. Diese
können beim Absterben zum Fischsterben führen. Beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser müsse man bedenken, dass es durch das Gießwasser zu einer zusätzlichen Nitratzufuhr komme. Nur wenn man diese in
seine Berechnung mit wie viel Stickstoff die angebauten Pflanzen gedüngt werden müssen einbeziehe, könne eine unnötige Nitratanreicherung verhindert werden.
 Die gemessenen viel zu hohen Nitratkonzentrationen zeigen in der Landwirtschaft einen deutlichen Handlungsbedarf, um die bereits 1991 aufgestellte EU-Nitratrichtlinie einzuhalten, so der Verein. Der VSR-Gewässerschutz möchte mit seinen Messungen dazu beitragen, dass die Notwendigkeit einer Änderung der Düngerausbringung akzeptiert wird. Es müsse in den belasteten Regionen zu einem Informationsaustausch zwischen Bürger und Landwirten kommen.

Dass auch in der Stadt Neumünster ein hoher Spitzenwert von 73 mg/l gemessen wurde, erklärte Gülzow so: „Grundwasser fließt wie ein unterirdischer Fluss. Deshalb können auch innerorts Brunnen durch landwirtschaftliche Überdüngung betroffen sein.“

Wie viele Neumünsteraner ihr Trinkwasser noch aus privaten Brunnen schöpfen, konnte Stadtwerke-Sprecher Nikolaus Schmidt nicht sagen. Die Stadtwerke Neumünster (SWN) sind Versorger für die Stadt und zahlreiche Gemeinden im Umland und liefern täglich rund 16 Millionen Liter Wasser an 90  000 Einwohner.

Die Qualität des Trinkwassers sei hervorragend und werde permanent untersucht, betonte SWN-Sprecher Schmidt. „Wir gewinnen das Trinkwasser für Neumünster und Umgebung aus etwa 120 Metern Tiefe im sogenannten Kieler Becken“, sagte Schmidt. In dieser Tiefe gebe es keine Nitratbelastung. 

VSR Gewässerschutz
Der Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse (VSR) entstand Anfang der 80er- Jahre als Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen am Rhein und Main. Während die Vereinsmitglieder die Messfahrten lange Zeit nur im Rheineinzugsgebiet vorgenommen haben, wurde auf Anregung von Bürgern das Untersuchungsgebiet ausgedehnt. Heutzutage ist der VSR-Gewässerschutz mit dem Labormobil unterwegs. Mit den Messungen will der Verein darauf aufmerksam machen, dass die Düngung geändert werden muss.
 

 



 

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erstellt am 12.Nov.2016 | 09:00 Uhr

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