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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 08:56 Uhr

Grosseinsatz : Salafisten: Razzia in der Stadt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Verfassungsschutz hat Neumünster besonders im Visier. Gestern wurde auch in Wahlstedt durchsucht.

Neumünster | Es war ein bundesweiter Schlag gegen die radikal-salafistische Vereinigung „Die wahre Religion“. Als gestern in den frühen Morgenstunden Ermittler in zehn Bundesländern mit einer Großrazzia gegen das Islamisten-Netzwerk vorgingen, wurde auch in Neumünster und Wahlstedt (Kreis Segeberg) durchsucht. Weitere Details – unter anderem zu den Orten und Zeiten – nannten Landeskriminalamt, Innenministerium und Verfassungsschutz nicht. Die Ermittler schwiegen sich auch darüber aus, wie viele der 370 Salafisten im Land aus Neumünster kommen. Festnahmen gab es gestern nicht.

„Neumünster zählt neben Kiel und Lübeck zu den regionalen Schwerpunkten der salafistischen Szene. Zu möglichen Anlaufstellen von Anhängern gibt die Verfassungsschutzbehörde aus operativen Gründen grundsätzlich keine Auskunft“, erklärte Patrick Tiede, Sprecher des Innenministeriums. Er bestätigte aber, dass „auch Angehörige der salafistischen Szene in Neumünster aus mutmaßlich islamistischen Motiven in Richtung Syrien und Irak ausgereist sind“. Seit Jahren werden Salafisten in Neumünster vom Verfassungsschutz beobachtet (der Courier berichtete).

Aufsehen erregte Anfang 2011 ein junger Konvertit, als er den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Pinneberg bedrohte. Im Frühjahr 2012 wurde der Neumünsteraner vom Oberlandesgericht in Schleswig zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Er soll einst Beiträge ins Internet gestellt haben, die zur Teilnahme am sogenannten „Heiligen Krieg“ aufriefen und Selbstmordattentate verherrlichten, hieß es damals. Der junge Deutsche – damals 19 Jahre alt – hatte sich nach eigenem Bekunden unter anderem von radikalen Vorbetern des islamistischen Vereins „Die wahre Religion“ inspirieren lassen – eben von der Gruppierung, die gestern Morgen von Bundesinnenminister Thomas de Maizière verbotenen wurde.

Als salafistisch geprägte Anlaufstelle in Neumünster gilt seit Jahren die Darul-Arqam-Moschee, die seit 2010 vom Verein „Islam für alle“ in einem Hinterhof an der Christianstraße betrieben wird. Sie ist die einzige Moschee in der Stadt, in der auch arabisch gesprochen wird. Damit ist sie für viele Flüchtlinge interessant.

„Es gibt aus Sicht des Verfassungsschutzes Ansatzpunkte dafür, dass in den salafistischen Moscheevereinen für IS-Aktivitäten geworben wird“, erklärte Patrick Tiede. Ob die Ermittler auch die Darul-Arqam-Moschee dazu zählen und ob sie gestern durchsucht wurde, ließ der Sprecher jedoch offen.

Vor einem Jahr hatten Flüchtlinge aus der Erstaufnahme am Haart darüber berichtet, dass sie von Männern angesprochen worden seien, die sich als syrische oder arabische Flüchtlinge ausgegeben hätten, in Wirklichkeit aber Isis-Kämpfer seien. In einem Handy-Shop in der Innenstadt sei ihnen außerdem empfohlen worden, in Syrien für den Islamischen Staat zu kämpfen, erzählten die Flüchtlinge damals.

„Der Verfassungsschutzbehörde liegen Hinweise darauf vor, dass es auch in Neumünster Fälle gegeben hat, in denen Einzelpersonen der dortigen salafistischen Szene versucht haben, Flüchtlinge für ihre extremistische Ideologie zu gewinnen. Es ist hier jedoch nicht bekannt, ob diese Einflussnahme oder Kontaktaufnahme in der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung erfolgte“, erklärte der Sprecher des Innenministeriums gestern auf Anfrage.



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erstellt am 16.Nov.2016 | 07:30 Uhr

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