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Holsteinischer Courier

30. April 2017 | 07:05 Uhr

Frühling : Saisonstart in den Kleingärten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Viele Neumünsteraner nutzten das super Wetter am Wochenende, um in ihren Parzellen zu arbeiten / Gemüse aus eigener Ernte ist angesagt

Vaquette | Ein grinsender Wikinger mit Schwert bewacht das Wasserspiel. Im Teich tummeln sich Goldfische, Gartenzwerge auf Schwimmschläuchen dümpeln fröhlich im Wasser. Und die skurrile Schaufensterpuppe Olga begrüßt Besucher am Stammtisch. Ihren Kleingarten in der Kolonie West am Baumschulenweg haben sich Janine Wenzel (32) und Robert Merke (35) liebevoll und individuell gestaltet – und sie nutzten den Supersonnen-Sonntag, um ihre Scholle schick zu machen. Der Courier hat sich in den Gärten umgesehen.

Seit 2013 bewirtschaften Janine Wenzel und Robert Merke ihre 460 Quadratmeter große Parzelle mit Gemüsebeet, Blümchen und Teich. Am Wochenende war ein neuer Gehweg fällig. Er klopfte Steine fest, sie half dabei und buddelte emsig Erdbeerpflanzen ein. „Wir wohnen zur Miete ohne Garten, da ist dies hier ein Ausgleich an der frischen Luft. Wir bieten unserer Hündin Enya was und haben unsere eigene Ernte“, sagt die Verkäuferin. Die Hündin aalt sich entspannt in der Sonne und hat in einer Ecke ihre eigene Hütte.

Die eigene Ernte, das sind Rhabarber, Kartoffeln, Zwiebeln, Radieschen, Kohlrabi, Tomaten und Gurken. „Letztes Jahr hatten wir auch Wassermelonen“, sagt Janine Wenzel. Hinzu kommen Kräuter wie Thymian, Oregano & Co. „Kleingarten ist wie Urlaub. Wenn man so sitzt und aufs Wasserspiel schaut, lässt man die Seele baumeln“, sagt Robert Merke; sie nennt den Garten „unsere Wohlfühl-Oase“. Für ihren Partner ist der Garten der Ausgleich zur harten körperlichen Arbeit als Schweißer. „Man hat immer was zu tun. Wenn man sieht, wie es wächst, ist das eine Wohltat, man hat etwas Eigenes erschaffen.“

Ein gängiges Vorurteil lautet: Kleingärtner sind spießig. Völlig falsch, finden die zwei: „Das ist hier ein Geben und Nehmen statt eines spießigen Alleingangs“, betonen sie. Ein kleines Geheimnis verraten sie auch: Er hat blickgeschützt eine beheizte Badewanne aufgebaut, „damit meine Frau unter freiem Himmel baden kann.“

Gegenüber in der Kolonie Frühlingslust ist Großputz angesagt: „Hier wird alles hübsch gemacht, wir nutzen das gute Wetter“, sagen Jacqueline Schnell (34) und Thomas Berg (38). Sie haben viel geackert: Als sie im Oktober 2016 die 500 Quadratmeter große Parzelle übernahmen, herrschte Urzustand und hüfthoher Wildwuchs. Sie ackerten, rissen heraus, rodeten, säten Rasen, bauten ein Schaukelgerüst, ein Carport, einen Kamin. „Das machen wir, um den Kopf frei zu kriegen, dem Alltag zu entfliehen und auch Gemüse aus eigenem Anbau zu ernten. Wir haben Mohrrüben, Zucchini, Erdbeeren, Radieschen, Stachel- und Johannisbeeren“, sagt die Bürokauffrau aus Wittorf. Er ist Maurer und arbeitet bei einer Galabau-Firma. Sie fühlen sich wohl in der Kolonie: „Es herrscht ein gutes Klima, die Leute sind nett, der Vorstand hilft, Kinder und Tiere sind willkommen.“ Denn zur Familie gehören Jamie (6), Jayanna (8), Collin (1) und die Bulldogge Tyson.

Ohne Schweiß kein Preis: Seit 10 Uhr ackern Gaby Hildebrandt (53) und ihr Mann Klaus (52) in der Wittorfer Kolonie Waldburg. Sie haben die Laube vom wuchernden Efeu befreit, mähen und vertikutieren den Rasen, haben säckeweise Rasenschnitt auf dem Anhänger. Der Soldat und die Bürokauffrau haben die 400 Quadratmeter große Parzelle seit 1998: „Ein kleines Stück Natur für uns – Erholung, Bewegung, Entspannung.“ Die an sich vorgeschriebene Dreiteilung in Rasen, Beet und Freizeit müssten sie auch nicht einhalten: „Der Nachbar baut ganz viel an, da kriegen wir immer was ab.“ Hansheinrich Gräfe, Vorsitzender des Kleingarten-Kreisvereins, bestätigt: „Wir handhaben das locker und passen uns den Wünschen der Pächter an.“

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erstellt am 11.Apr.2017 | 08:05 Uhr

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