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Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 05:43 Uhr

Ester Rada : Rhythmen hielten keinen auf dem Sitz

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die israelische Senkrechtstarterin Ester Rada hatte die 320 Gäste in der ausverkauften Werkhalle am Freitagabend voll im Griff.

Neumünster | Obwohl der Kunstflecken gerade erst in die zweite Woche geht, kann das Konzert von Ester Rada (31) am Freitagabend schon jetzt als ein Höhepunkt des Kulturfestivals bezeichnet werden. Nur Neumünster und Erfurt am Sonnabend waren Stationen auf der Deutschlandtour der israelischen Senkrechtstarterin. Im Handumdrehen hatten die löwenmähnige Sängerin und ihre berauschende Band die 320 Gäste der ausverkauften Werkhalle im Griff.

Das Konzerthaus an der Klosterstraße vibrierte bei der musikalischen Textur aus Funk und Jazz, Afrobeat und Rhythm and Blues. Treibende Beats und grooviger Sound ergaben zusammen einen exotischen Ton-Teppich, der Beine und Hüften wie von selbst tanzen ließ – die Besucher hatten keine Chance, still zu stehen. Das altersgemischte Publikum war stark dabei, tanzte, klatschte, pfiff und johlte in der unbestuhlten Halle. Besonders das Lied „Life happens“ kam gut an. 2013 hatte Ester Rada unter dem gleichnamigen Titel ihre erste CD mit vier Stücken herausgebracht.

Die grazile Powerfrau mit ihrer von zart bis hart modulierbaren Stimme wurde im Westjordanland geboren. Ihre Eltern haben ihres jüdischen Glaubens wegen Äthiopien verlassen. Musikalisch eingestimmt wurde Ester Rada bereits im Elternhaus, und ihre ersten Banderfahrungen hat sie in der Militärkapelle der israelischen Armee während ihrer Wehrpflicht gemacht. In Israel ist sie bekannt als Schauspielerin.

„Sie sprüht vor Temperament und bringt eine Menge Energie rüber. Wenn sie lächelt, muss man einfach mitlächeln“, schwärmte Besucher Kay Lehrke aus Neumünster. Und auch seine Frau Ilona Lehrke bekannte: „Ich hab kräftig mitgetanzt. Besonders die ruhigeren Passagen waren genau mein Ding.“

Leichtfüßig bewegte sich Ester Rada zu den längeren Instrumentaleinlagen, schüttelte die Locken und griff abwechselnd zur Gitarre oder zum Schellenkranz.

Als echte Pulsbeschleuniger erwiesen sich die vier Männer am Schlagzeug, Keyboard, Bass und Percussion, manchmal kamen auch Blechblasinstrumente zum Einsatz. Ungewohnte Arrangements ließen aufmerken, etwa wenn panflötenähnliche Klänge von harten Schlagzeugbeats abgelöst wurden, die einen maschinenstampfenden Rhythmus vorgaben. Oder wenn Ester Rada ihre Stimme auf Tonband aufnahm und sich selbst sampelte. Solche Experimente brachen den Fluss zwar kurzzeitig, doch die Musiker ließen die Stimmung gekonnt auf kleiner Flamme weiter brodeln und verstanden es, abrupt anzuziehen und das Publikum wieder anzustacheln.

Laut und eindeutig drängten die Besucher nach der ersten Zugabe auf eine zweite, doch nach etwa eineinhalb Stunden war das Konzert leider vorbei.

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