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Holsteinischer Courier

06. Dezember 2016 | 15:01 Uhr

Bönebüttel : Rehkitz-Rettung mit Rauchmeldern

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Haben die Husberger Jäger und Bauern die Lösung gefunden? Nach ihrem Versuch wurde kein einziges Rehkitz getötet.

Bönebüttel | „Blaue für Schlaue.“ Dieser Slogan steht für die auffälligen blauen Reflektoren, die die Jäger in vielen Revieren im Land an die Straßenbegrenzungspfosten geschraubt haben. Das Projekt zur Kitzrettung läuft auch im Husberger Raum sehr erfolgreich. Das bestätigte der Husberger Jäger und Naturschutzbeauftragte aus dem dort zuständigen Hegering 8, Jens Teegen. Doch es gibt noch weitere neue Tricks, um die jungen Tiere zu retten.

Allein an der Bundesstraße 430 in Richtung Plön warnen von Bönebüttel aus auf vier Kilometern die blauen Reflektoren das Wild vor Fahrzeugen. „Im Jagdjahr 2015 bis 2016 sind neun Rehe durch Verkehrsunfälle getötet worden. In den Jahren ohne die Zusatzreflektoren waren es bis zu 14 Rehe“, erklärt Teegen.

Zum Hegering gehören zehn Reviere mit einer Fläche von 6800 Hektar. Hier geben die Zahlen ein ähnliches Bild. Besonders in den Nachtstunden zeigen die blauen Reflektoren Wirkung. Je nach Jahreszeit lässt sie allerdings ab 4.30 Uhr deutlich nach. „Die besondere Wirkung entsteht durch die blauen Lichtreflexe, wenn die Reflektoren von den Autos angestrahlt werden“, sagt Teegen. Achtsamkeit bleibt trotzdem besonders dort geboten, wo Schilder mit der Aufschrift „Achtung Wildwechsel“ stehen.

Hinzu kommen jetzt im Juli und August die Getreideernte und die Paarungszeit der Rehe. Wenn die Mähdrescher über die Felder ziehen, kommt Bewegung in Reh-, Dam- oder auch Schwarzwild. Dann ist auch tagsüber mit querendem Wild auf der Straße zu rechnen. „Und besonders bei schönem Wetter treiben es die Rehe bunt“, erklärt Teegen. In der Blattzeit geht es beim Rehwild häufig in wilder Hatz kreuz und quer durchs Revier. Wenn die Böcke die Ricken vor sich hertreiben, sind die Tiere blind für den Straßenverkehr. Bis Mitte August geht das quirlige Treiben. Danach gibt es eine Pause bis zur Maisernte, die noch einmal das Land verändert.

Eine gute Nachricht hatte Teegen von der Grasernte im Husberger Revier. Dabei kamen bisher immer zahlreiche Kitze zu Tode. Die Geburt der Kitze fällt oft mit dem ersten Grasschnitt im Mai zusammen. Da die Kitze sich anfangs bei Gefahr ducken und nicht flüchten, gerieten sie allzu häufig in die Messer der Mähwerke. Selbst das Absuchen mit erfahrenen Jagdhunden half nicht immer. Und auch der Einsatz einer modernen Flugdrohne mit Wärmebildkamera sei weder fehlerfrei noch in der Praxis flächendeckend machbar, hieß es.

Wirkung hat in einem Feldversuch im Husberger Revier allerdings der bewusste Missbrauch von Rauchmeldern gezeigt. Ein bis zwei Nächte lang haben die Jäger in Zusammenarbeit mit den Landwirten vor dem Mähen auf Dauerton geschaltete Rauchmelder mitten in die Wiesen gestellt. Bei der Randstreifenkontrolle mit dem Jagdhund wurden keine Kitze mehr gefunden. Die Ricken hatten ihre Babys in der Nacht an andere Plätze geführt – weg von dem nervigen Piepton der Rauchmelder. „Ein Melder auf etwa vier Hektar Fläche hat gereicht“, berichtet Teegen.

Bisher waren es regelmäßig sechs bis acht tote Kitze, die den Jägern während der Grasmahd gemeldet wurden. Die Bilanz dieses Jahres kann sich sehen lassen: kein einziges totgefahrenes Kitz in der Grasernte.

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