zur Navigation springen

Diensthundestaffel Neumünster : Polizeihund Nora – Einsatz mit Pfoten und Schnauze

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Polizeihundeführer Reno Fischer und seine Schäferhündin Nora spüren in Neumünster und Umgebung Drogen auf und sorgen für Sicherheit.

Neumünster | Polizeihündin Nora (8) hat heute Dienst. Sie streicht durch den Raum, schnuppert am roten Schrank, an den gestapelten Kisten, dann an der Heizung und zieht dabei immer engere Kreise um die gelbe Kehrmaschine – bis sie direkt davor erstarrt, die Schnauze dicht am Motor. Sie hat ihren Job erledigt und die Amphetamine entdeckt. „Gut gemacht“, lobt der Diensthundeführer Reno Fischer (48) seine Nora und lässt die Deutsche Schäferhündin zur Belohnung mit ihrem Kaustock spielen. Das Rauschgift hatte Fischer, Polizeioberkommissar und Staffelleiter der Diensthundestaffel Neumünster, zuvor im Keller auf dem Gelände der Neumünsteraner Berufsfeuerwehr für die Trainingseinheit versteckt.

Nora ist einer von zehn Diensthunden in Neumünster und dem Kreis Rendsburg-Eckernförde. „Der Hund ist ein echter Partner und wie mein Schatten. Wenn ich ihn auf der Dienststelle nicht anbinden würde, würde er mit auf die Toilette kommen“, sagt Fischer und scherzt damit nicht wirklich. Auf Schritt und Tritt folgt Nora ihrem Herrchen bei der Polizeiarbeit: auf Streife, bei Vernehmungen oder wenn eine Anzeige aufgenommen wird.

„In erster Linie sind es Schutzhunde“, erklärt Fischer. Die bloße Anwesenheit eines Diensthundes wirkt häufig deeskalierend. Einen aufs Zubeißen trainierten Schäferhund greift nämlich auch ein aggressiver Hooligan nicht ohne weiteres an.

„Als Hundeführer steht man immer überall in erster Reihe – ob bei Schlägereien oder wenn ein Einbrecher gestellt werden muss. Oder als Angela Merkel die Holstenhallen besuchte. Und jetzt in der Wahlkampfzeit müssen Räume und Plätze gesichert werden, an denen Politiker auftreten oder Demos stattfinden. Drei Diensthunde ersetzen eine ganze Gruppe Polizisten“, sagt der Polizist. Ob er sich dabei gelegentlich Sorgen um Nora mache? „Sicher. Aber das darf nicht dazu führen, dass ich den Hund nicht einsetze. Ich kann mir ja auch nicht aussuchen, bei einer Demo keinen Dienst zu machen, wenn da Steine fliegen.“

Die Deutsche Schäferhündin Nora ist seit fast sieben Jahren für die Polizei tätig. Streifenwagen sind für sie feine Spielzeuge.
Die Deutsche Schäferhündin Nora ist seit fast sieben Jahren für die Polizei tätig. Streifenwagen sind für sie feine Spielzeuge. Foto: Sven Raschke
 

Zum Schutzeinsatz kommt bei Nora noch ihre Ausbildung als Spürhund: Sie ist auf Drogen, Sprengstoff, Munition, Brandbeschleuniger und Geld trainiert. „Die Hunde werden mit geschredderten Geldscheinen von der Bundesbank ausgebildet“, so Fischer. Auch Menschen spürt Nora auf – tot oder lebendig. Fischer: „Nora ist besonders gut in der Nasenarbeit. Sie hat eine gewisse Ruhe und ist in ihrer Arbeit sehr akribisch.“

Bei einem Einsatz in einer Scheune im Umland von Neumünster hatte Nora beispielsweise einmal einen Gefrierschrank fixiert. Fischer öffnete den Schrank, fand aber nur Wildfleisch. „Sie hat nur Hunger“, dachte Fischer, aber Nora ließ nicht locker, bis ihr Herrchen den Gefrierschrank noch einmal gründlicher untersuchte – und ein halbes Kilo Amphetamine fand. Das war ein schöner Erfolg. „Wenn der Hund nichts anzeigt, dann kann ich sicher sein, da ist nichts“, erklärt Fischer stolz.

Seit fast sieben Jahren ist er mit Nora im Einsatz. Doch schon von Kind auf war Fischer Hundebesitzer. Mit seinem „Zivilhund“, dem Riesenschnauzer Ida, macht er schon länger Hundesport. „Warum nicht das Hobby mit dem Beruf verknüpfen?“, dachte er sich, bewarb sich 2010 als Diensthundeführer und bekam nach einer Eignungsprüfung die damals einjährige Nora zugeteilt. Seitdem ist sie ein Teil der Familie geworden. Auch Fischers Frau liebt die beiden Hunde.

Anders sei die Arbeit als Diensthundeführer auch kaum möglich, erklärt Fischer. „Das ganze Leben richtet sich nach dem Hund, weil er ja nach Dienstschluss mit nach Hause kommt. Nora ist auch kein Dackel, den man mal eben dem Nachbarn überlassen kann, wenn man in Urlaub fährt. Sie ist dazu ausgebildet, auf gewisse Situationen aggressiv zu reagieren. Man muss wissen, wie damit umzugehen ist.“ In den falschen Händen sei sie durchaus gefährlich.

Zupacken, nicht loslassen: Nora trainiert mit Gesa Jöhnk. Der dicke Arm und die spezielle Jacke schützen die Polizistin, wenn mal ein Biss daneben geht.
Zupacken, nicht loslassen: Nora trainiert mit Gesa Jöhnk. Der dicke Arm und die spezielle Jacke schützen die Polizistin, wenn mal ein Biss daneben geht. Foto: Sven Raschke
 

Das Land übernimmt die Hundesteuer, die Tierarztkosten und bezahlt 71 Euro Futtergeld im Monat – aber nur, bis der Hund in Rente geht. Etwa acht bis zehn Jahre ist ein Polizeihund im Dienst. Jährlich wird die Tauglichkeit geprüft. Noras Schnauze wird mit ihren acht Jahren langsam grau. Nach einem Einsatz schläft sie manchmal länger. Ein vertretener Fuß heilt nicht mehr so schnell. „Ansonsten ist sie aber noch fit“, sagt Fischer. Wenn das Ende ihrer Dienstzeit abzusehen ist, wird er einen neuen Hund beantragen. Nora bleibt selbstverständlich in der Familie – und geht dann auch formell vom Besitz des Staates in den von Reno Fischer über.
 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 14.Mär.2017 | 08:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen