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Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 09:51 Uhr

Armut : Platznot in der Tafel wird immer größer

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Räume an der Kieler Straße platzen aus allen Nähten. Ein Aufnahmestopp für neue Gäste besteht inzwischen seit zwei Jahren.

Neumünster | Die Situation der Tafel an der Kieler Straße wird immer prekärer. Es ist in erster Linie die Raumnot, die Chefin Christina Arpe und ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern zu schaffen macht. Gerne würden sie mit der Einrichtung neue Räume beziehen, doch eine Alternative ist derzeit nicht in Sicht.

„Wir platzen aus allen Nähten. Es ist inzwischen wirklich so, dass ich anbauen und alle umliegenden Garagen füllen könnte“, sagt Christina Arpe, die schon lange für neue Räume kämpft. „Ich saß schon so oft bei unserem ehemaligen Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth. Er hat uns daraufhin Räumlichkeiten in Wittorf angeboten. Aber wie sollen die Tafelgäste zu Fuß dort hinkommen?“, fragt Christina Arpe. Denn die Lage ist für die Tafel-Leiterin der entscheidende Punkt: „Die neuen Räume müssten auf jeden Fall im Zentrum sein. Wir würden auch gerne in unserem Viertel bleiben“, macht sie deutlich. Eine ideale Lösung wäre für sie nach wie vor die Ribsteinhalle an der Anscharstraße. „Aber da werden wir irgendwie übersehen“, sagt Christina Arpe, die sich von der Stadt ein wenig allein gelassen fühlt. Auf die Frage, ob sie noch Hoffnung auf eine baldige Lösung habe, schüttelt sie resigniert mit dem Kopf.

Problematisch ist auch der große Zulauf von wöchentlich rund 3500 Tafelgästen, zu denen auch Schulen und Einrichtungen wie das Frauenhaus zählen. „Das ist die oberste Grenze, mehr geht einfach nicht“, sagt Christina Arpe. Der Aufnahmestopp bei der Tafel besteht inzwischen seit knapp zwei Jahren, und ein Ende ist nicht in Sicht. „Wir haben diesen Stopp teilweise mal für ein bis zwei Wochen unterbrochen, aber dann war der Ansturm so groß, dass wir sofort wieder dicht machen mussten.“

Menschen abzuweisen ist für Christina Arpe und ihre 62 ehrenamtlichen Helfer eine schwere Situation. „Das tut schon weh. Aber irgendwann sind die Kapazitäten erschöpft. Auf dem Rücken der Ehrenamtlichen ist vieles geschafft worden, aber irgendwann sind die Kräfte am Ende“, sagt die Tafel-Chefin, die „unglaublich stolz“ auf ihr tatkräftiges Team ist. Ohnehin würden die freiwilligen Mitarbeiter inzwischen am Limit arbeiten. „Manche kommen täglich und sind stets acht Stunden vor Ort. Aber irgendwann sind die Mitarbeiter überfordert, weil es zeitlich einfach nicht mehr machbar ist“, sagt Christina Arpe.

Keine Probleme gibt es dagegen mit den Lieferungen der Supermärkte: „Da haben wir hier wirklich sehr großes Glück. Fast alle geben uns etwas ab, was unglaublich hilfreich ist“, sagt Christina Arpe. Was die Tafelgäste an der Ausgabe bekommen, ist von Mal zu Mal unterschiedlich. „Die typische Tafel-Tüte gibt es nicht. Brot ist in der Regel immer da, der Rest variiert. Wenn wir viele Milchprodukte haben, bekommt jeder einen Joghurt. Haben wir wenig, geht er vorrangig an Familien mit Kindern“, erklärt die Tafel-Chefin, die sehr darauf achtet, dass es in der Einrichtung gerecht zu geht: „Sonst gibt es schnell Futterneid.“

Auf die Frage nach ihren Wünschen für die Zukunft muss die Tafel-Chefin nicht lange überlegen: „Neue, größere Räume. Außerdem fände ich es schön, wenn Hartz-IV-Empfänger, die gerne arbeiten möchten, irgendwo untergebracht werden, um sich einen Obolus dazuzuverdienen, beispielsweise durch einen Ein-Euro-Job.“ Das würde die Kartei mit den Tafelgästen auf alle Fälle ausdünnen, ist sich Christina Arpe sicher: „Wir wissen von vielen Gästen, dass sie in so einem Fall ihren Platz denen überlassen würden, denen es noch schlechter geht.“

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erstellt am 10.Okt.2016 | 08:00 Uhr

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