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Holsteinischer Courier

26. September 2016 | 12:28 Uhr

Tungendorf : Ostbahn: Aus Kleingärten wird Wald

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der westliche Teil der Kleingartenanlage wird zurzeit abgerissen. Areal wird aufgeforstet und dient als Ausgleich für Flächen im Industriegebiet

Neumünster | Am östlichen Rand der Anlage Ostbahn in Tungendorf ist die Kleingartenidylle noch intakt. Auf der anderen Seite zur Dosenbek und zur Straße Auwiesen hin regieren zurzeit die Abrissbagger. Auf den brach liegenden Parzellen werden die Lauben abgerissen, belastetes Material wie Eternitplatten kommt bis zur fachgerechten Entsorgung in große Plastiksäcke. Zum Schluss werden auch die Fundamente abgebrochen.

„Der westliche Teil der Anlage wird zurzeit geräumt und dann zu einer Waldfläche umgewandelt“, erläutert Dietrich Busch von der Grünflächenabteilung der Stadt. Für die weiterhin existierenden Gärten im Osten soll die Entwässerung zur Dosenbek wieder hergestellt werden. Das Areal, das Ausgleich für Flächen im Industriegebiet Süd ist, wird dann in Teilen aufgeforstet oder sich selbst überlassen.

„Es waren einmal um die 150 Pachtgärten. Das wurde auf 49 Parzellen reduziert, knapp 40 davon sind belegt“, sagt Sven-Martin Sachau, der Gemeinschaftsleiter an der Ostbahn. Schon vor zwei Jahren habe die Stadt den vorderen Teil der Anlage vom Kleingartenverein Neumünster zurückgenommen.

Der kämpft seit Langem mit großen Leerständen. „Wir haben etwa 400 leere Gärten bei einem Bestand von rund 1450. Das ist schon viel“, sagt der 1. Vorsitzende des Kleingartenvereins, Hansheinrich Gräfe und nennt das Problem: „Wenn die Lauben erst einmal nicht mehr belegt sind, kommen ungebetene Gäste.“ Und je mehr Leerstand es gibt, um so höher werden die Pachtkosten für die verbleibenden Kleingärtner.

Die haben an der Ostbahn Bestandsschutz, macht Stadtplaner Bernd Heilmann klar: „Keiner muss gehen. Aber auf lange Sicht ist das eine Anlage, die wir der Natur zurückgeben wollen.“ Ein Grund seien auch die Probleme mit dem hohen Grundwasserspiegel. „Die Ostbahn wird irgendwann nicht mehr zu bewirtschaften sein“, ist auch Hansheinrich Gräfe überzeugt. Die Stadtplanung arbeitet gerade ein Entwicklungskonzept für die Kleingartenanlagen in der Stadt aus und führt dazu Gespräche mit den Vereinen und den betroffenen Pächtern.

„So schnell wird hier nicht Schluss sein“, ist „Hänschen“ Schümann, Pächter der Gastwirtschaft an der Ostbahn, überzeugt. Hans-Jürgen Kunz ist hier seit 49 Jahren Laubenpieper und sagt: „Unser Bereich im Osten zwischen Moorweg, Feldweg und Heideweg soll erhalten bleiben.“ Er will bleiben, so lange er kann. „50 Jahre schmeißt man nicht so einfach weg“, sagt Kunz, sieht aber auch: „Es fehlt der Nachwuchs.“

Werner Stoffers in der gegenüber liegenden Parzelle weist auf einen Löwen aus Stein mit dem eingemeißelten Datum 26.8.1988. „Das ist mein Ausweis. So lange habe ich die Parzelle 101 schon“, sagt er. Die Gemeinschaftsarbeit sei heute nicht mehr jedermanns Sache. Dass es an der Ostbahn keinen Strom- und Wasseranschluss gibt, sieht er nicht als Manko. „Das ist doch eine Idylle und Ruhe hier.“ Und er hat eine Idee für die Leerflächen. Stoffers: „Warum nicht ein Rollator- oder Rollstuhlpark für Demente?“

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erstellt am 22.Sep.2016 | 08:00 Uhr

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