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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 20:20 Uhr

Theater : Ödipus mit Käppi und Sonnenbrille

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Schauspieler und Kabarettist Bodo Wartke präsentierte im Theater in der Stadthalle Weltliteratur erfrischend modern.

Neumünster | Der Stoff klingt, als käme er aus dem übelster Schundroman: Ein Sohn erschlägt seinen Vater, heiratet die eigene Mutter und bekommt mit ihr Kinder. Und doch gehört die berühmte Geschichte um das Schicksal von König Ödipus zur Weltliteratur. Mit der über 2000 Jahre alten Tragödie aus der Feder des antiken Griechen Sophokles zog der großartige Bodo Wartke am Sonnabendabend in der Reihe „Kultur mit Biss“ die 450 Besucher im Theater in der Stadthalle in seinen Bann.

Der Schauspieler und Kabarettist hat mit seiner Ein-Mann-Version des „Ödipus“ ein zeitgemäßes und leicht verständliches Stück auf die Bühne gebracht, das gleichermaßen reich ist an Sprachschönheit, Witz und packender Spannung. In zweieinhalb Stunden Spielzeit – Hut ab vor Wartkes Ausdauer – schaffte es der Schauspieler, konstant die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. Zur Verfügung hatte er außer seiner Stimme, seiner starken körperlichen Präsenz und dem makellosen Text als Requisiten lediglich ein Käppi, eine Sonnenbrille, eine Handpuppe und einen Flügel.

Den spielte Bodo Warte immer dann, wenn er singend Ereignisse zusammenfasste und so die Funktion des antiken dramatischen Chors aufnahm. Wartkes Version ordnete die Handlung außerdem chronologisch und erleichterte damit das Verständnis. Den Charakter der Hauptperson entwickelte Wartke geschickt. Bevor Ödipus in die tragische Situation kam, in Unwissenheit schwere Schuld auf sich zu laden, ließ Wartke den Sohn der Iokaste und des Laios, König von Theben, wie einen normalen Jugendlichen von heute auftreten. Slangausdrücke, schluffige Haltung, nicht eben mit Bildung beschlagen zeugte sich Ödipus am Anfang. Im Laufe der Handlung verfeinerte er sich, wurde König von Theben und fiel schließlich umso tiefer, als aufflog dass er Vatermörder und Muttergatte ist.

In der stetig an Spannung zunehmenden Inszenierung – zwischenzeitlich war es mucksmäuschenstill auf der Tribüne– tat es gut, wenn Wartke immer wieder mit lustigen Pointen für Entspannung sorgte. Zwischenzeitlich klopften sich die Besucher auf die Schenkel und bogen sich vor Lachen. „Ich musste das Drama in der elften Klasse lesen und fand es furchtbar! Aber es gibt Passagen, die man in Stein meißeln kann. Leider machte es zu wenig Spaß, daher beschloss ich, es umzuschreiben“, erklärte Bodo Wartke nach der Aufführung den Anfang für seine eigene Fassung, mit der er vor 15 Jahren begonnen hatte. „Es gefällt mir gut und macht wirklich Lust, sich einmal das Original vorzunehmen“, sagte der Besucher Joscha Jensen begeistert.

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