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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 08:56 Uhr

Flüchtlinge : Nur noch 500 Menschen am Haart

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadt rechnet mit deutlich verringerter Zuweisung

Neumünster | Die Zahl der Flüchtlinge in der Zentralen Landesunterkunft am Haart ist in den vergangenen Monaten – wie landesweit – rapide zurückgegangen. Das könnte sich auch auf die Zahl der Flüchtlinge auswirken, die Neumünster ab 2017 dezentral unterbringen muss.

Derzeit geht man in der Stadt von rund 1000 Menschen aus, die Neumünster im kommenden Jahr mit Wohnraum versorgen und integrieren soll – 400 weniger als bisher prognostiziert. Das bestätigte gestern Thorben Pries, Büroleiter des erkrankten Oberbürgermeisters. Die Zahlen könnten sich allerdings jederzeit wieder ändern, sagte Pries.

Nach dem aktuellen Verteilungsschlüssel muss Neumünster 2,74 Prozent der in Schleswig-Holstein ankommenden Flüchtlinge aufnehmen. Da im gesamten Jahr 2015 jedoch erheblich weniger Flüchtlinge als zunächst hochgerechnet – insgesamt 35  076 Menschen – nach Schleswig-Holstein kamen, wurde jetzt auch die Prognose nach unten korrigiert.

Allerdings kann sich auch der Verteilungsschlüssel noch geringfügig wieder ändern, wenn die neuen Einwohnerzahlen für die Städte und Kommunen vorliegen. Sie werden jeweils zu Ende März erhoben und sollen in diesen Tagen veröffentlicht werden.

Derzeit sind in der Landesunterkunft am Haart noch etwa 500 Flüchtlinge einquartiert, in Boostedt rund 100. Diese Zahlen seien seit Längerem „mehr oder weniger konstant“, sagte Pries. Zum Vergleich: Zu den Spitzenzeiten der großen Flüchtlingswelle im vergangenen Spätsommer waren in Neumünster und Boostedt zeitweise über 6000 Menschen – teils in eilends errichteten Notquartieren – untergebracht.

Seit Anfang dieses Monats läuft in der Landesunterkunft der Probebetrieb des ersten von zwei „Ankunftszentren“ des Landes. Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sollen hier künftig innerhalb von zwei Tagen über den Aufenthaltsstatus der ankommenden Flüchtlinge entscheiden. Im Schnitt werden die Neuankömmlinge dennoch bis zu zweieinhalb Wochen in der Landesunterkunft bleiben, bevor sie auf die Kommunen verteilt werden.

Auch die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge ist rückläufig: Im März kamen noch 46 Jugendliche im Juni waren es 17. Insgesamt hat der Allgemeine Soziale Dienst der Stadt (ASD) derzeit 346 minderjährige Flüchtlinge in seiner Obhut. 98 von ihnen sind im Laufe der Betreuungszeit volljährig geworden.

STANDPUNKT

von Jens Bluhm

1400? – 1000? – Oder doch 1600?  Wie die  Städte und Kommunen des Landes  ist auch das Rathaus Neumünster nicht um die Aufgabe zu beneiden, den weiteren Flüchtlingszustrom möglichst passgenau zu „berechnen“. Die Prognosen gleichen angesichts der Unwägbarkeiten  im  internationalen   Politikgeflecht dem berühmten Blick in die Glaskugel. Öffnet sich die Balkanroute wieder oder finden findige Schleuser eine  neue Straße des Elends, auf der  verzweifelte Menschen einer vermeintlich besseren Welt entgegenstreben? Wird der Syrienkrieg noch brutaler?  Oder überlegt es sich  Erdogan doch noch einmal?  Selten war  die Tatsache, dass die  Welt nichts anderes als ein Spielfeld  geostrategischen Kräftemessens ist, so direkt und unmittelbar bis in die lokale Ebene spürbar. Uns als kleiner Stadt  bleibt da nur wenig mehr als genau hinzuschauen – und hoffentlich rechtzeitig richtig zu reagieren.

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erstellt am 01.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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