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Holsteinischer Courier

03. Dezember 2016 | 01:26 Uhr

Aktionswoche : Notruf-Tüten gegen häusliche Gewalt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Netzwerk, Bäckereien, Gleichstellungsbeauftragte verteilen Brötchentüten zur Aufklärung und Prävention / Infostände auch in 16 Kitas

Neumünster | Es passiert hinter verschlossenen Türen, es geht quer durch alle soziale Schichten: Häusliche Gewalt ist kein Randphänomen und kein Kavaliersdelikt. 90 Prozent der Opfer sind Frauen, häufig sind auch Kinder betroffen. Um auf das Thema aufmerksam zu machen, findet bereits zum 13. Mal die Aktion „Schau hin! Gewalt kommt nicht in die Tüte“. In Neumünster werden 40000 Brötchentüten in den Innungs-Bäckereien verteilt. Zum zweiten Mal ist die Aktion auch in Kitas präsent.

Gestern wurden 1200, von den Bäckereien gespendete Brötchen eingetütet, um sie an Kitas in Tungendorf, an der Roonstraße und an der Haartallee zu verteilen. Was in einem Fall häuslicher Gewalt konkret mit Fax- und Informationsketten zwischen Polizei, Notruf und Jugendamt passiert, schilderte Iris Lüder, Koordinatorin des Kik-Netzwerks – Kik steht für Kooperations- und Interventionskonzept des Landes bei häuslicher Gewalt. Zum Netzwerk, das seit 14 Jahren besteht, gehören Institutionen wie Polizei, Staatsanwaltschaft, Familienrichter, Notruf, das Autonome Frauenhaus, Kinderschutzbund, Allgemeiner Sozialer Dienst und weitere. Bei einem Fall häuslicher Gewalt werden für das Opfer therapeutische Beratung und für die Kinder eine spezielle geschützte Gruppe angeboten. Auch der Täter kann Hilfe nach dem Motto „Hilfe statt Strafe“ in Anspruch nehmen.

Petra Strahl, Leiterin der Präventionsstelle der Polizeidirektion Neumünster, stellt die aktuellen Zahlen für 2016, Stand November, vor: 155 Fälle wurden bei der Polizei aktenkundig. Die Opfer waren zu 90 Prozent weiblich. Ausgesprochen wurden 35 Weg-Weisungen, bei der Täter bis zu 14 Tage der gemeinsamen Wohnung fern bleiben muss, immerhin 23 Platzverweise über Nacht wurden ebenfalls angeordnet. Fünf Mal wurden die Täter in Gewahrsam genommen. Nicht alle Fälle landen bei der Polizei, daher ist die Statistik des Notrufs Neumünster 2016 anders: 275 Frauen suchten professionelle Hilfe nach akuter häuslicher Gewalt; insgesamt 167 Kinder wurden mit den Gewalthandlungen konfrontiert – und die Notruf-Frauen sprechen von zehn- bis zwölfmal so hohen Dunkelfeldzahlen. Das Autonome Frauenhaus nahm bis jetzt 111 Frauen auf.

Mit dabei ist auch die Bäckerei der Justizvollzugsanstalt. Betriebsleiter Lars Heimann: „Am Anfang haben wir Tüten gekauft, seit 2015 Brötchen gespendet. Dieses Jahr waren es 200 Stück. Wir verteilen die Tüten und sprechen mit den Gefangenen über das Thema – und es gibt eine Superresonanz, sie sind total begeistert von der Aktion.“

Die Aktion ist landesweit und eine Kooperation der Bäckerei-Innung, der Gleichstellungsbeauftragen, Frauenfacheinrichtungen und dem Kik-Netzwerk. Bis Ende der Woche werden über 360  000 Tüten verteilt, auf denen die Informationen und die Notruf-Nummer abgedruckt sind.

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erstellt am 24.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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