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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 11:31 Uhr

Gerichtsbericht : Nicht alle Hunde wurden krank

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Hundezüchter-Prozess bleiben die Fronten verhärtet.

Neumünster | Im dem Prozess gegen ein Hundezüchterpaar aus Padenstedt ist auch fast drei Monate nach Beginn der Verhandlung noch kein Ende abzusehen. Seit Anfang Februar müssen sich eine Frau (44) und ein Mann (60) vor dem Schöffengericht in Neumünster verantworten. Sie sollen über Jahre unheilbar kranke Labradore gezüchtet und verkauft haben. Laut Anklage erkrankten über 35 Welpen an dem Gelenk-Leiden Hüft- (HD) beziehungsweise Ellenbogendysplasie (ED) . Für die Welpen soll das Paar zwischen 650 und 1100 Euro bekommen haben (der Courier berichtete).

Doch nicht jeder Hund aus der Zucht der Angeklagten ist von dem Leiden betroffen. Das machten jetzt mehrere Käufer deutlich, als sie als Zeugen aussagten. „Ich habe meinem Hund nichts angemerkt. Dann meldete sich plötzlich die Polizei, und wir sollten zum Röntgen. Da fiel dann eine ganz leichte Hüftdysplasie auf der linken Seite auf, die aber absolut keine Probleme macht. Das hat auch der Tierarzt gesagt“, erzählte die Besitzerin von Labrador Gina, der aus einem Wurf aus dem Frühjahr 2011 stammt. Ähnlich äußerten sich die Besitzer weiterer Hunde. Ein Hundehalter hatte sich zwar nach wenigen Monaten wieder von seinem Labrador getrennt, weil er mit dem Temperament des Tieres nicht klar kam, doch die neuen Besitzer hatten ihm erst vor Kurzem signalisiert, dass es dem Hund sehr gut gehe. Er sei gesund und sogar als Suchhund ausgebildet worden, hieß es.

Das verwunderte die Angeklagten nicht. „Ich habe viele Hunde gezüchtet, die später zum Beispiel als Behinderten-, Blinden oder Zollhunde eingesetzt wurden. Alle bestanden mit Bravour die Gesundheitsprüfungen. Es wurde kein Schrott verkauft“, sagte der 60-Jährige.

Die Fronten in dem Verfahren sind nach wie vor verhärtet, der Ton ist immer wieder scharf zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft. So gibt es durchaus unterschiedliche Auffassungen darüber, ob die Röntgenaufnahmen sowie Speichelproben zahlreicher Hunde in dem Prozess überhaupt als Beweismaterial verwertet werden dürfen. Nach Meinung der Verteidigung wurden sie bei einer Durchsuchung des Geländes und des Privathauses in Padenstedt „rechtswidrig erlangt“ und dürfen deshalb nicht in eine Entscheidung mit einbezogen werden. Die Staatsanwaltschaft bestritt das am letzten Verhandlungstag vehement und erklärte stattdessen detailliert, dass die Durchsuchung rechtmäßig gewesen sei. Das Gericht wird jetzt beide Varianten prüfen.

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erstellt am 04.Mai.2016 | 17:00 Uhr

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