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Holsteinischer Courier

02. Dezember 2016 | 21:09 Uhr

Abfallkonzept : Neumünsteraner sind Müll-Trenn-Muffel

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In der Stadt landet zu viel Bioabfall in der grauen Restmülltonne und muss teuer entsorgt werden. Kleinere Tonnen sollen Anreiz bieten

Neumünster | Die Deutschen sind Weltmeister im Mülltrennen. Doch es gibt ein klares Gefälle zwischen Stadt und Land.  Rein statistisch produziert jeder Neumünsteraner 726 Kilogramm Müll im Jahr. Das ist deutlich mehr als  der Landes-Durchschnitt mit nur 550 Kilogramm.  In Neumünster landet außerdem zu viel Müll in der falschen Tonne. Entsprechend schlecht ist hier die Trenn- und Recyclingquote beim Altglas, bei Papier   sowie bei Verpackungen im gelben Sack und beim Biomüll. Mit ihrem Abfallwirtschaftskonzept will die Stadt gegensteuern. Es wird am Donnerstag im Bauausschuss diskutiert werden.

„Wir haben in der Innenstadt Bereiche, in die wir viel Arbeit stecken müssen, um die Abfalltrennung zu propagieren“, sagt  der Leiter des Technischen Betriebszentrums, Ingo Kühl.    Es lande einfach noch zu viel Bioabfall in der grauen Restmülltonne. Und die ist in der Entsorgung nahezu doppelt so teuer wie die grüne Tonne.

 Ein finanzieller Anreiz könnten kleinere Tonnen sein.   Wegen der Fixkosten werde es die  kleineren 60-Liter-Tonnen aber nicht zum halben Preis der heute üblichen 120-Liter-Tonne geben können. Aber der Bürger solle die Höhe seiner persönlichen Müllgebühren schon besser beeinflussen können, sagt Stadtrat Oliver Dörflinger: „Gleichzeitig soll er gegen Gebühr auch mehr Service buchen können.“ Damit wolle die Stadt auch auf den demografischen Wandel reagieren. Dörflinger: „Es gibt eine älter werdende Gesellschaft  und immer mehr Einzel-Haushalte.“

Technisch bleibt es bei den bekannten Tonnen. Allerdings hat sich die Stadt von Überlegungen mit Einsätzen, die die Füllmenge reduzieren,  wieder verabschiedet.  „Die Tonnen werden kopflastig und kippen schnell um“, sagt Kühl. Die Alternative ist eine Befüllungsmarkierung. Das muss natürlich kontrolliert werden. „Der Müllwerker wird dann schon mal in die Tonne schauen“, sagt Kühl, verspricht aber Kulanz und Flexibilität. Wenn die Tonne doch mal voll werden sollte, könne der Bürger das mit einer Wertmarke bezahlen, die er  im Einzelhandel  kaufen kann.

 Die Eigenkompostierung soll weiter möglich bleiben. Allerdings hat die Stadt das schon 2014 an  strengere Voraussetzungen geknüpft. Die Komposter müssen gegen Ungeziefer wie Ratten gesichert sein, und es muss die Möglichkeit geben, den Kompost im eigenen Garten zu verteilen.

Das Abfallkonzept  gebe die Leitlinien vor, so Dörflinger. Dabei gehe es zunächst noch nicht um Gebühren. Aber auch diese werden bald  Thema sein in den politischen Gremien.

Standpunkt

Da ist noch viel Aufklärung nötig

Die Müllgebühren  und die Abfallsatzung haben in der Vergangenheit schon oft für heiße Kontroversen und auch viel Bürgerkritik gesorgt.  Erinnert sei an die Verschärfung der Bestimmungen für die Eigenkompostierung vor zwei Jahren, die viele auch jetzt noch als Bevormundung betrachten.  Um  so wichtiger ist es,  für Transparenz zu sorgen und die Skeptiker mit Argumenten zu überzeugen.

Argument 1: Die Stadt darf mit den Müllgebühren keine Gewinne erzielen.

Argument 2:  Der demografische Wandel führt  voraussichtlich  zu geringeren Abfallmengen pro Haushalt. Das hat bei  gleich bleibenden Fixkosten für die Abholung und den Transport den paradoxen Effekt, dass die Gebühren  in Relation zu Menge und Gewicht steigen. 

Argument 3: Der Bürger bekommt mehr Auswahlmöglichkeiten  bei der Tonnengröße und kann so persönlich wieder etwas an Gebühren einsparen.

Argument 4: Alle Bürger können durch bessere Mülltrennung die Entsorgungskosten reduzieren und damit auch die auf sie umgelegten Gebühren dämpfen.

Doch dazu bedarf es wohl noch vieler Aufklärungskampagnen.

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erstellt am 26.Okt.2016 | 08:15 Uhr

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