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Holsteinischer Courier

26. März 2017 | 19:07 Uhr

Sozialbericht : Neumünster wächst durch Zuwanderung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Statistiker sagen aber auch eine Überalterung voraus

Neumünster | Der demografische Abwärtstrend scheint vorerst gestoppt: Nach Jahren des Rückgangs steigt die Zahl der Einwohner in Neumünster auf jetzt fast 82000. Es gab 2016 mit 678 (plus 67) wieder mehr Geburten.  Die Arbeitslosigkeit ist mit 9,6 Prozent im Jahresmittel auf dem geringsten Stand seit mehr als 20 Jahren, die Zahl der Beschäftigten mit knapp 27350 auf  einem neuen Höchststand.

Und doch enthält der aktuelle  Sozialbericht, der heute Thema im städtischen Hauptausschuss ist (18.30 Uhr, Rathaus-Sitzungszimmer 2.5/2.6), nicht nur  positive Daten und Aussichten. Einige positiv anmutende Daten beruhen schlicht auf Sondereffekten. Das zeigt ein Blick auf den (statistischen) Stadtteil Stör. Dass hier die Bevölkerungszahl von 2970 im Jahr  2013 auf 4460 förmlich explodierte, liegt an der Erstaufnahmeeinrichtung am Haart. Die Flüchtlinge gehen in die Bevölkerungsstatistik mit ein, auch wenn sie die Stadt nach kurzer Zeit in andere Gemeinden verlassen.

Ein Großteil des Einwohnerzuwachses beruht auf Zuzügen aus dem Ausland. So hat sich der Anteil der Ausländer seit 2010 von 6 auf jetzt 11,8 Prozent fast verdoppelt. Erweitert man den Blick auf die Migranten, hat mit 19,2 Prozent inzwischen sogar fast jeder fünfte Neumünsteraner nichtdeutsche Wurzeln. 2010 lag der Anteil bei 13 Prozent. 

Die demografischen Aussichten bis zum Jahr 2025 sind  nicht rosig. So gehen die Statistiker von einem Rückgang  aus und sagen für den Stadtteil Stör  dann nur noch 2935 Einwohner voraus. Im überalterten  Tungendorf soll die Bevölkerung von jetzt 8250 auf 7500 sinken. Steigende Einwohnerzahlen werden allein Brachenfeld und der Böcklersiedlung zugetraut. Der Anteil der Über-80-Jährigen steigt laut Prognose bis 2025 um ein Viertel, in allen anderen Altersgruppen gibt es Rückgänge. Bedenklich: Die Zahl der Menschen, die Grundsicherung im Alter („Hartz IV für Rentner“) benötigen, steigt in allen Stadtteilen.

Sozialer Brennpunkt ist und bleibt die Innenstadt. So leben im Vicelinviertel 42 Prozent der Bewohner von Hartz IV. Diese Quote hält sich allerdings nahezu unverändert seit 2010. Die Böcklersiedlung putzt sich dagegen immer besser heraus: Hier sank der Hartz-IV-Anteil von 18,5 auf 13,7 Prozent.  

Ein Indiz für die Sozialstruktur in  der Innenstadt ist auch die geringe Zahl an Übergängen zum Gymnasium.  Die Johann-Hinrich-Fehrs- (31 Prozent), Vicelin- (30 Prozent) und Mühlenhofschule (27 Prozent) liegen deutlich unter dem Durchschnitt von  41,5 Prozent. Ausreißer in die andere Richtung ist Einfeld: Hier melden 85 Prozent der Eltern ihr Kind am Gymnasium an.

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erstellt am 14.Mär.2017 | 08:18 Uhr

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