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Holsteinischer Courier

02. Dezember 2016 | 19:16 Uhr

Lkw-Kartell : Neumünster: Spediteure wollen klagen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nach der Rekordbuße für Lkw-Hersteller wegen illegaler Preisabsprachen wollen auch in Neumünster Speditionsunternehmen Schadenersatz.

Neumünster | Wegen illegaler Preisabsprachen verhängte die EU-Kommission eine Rekordgeldbuße gegen ein Kartell der Lkw-Hersteller Volvo/Renault, Daimler, Iveco und DAF. Sie müssen fast drei Milliarden Euro zahlen. Auch MAN machte mit, blieb jedoch wegen der Kronzeugenregelung von der Buße verschont.

Den Schaden für Speditionsunternehmen allein in Schleswig-Holstein schätzt Dr. Thomas Rackow vom Unternehmensverband Logistik (UVL) auf etwa 100 Millionen Euro. Der Verband mit Sitz am Ilsahl will jetzt die Interessen der Spediteure und Logistikfirmen gegenüber dem Lkw-Kartell bündeln. „Zwischen 10 und 20 Prozent sollen die Preise für schwere und mittelschwere Lkw im Zeitraum von 1997 bis 2011, also 14 Jahre lang, erhöht worden sein“, sagt Rackow. Nicht nur gekaufte, sondern auch Leasingfahrzeuge fallen unter das Kartell, so Rackow. Das Spiel sei immer das gleiche gewesen. Die Hersteller hätten jeden Technologiesprung genutzt, um mit Absprachen überhöhte Preise zu verlangen.

Der Unternehmensverband Logistik vertritt die Interessen von etwa 400 Mitgliedsunternehmen mit etwa 2200 Lkw. Eins von 12 UVL-Mitgliedern aus Neumünster ist Voigt Logistik. Die Gruppe beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und hat 1800 Lkw. Eine Zugmaschine kostet um die 100  000 Euro und hat im Fernverkehr nach fünf bis sechs Jahren und etwa 900  000 Kilometern Fahrleistung seine Nutzdauer erreicht. „Da kommen richtig Summen zusammen, das ist ein Hammer“, sagt Firmenchef Henning Voigt: „Das Vertrauen in die Hersteller ist schwer erschüttert.“

Ähnlich sieht das Bernd Muntowski von der Firma Sprint Transportgesellschaft aus der Leinestraße. Wir stehen ständig unter Druck, sind an Recht und Gesetz gebunden, und die Großen machen, was sie wollen“, sagt Muntowski. Auch er will seine Ansprüche prüfen. Eine Blitzumfrage habe ergeben, dass schon jetzt mehr als 1100 Fahrzeuge betroffen sind, sagt Rackow und schätzt die Zahl noch deutlich höher, da noch nicht alle Firmen geantwortet haben.

Es gehe dem UVL nicht „um den Prozessweg, sondern darum, Ansprüche zu bündeln und mit der gesamten Branche eine einvernehmliche Entschädigung mit den Herstellern zu verhandeln“, sagt Rackow und sieht dafür gute Chancen. Mercedes etwa wolle auf die Kunden zugehen und strebe einen außergerichtlichen Vergleich an. Rackow: „Die wollen Vertrauen zurückgewinnen und wieder Mercedes-Lkw verkaufen.“ Ein Vergleich sei auch im Sinne des UVL. „Lange Prozesse sind nervenaufreibend und kostspielig“, sagt Rackow.

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erstellt am 14.Aug.2016 | 08:30 Uhr

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