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Schillsdorf : Neue Hürden für den Waldkindergarten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Darf der Bauwagen dauerhaft im Bokhorster Wald bleiben? Der Runde Tisch in Kiel brachte bisher noch keine Lösung

Schillsdorf | Sicher ist es immer noch nicht, ob der Bauwagen im Wald bleiben kann. Der Bokhorster Waldkindergarten muss immer wieder neue Hürden nehmen.

Seit zwei Jahren wird darum gestritten, ob der Bauwagen, der für trockene Kleidung und Material benötigt wird, im Wald stehen darf. Zuletzt hatte es am 1. Februar eine Kundgebung mit über 100 Beteiligten im Wald gegeben (der Courier berichtete). Kurz zuvor war entschieden worden, dass der Wagen bis auf Weiteres stehen bleiben dürfe.

Im März dann hatten die Bokhorster Kindergartenleiterin Alexandra Kummutat und Waldgruppenleiterin Petra Rothenburg-Bahr ihre Hoffnungen in einen „Runden Tisch“ in Kiel gesetzt, in dem endlich verlässliche Rahmenbedingungen für den Betrieb und die Sicherheit rund um den Bokhorster Waldkindergarten geschaffen werden sollten. Die Runde mit Vertretern aus dem Sozialministerium, dem Innenministerium und dem Landwirtschaftsministerium, Vertretern der Parteien, der Unfallkasse, dem Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag, Staatssekretären aus den Ministerien, dem Kreiselternverband, dem Bundesverband der Waldkindergärten bis hin zu Teilnehmern aus ebenfalls betroffenen Waldkindergärten konnte das Problem rechtlicher Rahmenbedingungen allerdings bisher nicht lösen. Staatssekretärin Manuela Söller-Winkler meinte dennoch: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Die Landesregierung werde den entsprechenden Erlass zeitnah ändern, heißt es in einer Pressemitteilung.

So besagt ein Satz in Paragraf 24 Landeswaldgesetz: „Eine Unterschreitung des Waldabstands zugunsten von baulichen Anlagen waldpädagogischer Einrichtungen kann bereits zugelassen werden, wenn diese nicht durch Windwurf oder Waldbrand gefährdet werden und von ihnen keine Waldbrandgefahr ausgeht.“ In der zugehörigen Verordnung heißt es: „Bei der Berücksichtigung der Windwurfgefahr ist von einer Wuchshöhe des Waldes von mindestens 30 Meter auszugehen. Auf die Wuchshöhe zum Zeitpunkt der Entscheidung kommt es nicht an. Eine Unterschreitung des Waldabstandes ist bei einer verminderten Standfestigkeit von Bäumen regelmäßig nicht zulässig.“

„Im Klartext dürften damit im Umkreis von 60 Metern um den Waldwagen der Kinder keine Bäume stehen“, erklärt Petra Rothenburg-Bahr in Bokhorst. Zwar gibt es im Umkreis des Aufenthaltsplatzes und Wagens keine kranken Bäume, sondern nur gesunde und durch den zuständigen Forstbetreuer gepflegte Bäume, das interessiere allerdings im Sinne des Gesetzes nicht. Außerdem müsse jetzt nach Angeben der Plöner Kreisverwaltung auch noch eine Zufahrtsmöglichkeit für Rettungsfahrzeuge mit einem Gewicht von bis zu 16 Tonnen geschaffen werden. Immerhin habe die Gemeinde signalisiert, auch das noch zu erfüllen. „Das alles ist irgendwie Din-Iso-Irre“, meinte Petra Rothenburg-Bahr. Platz für gesunden Menschenverstand lasse manche wohlgemeinte Verordnung nicht wirklich. Und das habe nichts mit reduzierter Sicherheit für die Kinder zu tun. Ab Windstärke 7 gehe es ohnehin heraus aus dem Wald. Dann werden die Böen zu heftig, und es könnte trotz gepflegter Bäume einmal ein Ast aus dem Kronendach brechen. Jetzt hoffen die Bokhorster Betreuer und Eltern, dass eine Überarbeitung des Waldgesetzes und des Leitfadens für Waldkindergärten doch noch rechtssichere Klarheit bringt.  

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