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Holsteinischer Courier

04. Dezember 2016 | 07:14 Uhr

Tod in Würde : Neue Hospizpläne für Altenheime

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das überarbeitete Konzept der ambulanten Palliativversorgung soll würdiges Sterben in Altenheimen und daheim sicherstellen / Vorstand erweitert

Neumünster | Ein neues Konzept in der Betreuung sterbenskranker Menschen stellt die Altenheime, die Hospiz-Initiative und weitere beteiligte Institutionen vor neue Herausforderungen: Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) hat das Ziel, in jedem Altenheim eine geschützte Abteilung für Todkranke einzurichten. Denn die demographische Entwicklung lässt die Zahl alter Menschen steigen. Die Hospiz-Initiative Neumünster hat darauf mit einem erweiterten Vorstand reagiert: Statt der satzungsgemäßen fünf sind es jetzt acht Vorstandsmitglieder.

Das SAPV gibt es auf Bundesebene seit 2007, in Neumünster wurde der entsprechende Vertrag 2010 unterschrieben. Das Ziel ist es, in allen Altenheimen separate Abteilungen einzurichten oder individuelle hospizliche Pflege im häuslichen Umfeld anzubieten. Getragen wird das Konzept vom Hospiz-Palliativnetz, dem das FEK (Palliativstation), Diakonie, Hospiz-Initiative, ambulante Palliativärzte und elf Pflegedienste angehören. Bisher ist das Konzept in der Probephase mit einem Senioren- und Pflegeheim, dem Haus Berlin. „Es gibt Hospize in anderen Städten, aber wir wollen den Betroffenen und den Angehörigen ersparen, an andere Orte fahren zu müssen“, erläutert Vorsitzende Erika Koepsell.

„Wir sind dankbar, dass wir entsprechende Persönlichkeiten gewinnen konnten“, freute sich die erste Vorsitzende Erika Koepsell. Neu sind Günter Humpe-Waßmuth (zweiter Vorsitzender), der Allgemeinmediziner Wolfgang Weimershaus (Beisitzer) und Gabriele Semrau. Für Peter Dohm rückte Johannes Kux als Schatzmeister nach. Pastor Gerson Seiß ist Ansprechpartner im Vorstand für die Hauptamtlichen, Psychologe Friedrich Tiesmeyer ist Schriftführer. Brigitte Lemke ist im erweiterten Vorstand für die Trauerarbeit zuständig.

Eine Herausforderung ist auch die Finanzierung. Dreiviertel der Ausgaben – 2015 waren das 200  000 Euro – werden über Krankenkassen-Zuschüsse gemäß Sozialgesetzbuch finanziert. Ein Viertel muss über Spenden getragen werden.

„Diese Mischfinanzierung erfordert eine mittel- und langfristige Planung, die die Kosten berücksichtigen muss. Das liegt in der Verantwortung des Trägers. Die ehrenamtliche Hospiz-Arbeit bringt eine eigenständige Qualität in die Begleitung mit ein, die gleichwertig neben den Fachdisziplinen steht“, so Erika Koepsell. In der Hospiz-Initiative engagieren sich 90 ehrenamtliche Mitarbeiter in verschiedenen Feldern – der Begleitung von Sterbenden, der Trauerarbeit während und nach dem Todesfall, bei der Begleitung von Kindern todkranker Eltern und im Trauercafé.

Kommentar von Gabriele Vaquette

Sicherheit für ehrenamtliche Helfer

Es ist eine schwere Situation für alle Beteiligten, wenn ein Mensch sterbenskrank wird – die ganze Familie ist betroffen. Die Angehörigen sind belastet, trauern, müssen es aushalten, bis der geliebte Mensch stirbt. Davor und danach kümmern sich viele ehrenamtliche und speziell geschulte Mitarbeiter der Hospiz-Initiative um die Sterbenden, um Angehörige, geben ihnen einen Raum, in dem sie ihre Trauer und ihren Schmerz zulassen dürfen.  Das ist kein leichtes Ehrenamt, aber man hört immer wieder von den Helfern, dass es auch eine erfüllende Aufgabe ist, bei  dem sie viele neue Erfahrungen machen. Diese wichtige Hilfe muss aber  auf sicheren finanziellen Füßen stehen. Für einen ehrenamtlichen Verein mit nur wenigen Hauptamtlichen kann es nicht angehen, dass er  zur Deckung eines Viertels  seiner  Ausgaben auf  unberechenbar einlaufende  Spenden angewiesen sein muss. Doch  bundesweit gibt es kaum eine einheitliche Regelung, manche Patienten erstreiten sich ihre Leistungen vor Gericht. Die Helfer an der Basis brauchen aber klare Regelungen. Damit sie ihre sehr persönliche Arbeit ohne Sorgen um  das liebe Geld machen können.

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erstellt am 20.Mai.2016 | 12:00 Uhr

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