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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2016 | 11:04 Uhr

Neumünster : Neubaupläne für das Parkcenter in der Innenstadt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mehr Raum für Büros und das Parkhotel: Die Verkaufsfläche soll halbiert und an einen großen Lebensmittelmarkt vermietet werden.

Neumünster | An der Leuchtreklame über dem Eingang fehlt ein Buchstabe, im Inneren gibt es viele Leerstände und sonst fast nur noch Billig-Läden. Doch bald soll sich etwas tun im Neumünsteraner Parkcenter: Der Eigentümer plant einen Komplettumbau des 1976 eröffneten Centers und hat seinen Entwurf schon in den beiden großen Ratsfraktionen vorgestellt. CDU und SPD sind begeistert.

Das einst gut genutzte Einkaufszentrum mit Kino und Traditionsläden war in den vergangenen Jahren immer unattraktiver geworden und präsentierte den Hotelgästen einen altmodischen Eindruck von der Stadt.

„Der Investor ist ein Mann aus Berlin und will da richtig Geld reinstecken“, sagte CDU-Fraktionschef Gerd Kühl auf Nachfrage. Nach Informationen des Holsteinischen Couriers handelt es sich um den Immobilienunternehmer Artur Süßkind. Die jetzt vorgestellten Pläne sehen vor, dort einen großen Lebensmittelmarkt zu bauen. Ein Teil des Parkcenters solle dafür abgerissen und neu gebaut werden, das Hotel vergrößert werden. „Wir haben dem Investor mit auf den Weg gegeben: Wir als CDU würden die Pläne positiv begleiten“, so Kühl.

Franka Dannheiser, SPD-Bauexpertin und Fraktions-Vize, geriet sogar ins Schwärmen: „Wir sind begeistert. Das wird ein städtebauliches Highlight.“ Das Konzept, das das Kieler Büro Schnittger Architekten & Partner vorgelegt habe, werde „die Ecke gewaltig aufwerten“, so Dannheiser. Die bisherige Verkaufsfläche solle von 12.000 auf 6000 Quadratmeter halbiert werden, der Lebensmittelmarkt dort ähnlich wie Real auch Waren aus dem Non-Food-Bereich wie Waschmaschinen oder Fahrräder anbieten. In der 1. Etage seien Büros geplant, im 2. Stock die Erweiterung des Hotels.

Dafür müsse das Gebäude in Teilen abgerissen und neu gebaut werden – bis herunter zur Tiefgarage, die nicht mehr heutigen Ansprüchen genügt. „Ob außer dem Markt weitere Geschäfte im dann neuen Parkcenter sein werden, ließ der Investor offen. Die Verkaufsfläche wird verringert, die Büro- und Hotelfläche erhöht. Das scheint ein tragfähiges Konzept zu sein“, sagte Franka Dannheiser, der die Architektur imponiert. Die Häuserfront solle geradlinig vom Kuhberg-Karree bis zur Parkstraße fortgeführt werden, also nicht die Absätze und Sprünge haben wie jetzt. Dannheiser: „Die Fassaden sind ansprechend gestaltet, das gibt architektonisch eine unglaubliche Aufwertung.“ Die Pläne bewegten sich zudem im Rahmen des bestehenden Bebauungsplans. „Selbst wenn wir etwas dagegen hätten, könnten wir gar nichts unternehmen“, so Dannheiser. Sie spricht von der Aufwertung eines Schandflecks zum Schmuckstück.

Gegen eine Aufwertung hätte Dr. Wolf-Jasper Lehmann von der Anwaltskanzlei Lehmann & Behrens auch nichts, aber: „Wir sind von Vermieterseite noch nicht informiert.“ Größter Mieter im Parkcenter ist die Diakonie. Deren Chef Heinrich Deicke hat sich bereits beim Vertreter des Eigentümers informiert. „Von dort kam die Info, wir sollten uns keine Gedanken machen, was unsere Räume betrifft.“ Die Familienbildungsstätte habe längerfristige Mietverträge. Deicke: „Wir würden gerne am eingeführten Standort unsere Arbeit fortsetzen.“

Kommentar von Rolf Ziehm

Weitere Aufwertung der Innenstadt

Der fehlende Buchstabe in der Leuchtreklame hat Symbolcharakter: 40 Jahre nach der Eröffnung des Parkcenters ist der sprichwörtliche Lack ab. Eine grundlegende Modernisierung ist an der Zeit, ja längst überfällig. So verwinkelt und verschachtelt, wie das Parkcenter in den 1970er-Jahren konzipiert wurde, baut man heute kein Einkaufszentrum mehr.

Dass der Eigentümer für einen Komplettumbau, der in großen Teilen offenbar einem Neubau gleichkommt, jetzt Millionen Euro in die Hand nehmen will, spricht für die Attraktivität der Innenstadt. Denn investiert wird nur dort, wo Geschäft mit Renditeaussicht und Dynamik lockt.

Was gab es doch nach dem Designer-Outlet-Center und dem Bau der Holsten-Galerie für Kassandra-Rufe: Beides seien Sargnägel für den Einzelhandel in der Innenstadt, wurde von Kritikern geunkt. Alles Quatsch. Die Millionen-Investitionen ziehen weitere Millionen-Investitionen nach sich.

Fast so wichtig wie die Botschaft, dass das Parkcenter einer grundlegenden Frischzellenkur unterzogen werden soll, ist das Signal für Neumünsters Hotellerie: Das Parkhotel bleibt und soll sogar erweitert werden. Neumünster darf sich auf das neue Parkcenter freuen.

 

 

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erstellt am 19.Aug.2016 | 07:30 Uhr

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