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Holsteinischer Courier

07. Dezember 2016 | 19:27 Uhr

Pokemon-Hype in Neumünster : Monsterjagd im Schatten der Vicelinkirche

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Jung und Alt versammelt sich gruppenweise zur Handy-Spiel-Jagd. Die Kirche stellt klare Regeln auf.

Neumünster | Immer mehr Menschen laufen scheinbar orientierungslos durch die Gegend und starren gespannt auf ihre Mobiltelefone: Das Spiel „Pokémon Go“ hat längst auch Neumünster erreicht. Das führt beispielsweise dazu, dass der Rasen vor der Vicelinkirche ständig gut besucht ist. Am Sonntag spielten dort mehr als 100 Spieler das angesagte Handy-Spiel und jagten gleichzeitig ihre Pokémons.

Es sind aber nicht nur junge Leute, auch ganze Familien mit Kleinkindern oder ältere Herren mit bequemen Campingstühlen und kühlen Getränken suchen nach Pokémon. Inzwischen haben sich regelrechte Zentren herausgebildet – neben der Vicelinkirche auch die Klosterinsel. Dort stehen, liegen und hocken die Akteure einzeln oder in Gruppen auf der Wiese, um zu jagen.

„Fangchancen erhöhen sich dort, wo viele Leute spielen“, sagte Justin Grzys, der am Dienstag mit sechs Kollegen auf der Kirchenwiese saß. „Gespielt wird, bis der Akku nichts mehr hergibt“, fügte Jonas Norgaard-Kripps hinzu.

Pastor Gerson Seiß hat sich mal unter die Spieler gemischt und sich das Treiben erklären lassen. „Ich finde es gut, dass die Leute aus ihren Wohnungen kommen, weg von Killerspielen, und sich hier treffen, bei einem ruhigen und humanen Spiel“, sagte Seiß danach. Die meisten Spieler sagten, sie wollten andere Leute kennenlernen und draußen sein. An erster Stelle steht aber die Antwort: „Weil es Spaß macht!“

Auch Pastorin Simone Bremer hat ein Auge auf das Treiben: „Natürlich freue ich mich, wenn sich viele junge Menschen um unsere Kirche gruppieren. Sie sind nett, freundlich und reagieren auf unsere Hinweise. Das vermehrte Müllaufkommen strengt uns allerdings an. Es gibt auch Momente, die nicht zu dulden sind. Beispielsweise ist die Straße Hinter der Kirche regelrecht zugeparkt. Teilweise sitzen sie bis 4 Uhr morgens an und in ihren Autos bei laufenden Motoren.“ Erste Beschwerden von Anwohnern liegen bereits vor. Deshalb bittet die Pastorin zwischen 23 und 6 Uhr um Nachtruhe. Sie selbst steht dem Spiel skeptisch gegenüber: „Wenn ich daran denke, was da für persönliche Daten abgegriffen werden!“

Mit Zetteln an Bäumen bittet die Kirche die Pokemon-Spieler um Rücksicht.
Mit Zetteln an Bäumen bittet die Kirche die Pokemon-Spieler um Rücksicht. Foto: Christina Norden
 

Passanten bleiben an den Spielorten oft sprachlos und verständnislos stehen, um dann kopfschüttelnd weiterzugehen. Sollten die Neumünsteraner aber erstaunt sein über so viele Pokémon-Go-Spieler in ihrer Stadt, so kann Rinat Gilvanov, Student aus Berlin und zu Besuch in Neumünster, sie beruhigen: „Das hier ist Kindergarten. Bei uns jagen 200 bis 300 Leute durch die Straßen, über Plätze, auf der Suche nach Pokémon.”

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erstellt am 27.Jul.2016 | 08:30 Uhr

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