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Holsteinischer Courier

07. Dezember 2016 | 13:29 Uhr

Naturfilmfestival : Mitfiebern beim Kampf der Überlebenskünstler

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Green-Screen-Filmtournee: Besucherrekord in den Holstenhallen / Tolle Naturaufnahmen, erstaunliche Perspektiven und unglaubliche Einblicke in Balz und Jagd

Neumünster | Es war ein Abend voller Emotionen mit Höhen und Tiefen und faszinierenden Tier- und Naturszenen: Drei Stunden lang erlebten 600 Zuschauer auf Einladung des Holsteinischen Couriers und des Eckernförder Naturfilmfestivals „Green Screen“ packende Einblicke vom Überlebenskampf der Strauße in den Wüsten Afrikas, der mystischen Unterwasser-Welt der Boto-Delfine und der 5000 Kilometer langen Reise der Schnee-Eulen auf der Suche nach Jagdgründen. Bei der sechsten Auflage des Filmabends in Neumünster gab es einen Besucherrekord.

„Sie sind ein tolles treues Publikum, ich habe viele bekannte Gesichter gesehen“, freute sich Courier-Redaktionsleiter Thorsten Geil, der mit Jens Stender vom Green-Screen-Förderverein aus Eckernförde die Gäste begrüßte. Der Dank der beiden ging an Holstenhallen-Chef Dirk Iwersen für die unkomplizierte Zusammenarbeit.

Lustiges und Trauriges, Mitreißendes und Erstaunliches: Das Publikum kicherte, wenn der Straußen-Mann seiner Favoritin hinterherwetzte oder sie anmutig-imposant zu lustiger Musik balzend „umtanzte“ – mit Erdmännchen und Eule als „Gaffer“. Auch die Sage, dass der Strauß bei Gefahr den Kopf in den Boden steckt, wurde aufgeklärt: Die Hennen drücken sich platt auf den Boden, um ihre Nester zu schützen.

Lacher erntete im Film über die Schnee-Eulen das Hermelin, das einen wahren Veitstanz aufführt, um die Mäuse herauszuscheuchen, oder der rasant hoppelnde Schneehase, dessen breite Füße wie Schneebretter anmuten.

Die Zuschauer fieberten und litten mit: Herzzerreißend, wie die Straußenküken in der Kalahari-Wüste immer schwächer wurden, weil kein Regen fiel, oder die Küken von jungen Strauß-Männchen angegriffen wurden. Auch das Schnee-Eulen-Küken schaffte es nicht – es kippte im Nest tot um und wurde an die anderen Jungen verfüttert. Entsetztes Schweigen herrschte, als schonungslos das Abschlachten der Boto-Delfine gezeigt wurde, die aus menschlicher Profitgier heraus zu Ködern für Welse wurden.

Ungewöhnliche Perspektiven und einzigartige Aufnahmen: Vor allem im Straußen-Film gab es abenteuerliche Perspektiven – dank einer im Straußen-Ei versteckten Kamera. Hautnah konnten die Zuschauer miterleben, wie sich die Riesenvögel im Sand wälzen oder im Wasser baden. Und die Zuschauer erfuhren, dass die „Chef“-Henne ihre eigenen Eier ins Zentrum des Nests platziert und die der anderen Hennen drumherum – oder sie sogar als Köder für Schakale einsetzt. Staunend verfolgten die Zuschauer flackernde Polarlichter oder den verbissenen Kampf der Reiher um jeden einzelnen Beutefisch.

Mystisch wurde es im ersten Film über den geheimnisvollen Boto-Flussdelfin, der in wunderschönen Gegenlichtaufnahmen zu sehen war. Sind diese Tiere wirklich verwandelte Menschen? Flirten sie mit jungen Frauen? Sind Seekühe verzauberte Mädchen? Das glauben die Amazonas-Indianer: „Der Boto ist ein Mensch, glaubt mir, es ist kein Traum“, erzählt ein alter Indianer den Kindern – zwischen Mensch und Tier existieren tiefe, Jahrhunderte alte, spirituelle Beziehungen.

Über die faszinierenden und ungewöhnlichen Aufnahmen hinaus zeigten die Filme auch, was der Klimawandel und Menschen mit ihrer Profitgier anrichten: Der Lebensraum der Flussdelfine ist durch den Raubbau am Regenwald bedroht. Die Schnee-Eule leidet unter dem Ausbleiben der Lemming-Massen, die sich aufgrund zu früher Schneeschmelze und Erderwärmung nicht mehr massenhaft vermehren. Jeder Film erntete eine Menge Applaus.

Claudia Peters (49) aus Wittorf lobte: „Das war sehr informativ. Schöne und stimmungsvolle Bilder.“ Frauke Schmidt (52) aus Wittorf ist studierte Biologin: „Mir haben alle Filme gut gefallen, man bekommt Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Die Nähe zur Natur geht den Menschen heutzutage leider verloren.“ Es seien auch nicht nur schöne Bilder, sondern es gebe auch Botschaften: „Man sah, wie nahe Leben und Tod beieinander liegen. Die Musik war auch sehr emotional. Allerdings wurde es mir im Straußenfilm manchmal zu kitschig.“ Jürgen Lasch (75) aus der Gartenstadt ist ein Fan: „Ich bin wieder besonders begeistert von diesen Naturfilmen und angetan von der Qualität der Filme.“ Ronald Röse (73) bewunderte die Filmemacher: „Was die für eine Ausdauer haben, das so zu filmen – und was für eine Idee mit der Kamera im Straußenei!“

Die ehemalige Kulturdezernentin Helga Hein (77) schaute sich die Filme mit Enkelin Kaya (10) an. Diese fand die Schnee-Eule am besten: „Da wurde eine schöne Tierfamiliengeschichte erzählt.“ Sie war beeindruckt von der Ausdauer des Vogels. Allerdings: „Der Abend war so lang.“ Helga Hein, regelmäßige Green-Screen-Gängerin, lobte den Strauß-Film: „Es wurde gut gezeigt, wie stark die Tiere von der Natur abhängig sind.“

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erstellt am 17.Aug.2016 | 08:45 Uhr

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