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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 03:34 Uhr

Rickling : Mit dem richtigen Garn und vielen Klöppeln entstehen Spitzenarbeiten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Klöppelgruppe besteht seit 35 Jahren.

Rickling | Die Handarbeitstechnik des Klöppelns ist uralt. Doch wer dabei nur an Omas Spitzendeckchen denkt, ist im wahrsten Sinne des Wortes falsch gewickelt. Denn wie die vielfältige Ausstellung der Ricklinger Klöppelgruppe anlässlich ihres 35-jährigen Bestehens bewies, sind der Kreativität beim Umgang mit den kleinen, hölzernen Spulen nahezu keine Grenzen gesetzt. Im Gemeindehaus der Kirche wurden nicht nur filigrane Kragen und aparte Schals, sondern ebenso ausgefallene Schmuckstücke, aufwendige Applikationen und sogar extravagante Hüte von den zahlreichen Besuchern bewundert.

„Für Schals und Tücher verwenden wir in der Regel Seidengarn, weil es so schön weich fällt. Für Deckchen dagegen ist besser Leinengarn geeignet. Aber im Grunde kann man mit allem klöppeln, was sich drehen und kreuzen lässt. Deshalb kommen zum Beispiel auch Pferdehaar, Silberdraht und Wolle zum Einsatz“, erklärte Marion Haß (64) als Leiterin der zurzeit 29 Mitglieder zählenden VHS-Gruppe.

Zur Technik selbst erläuterte die Fachfrau, dass die Klöppel zumeist paarweise an einem speziellen Kissen befestigt werden, auf dem zuvor der sogenannte Klöppelbrief, sprich die Mustervorlage, befestigt wurde. „Dann werden die Fäden von mindestens zwei Paar Klöppeln miteinander verflochten. Je nach Muster und Klöppeltechnik kann die Anzahl der verwendeten Klöppel dabei leicht auch schon einmal mehrere Hundert betragen“, erklärte sie.

Für ihre „Spitzenfüße“ brauchte Inge Müller allerdings nicht ganz so viele Klöppel. „Ich habe dieses Hobby durch eine Freundin in Dänemark für mich entdeckt und bin nun seit zehn Jahren dabei. Die Füße mache ich jetzt als Wandschmuck für eine Physiopraxis“, erzählte die 69-Jährige aus Klein Rönnau.

Historisch gesehen kommt das Klöppeln wohl aus Norditalien. Denn es existieren Musterbücher aus dem 16. Jahrhundert. „Doch eigentlich wird überall auf der Welt geklöppelt. Früher galt das insbesondere für Gegenden, in denen Bergleute oder Fischer zu Hause waren. Denn diese konnten im Winter nicht arbeiten und verdienten sich so ein kleines Zubrot“, erzählte die Hamburgerin Antje Gutzeit (75), die sich lange auch im Vorstand des Deutschen Klöppelverbandes engagierte. „Leisten konnten sich die kostbaren Spitzen, bis zur Erfindung der Klöppelmaschinen im 19. Jahrhundert, allerdings nur die reichen Leute wie Könige und Angehörige des Adels“, berichtete sie weiter.

Heute ist das Klöppeln in privaten Stuben allerdings vor allen Dingen ein kreatives Hobby, das der Entspannung dient. „Denn wenn man kribbelig ist und nicht zur Ruhe kommt, gibt es nichts Besseres, als sich auf das Drehen und Kreuzen zu konzentrieren“, waren sich die Ausstellerinnen einig.

Weitere Informationen zu den Angeboten der VHS erhalten Interessierte www.vhs-rickling.de.  






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