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Holsteinischer Courier

02. Dezember 2016 | 19:00 Uhr

Nobelpreis : Mit Bob Dylan hat keiner gerechnet

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neumünsters Buchhändler und Bibliothekare zeigen sich überrascht vom Literaturnobelpreisträger. Viele Biografien waren schon nicht mehr lieferbar

Neumünster | Für die gesamte Literaturwelt und auch für Neumünsters Buchhändler und Bibliothekare war es eine Überraschung: Der Literaturnobelpreis geht dieses Jahr an den Amerikaner Bob Dylan. Der Courier hat gestern gefragt, was die Fachleute von der Entscheidung halten.

Rabia Eltut von der Buchhandlung Lübbert hat nicht mit diesem Gewinner gerechnet: „Es ist sehr überraschend, aber ich sehe das positiv: Es ist eine neue Richtung, und es ist jemand, den fast jeder kennt. Er hat sehr schöne Liedtexte geschrieben.“ Gestern waren noch keine Biografien oder CD’s von Bob Dylan in der Buchhandlung zu kaufen, aber das soll sich schnell ändern: „Wir haben schon für Nachschub gesorgt und wollen das groß aufziehen“, sagte Rabia Eltut.

Auch Burkhard Möbius, der Inhaber der Buchhandlung Trio, war positiv überrascht: „Meiner Meinung nach ist Bob Dylan einer der größten Songpoeten des letzten Jahrhunderts. Er ist ein genialer Texter und Autor. Ich finde, gerade dass Persönlichkeiten ausgesucht werden, über die man vielleicht diskutieren kann, macht den Literaturnobelpreis so interessant. Ich könnte mir vorstellen, dass es dieses Jahr mit Bob Dylan ein größeres Thema wird.“

André Baumgarten, der stellvertretende Filialleiter von Hugendubel, ist der Meinung, dass die Nachfrage nach Biografien und Büchern mit Liedtexten von Bob Dylan noch steigen wird: „Auf der Frankfurter Buchmesse wird das ja auch nochmal vorgestellt, danach kommt oft eine große Resonanz. Der Literaturnobelpreis wird eben auch im Bereich der Lyrik vergeben, also kann ich die Entscheidung nachvollziehen. Trotzdem hat es mich sehr überrascht, man hatte es eben nicht auf dem Schirm.“

Das ging auch Christina Töpfer so, der stellvertretenden Fillialleiterin von Weltbild: „Auf der einen Seite hört und kennt die Musik fast jeder. Aber ich frage mich, wie viele Leute wirklich heute noch über die Texte nachdenken. Bob Dylan kennen natürlich viele, aber ein bisschen schade finde ich die Entscheidung schon.“ Sie rechnet im Verkauf mit einer durchschnittlichen Resonanz. Einige Biografien konnte sie noch schnell bestellen. „Noch hat kein Kunde nachgefragt,aber das kann ja noch werden. Man hat immer eine Vorstellung vom Literaturnobelpreis, und letztendlich ist alles, was geschrieben wurde, auch lesenswert.“

Auch in der Stadtbücherei hatten die Mitarbeiter gestern mit Spannung auf die Entscheidung des Nobelpreis-Kommitees gewartet. „Das ist eine ganz interessante Geschichte, dass Bob Dylan gewonnen hat. Er hat beachtliche lyrische Qualitäten, seine Texte stehen im Vordergrund. Ich kann es nur begrüßen, dass ein Künstler gewürdigt wird, der das Schubladen-Denken aufbricht. Ein Lyriker kann auch den Literaturnobelpreis bekommen“, sagte Andreas Dreibrodt, der Leiter der Musikbibliothek.

Die Stadtbücherei hat Noten und CDs von Dylan-Liedern, einige Biografien und Werke mit den Liedertexten vorrätig und war damit gestern der Vorreiter in der Stadt: Alle anderen Buchhandlungen mussten erst bestellen, was aufgrund der hohen Nachfrage gar nicht so einfach war, erklärte Tina Krauskopf von der Buchhandlung Krauskopf: „Wir haben es noch geschafft, einige Exemplare von der Dylan-Biografie zu bestellen. Gleich darauf war alles vergriffen.“

Auch sie und ihr Kollege Jan Willem Bülck waren sehr überrascht von der Wahl: „Damit haben wir nicht gerechnet, denn auf den Listen der Buchmacher war er eher unten dabei.“ Trotzdem ist Tina Krauskopf von dem Preisträger überzeugt: „Seine Liedtexte haben eine enorme Ausdruckskraft, gerade sein Spätwerk. Er ist eben ein singender Poet.“

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