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Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 19:35 Uhr

Padenstedt : Mit 95 Jahren ging es nochmals in den Melkstand

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Herzenswunsch von Marianne Eggers ging auf dem Hof von Familie Beckmann in Padenstedt in Erfüllung.

Padenstedt | „Ich möchte so gerne noch einmal eine Kuh melken.“ Diesen bescheidenen Herzenswunsch hatte die Bewohnerin Marianne Eggers im April an ihrem 95. Geburtstag im Seniorenzentrum Mittelholstein in Hohenwestedt geäußert. Am Dienstag wurde ihr dieser Wunsch auf dem Hof von Antje (53) und Rainer Beckmann (55) in Padenstedt erfüllt. Hier durfte die alte Dame noch einmal richtig Hand anlegen und Stallgeruch schnuppern. Der Fördervereins des Seniorenzentrums hatte den Besuch ermöglicht.

Den richtigen Griff unter die Kuh hat Marianne Eggers nicht verlernt. Nachdem ihr Rollstuhl in die richtige Position gebracht worden war, dauerte es nur wenige Sekunden, bis die erste Milch floss. „Früher waren die Zitzen an den Eutern größer. Und ich würde jetzt natürlich lieber auf einem Melkschemel sitzen. Aber es ist einfach großartig, dass ich das noch einmal erleben darf“, erklärte sie strahlend. „Gelernt ist eben gelernt. Ich werde auf Sie zurückkommen, wenn wir demnächst einmal wieder eine Aushilfe brauchen“, meinte Antje Beckmann.

Mit großem Interesse ließ sich Marianne Eggers anschießend über die neue Technik informieren. Staunend folgte sie den Ausführungen der Bäuerin, die ihr den modernen Melkstand erläuterte, indem zurzeit rund 200 Kühe in gut zweieinhalb Stunden gemolken werden. Euter und Zitzen säubern, Melkbesteck anlegen, jede Zitze computergesteuert „abpumpen“ und schließlich am Ende Euter und Melkutensil desinfizieren. Was heute in wenigen Minuten pro Kuh geschieht, kostete früher jede Menge Schweiß.

„Als ich mit 14 Jahren als Magd in Stellung ging, hieß es noch vor vier Uhr früh aufstehen, damit die 30 Kühe gemolken waren, bevor um sechs Uhr der Milchwagen kam. Hilfe von der Bäuerin hatte ich wenig. Denn diese kam immer erst so spät in den Stall, dass für sie meistens nur noch drei Kühe übrig waren. Ich habe mich dafür aber immer ein bisschen gerächt, indem ich ihr die störrischen Tiere überließ“, erinnerte sich Marianne Eggers schmunzelnd.

Auch die schweren Kannen und das anstrengende Ausmisten waren ihr noch gut im Gedächtnis. „Und nach der Stallarbeit ging es dann aufs Feld zum Rübenhacken oder Kartoffelernten. 18-Stunden-Tage waren damals keine Seltenheit. Aber ich habe das alles gerne gemacht“, erzählte die in Kleve (Kreis Dithmarschen) geborene vierfache Mutter, die sich heute an elf Enkelkindern und 15 Urenkeln erfreut.

Mehr als 45 Jahre hat Marianne Eggers in der Landwirtschaft geschuftet. Denn nach ihrer Heirat betrieb sie gemeinsam mit ihrem Mann Karl bis in die 70er-Jahre im Nebenerwerb einen Hof in Nienborstel (Kreis Rendsburg-Eckernförde). „Wir hatten dort zwei Kühe und jede Menge Hühner, Enten und Gänse. Dazu kamen das Haus und der Garten. Es war viel Arbeit. Aber ich hatte immer Lust dazu“, berichtete sie mit leuchtenden Augen.  

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