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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 11:36 Uhr

Kiel / Bornhöved : Missbrauch: Der Angeklagte schweigt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Mann aus Bornhöved soll drei Mädchen missbraucht haben.

Bornhöved | Ein 51-Jähriger aus Bornhöved soll drei Mädchen im Alter von fünf bis acht Jahren sexuell missbraucht haben – zwei von ihnen auf einer Übernachtungsparty während eines Kindergeburtstags. Der Angeklagte schwieg gestern beim Prozessauftakt vor dem Kieler Landgericht zu den Vorwürfen. Er machte nur Angaben zu seiner Person.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann zwischen Sommer 2013 und März 2014 mindestens vier Fälle vor, drei davon werden als schwerer Missbrauch eingestuft. Laut Anklage ereigneten sich die sexuellen Übergriffe in einer sogenannten Schlichtwohnung in Bornhöved. Dort hatte der einschlägig vorbestrafte Angeklagte ein Zimmer. In einem benachbarten Zimmer war der alkoholkranke Vater eines der mutmaßlich betroffenen Mädchen untergebracht. Das Kind und seine Geschwister besuchten den Vater dort regelmäßig. Dabei soll der Angeklagte die Kinder immer wieder zu sich geholt haben, obwohl ihm das Alleinsein mit Kindern gerichtlich untersagt gewesen sein soll. Das Mädchen hatte sich erst Anfang 2016 einer Pflegemutter offenbart und so den Fall ins Rollen gebracht.

Damals kam das Kind auf Anordnung des Jugendamts vorübergehend in Obhut. Nach Angaben der Pflegemutter war die Mutter krank, und der Vater hatte das Mädchen brutal geschlagen. Die Pflegemutter erklärte, das Mädchen habe den Missbrauch erst geschildert, als sie es gebeten habe, alles aufzuschreiben, was es bedrücke. Das Kind habe dabei hemmungslos geweint, schilderte die 58-jährige Pflegemutter vor Gericht. „Das Weinen, das war furchtbar, das lässt mir heute noch keine Ruhe.“ Das Mädchen habe der eigenen Mutter nichts erzählt, weil der Angeklagte gedroht habe, er würde der Mutter dann etwas antun.

Nach Ansicht der Pflegemutter – einer gelernten Köchin und Sozialpädagogin – sind die Angaben des Mädchens glaubwürdig, obwohl das Kind in der Zeit bei ihr durchaus geschwindelt habe, um sich wichtig zu machen. Das Mädchen habe auch gestohlen und dies zunächst bestritten.

Der 51-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Dort habe er einen leichten Schlaganfall erlitten, hieß es vor Gericht. Er sei aber verhandlungsfähig. Vor dem Ermittlungsrichter hatte der Mann die Namen zweier Bekannter genannt, die angeblich seine Unschuld bezeugen könnten. Einer von ihnen soll aber bereits im Vorfeld des Prozesses diesen Angaben widersprochen haben.

Sein Mandant könne die Namen der Männer auch wegen alkoholbedingter Schädigungen nicht genau erinnern, erklärte der Verteidiger. Da der Angeklagte sich zunächst nicht äußern will, müssen die mutmaßlichen Opfer gehört werden. Dabei soll die Öffentlichkeit nach Angaben des Vorsitzenden Richters ausgeschlossen werden. Die Jugendkammer hat eine Sachverständige hinzugezogen, die prüfen soll, wie glaubhaft die Aussagen des Kindes sind. Ein Urteil wird frühestens im Dezember erwartet. 

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erstellt am 05.Nov.2016 | 11:00 Uhr

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