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Holsteinischer Courier

25. September 2016 | 14:16 Uhr

Boostedt bei Neumünster : Missbrauch an Vierjährigem in Flüchtlingsheim: 22-Jähriger muss in Haft

vom

Der Angeklagte hatte die Tat bestritten. Ein Mitangeklagter wurde freigesprochen.

Kiel | Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines vierjährigen Jungen in einer Flüchtlingsunterkunft in Boostedt bei Neumünster hat das Kieler Landgericht einen 22-Jährigen zu einer Haftststrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt.

Einen 29-jährigen Landsmann sprach das Kieler Landgericht am Donnerstag aus Mangel an Beweisen frei. Ihm sei die angeklagte Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch nicht nachzuweisen, sagte der Vorsitzende Richter am Donnerstag und widersprach damit der Einschätzung der Staatsanwaltschaft. Die Kammer habe angesichts der Beweislage „im Zweifel für den Angeklagten“ entscheiden müssen, sagte Becker.

Das Gericht sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der 22-Jährige sich Ende März an dem kleinen Jungen in einer Toilettenkabine in der Landesunterkunft Boostedt bei Neumünster verging. Ein DNA-Gutachten hatte die Anklage gestützt.

Die bei dem Kind und dem Angeklagten gefundenen DNA-Spuren wiesen auf den 22-Jährigen als mutmaßlichen Täter hin, sagte ein Gutachter des Landeskriminalamtes vor dem Landgericht. Die sichergestellten DNA-Spuren ließen die Darstellung des Angeklagten, er habe dem Vierjährigen nur auf die Toilette helfen wollen, als sehr unwahrscheinlich erscheinen.

Beide Angeklagten hatten die Tat bestritten. Beide haben Asylanträge gestellt. Sie stammen aus Afghanistan, das Opfer und dessen Familie aus dem Irak. Die Ehefrau des 29-Jährigen soll mit einem Kind in Dänemark leben und dort bereits Asyl erhalten haben.

Laut Anklage hatte der 29-Jährige bei der Tat Schmiere gestanden. Die Aussagen des heute neunjährigen Bruders des Opfers reichten aber für eine Verurteilung nicht aus, sagte der Vorsitzende. „Es ist unklar geblieben, ob er wirklich der zweite Mann war“, sagte Becker. Der 29-Jährige erhält nun Entschädigung für Festnahme und Untersuchungshaft. 

Die Anklagebehörde hatte für den 22-jährigen zwei Jahre und zehn Monate Haft und für den 29-Jährigen eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren beantragt. Sie kündigte nach dem Urteil umgehend an, Revision zu prüfen: „Wir halten mit guten Argumenten die Täterschaft des Angeklagten für erwiesen“, sagte Staatsanwältin Barbara Gradl-Matusek.

Die Anklage gehe weiter davon aus, dass der 29-jährige den Bruder des Opfers bedrohte und Beihilfe leistete. Das Kind hatte den Vater alarmiert, der seinen vierjährigen Sohn dann mit 22-Jährigen auf der Toilette fand. Dessen Verteidiger will das Urteil anfechten.  

 

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erstellt am 15.Sep.2016 | 11:54 Uhr

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