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Landtagswahl in SH : Materialschlacht bei den Wahlplakaten

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

An den Hauptstraßen in Neumünster ist kaum ein Laternenmast frei von Wahlwerbung. Es gibt schon Beschwerden von Bürgern und aus den Stadtteilbeiräten.

Neumünster | An manchen Laternenmasten hängen die Plakate jetzt gleich im Viererpack übereinander. Für die Landtagswahl am 7. Mai haben sich die Parteien in eine Materialschlacht gestürzt wie schon lange nicht mehr. Vor allem Neulinge wie die Liberal-Konservativen Reformer (LKR) gehen nach der Devise vor: Viel hilft viel. Weit mehr als 1000 der blau-orangefarbenen LKR-Plakate gibt es in Neumünster.

Der Landesvorsitzende Jürgen Joost tritt in seiner Heimatstadt als Direktkandidat an und sagt: „Wir sind neu, treten mit einem neuen Namen an.“ Weil die LKR noch nicht in den Parlamenten vertreten ist, finde man in den Medien kaum Beachtung. Joost: „Deshalb ist die klassische Plakatierung eine der Säulen, um bekannt zu werden.“

Dass die beauftragte Firma nicht immer sehr sorgsam vorging und manche Plakate Wind und Wetter nicht standhielten, findet auch Joost. „Viele unserer Plakate sind aber auch gezielt abgerissen oder besprüht worden“, so Joost.

Die CDU hat neben 100 klassischen auf Holzständer gekleisterten Plakaten auch 600 sogenannte Hohlkammer-Plakate im Einsatz. Bei ihnen ist das Motiv direkt auf den Kunststoffträger aufgedruckt. „Die sind zwar teurer, aber einfacher zu handhaben“, sagte der Direktkandidat und CDU-Kreisvorsitzende Wolf Rüdiger Fehrs. Die Gesamtzahl der Plakate sei unverändert geblieben. Dass es insgesamt mehr Plakate in der Stadt gebe, liege an der Parteienvielfalt. Die CDU setzt bei der Plakatierung auf einen Mix. Die Mitglieder kleben die klassischen Plakate, bei den Hohlkammer-Plakaten bemüht auch die CDU eine Firma.

Das ist bei der SPD anders. „Bei uns kleben die Ortsvereine noch selbst“, sagte die Landtagsabgeordnete Kirsten Eickhoff-Weber. Auch die SPD setzt mehr als früher auf die neuen Hohlkammer-Varianten, allerdings meist in den kleineren Varianten im Format A1. „Wir bleiben bei dem, was wir immer gemacht haben, halten unsere Linie und setzen nicht auf schrill. Politik ist keine Werbekampagne. Der Wettbewerb in der Demokratie muss seriös sein“, sagte Kirsten Eickhoff-Weber.

Neumünster ist laut Kreiswahlleiter Udo Wachholz großzügig bei den Plakatierungsregeln. Wenn die Werbung nicht verkehrbehindernd oder gar -gefährdend angebracht sind, ist die Plakatierung erlaubt und nicht reglementiert. Wachholz: „Wir haben aber Beschwerden von Bürgern, die fragen, warum an Bäumen und warum überhaupt so viel plakatiert wird.“ Auch aus den Stadtteilbeiräten habe es schon kritische Anfragen und Beschwerden gegeben. „Wir haben auch schon Plakate entfernen lassen“, so Wachholz.

An manchen Stellen griffen genervte Anlieger offenbar zur (verbotenen) Selbsthilfe und entfernten Wahlplakate direkt vor ihrer Haustür. CDU-Mann Wolf Rüdiger Fehrs plädiert für eine Höchstgrenze. Nach der Landtagswahl will er sich mit der SPD-Kreisvorsitzenden Kirsten Eickhoff-Weber zusammensetzen, um eine entsprechende Vereinbarung für die Bundestagswahl im September und die Kommunalwahl im Mai 2018 zu erreichen.

Kommentar von Rolf Ziehm

Weniger ist mehr

Im Heischen um Aufmerksamkeit haben die Parteien bei dieser Landtagswahl einmal mehr das richtige Maß verloren. Die Hauptstraßen sind dermaßen mit Wahl- und Veranstaltungsplakaten zugekleistert, dass der Wähler eher abgeschreckt als angesprochen werden dürfte. So viel Reizüberflutung will niemand. Hier ist weniger mehr. Die Parteien sollten sich bei ihrer nächsten Absprache vor der Bundestagswahl auf eine Beschränkung bei der Plakatierung verständigen. Das schont nicht nur die genervten Wähler, sondern auch den eigenen Wahlkampf-Etat.

 

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erstellt am 10.Apr.2017 | 08:00 Uhr

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