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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 03:30 Uhr

Wochenmarkt : Markt-Urgesteine seit 50 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Lothar Baumgarten und Wilfried Rathsach stehen seit 1966 auf dem Wochenmarkt und verkaufen Obst und Gemüse aus eigenem Anbau

Neumünster | Lothar Baumgarten (70) aus Haseldorf und Wilfried Rathsach (71) aus Burg in Dithmarschen können in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum feiern: Beide Händler stehen seit 50 Jahren auf dem Wochenmarkt und bieten ihre Waren feil. Sie eint eine weitere Gemeinsamkeit: Sie gehören zu den seltenen Händlern, die ihre Ware noch selbst erzeugen.

„Wir haben in Haseldorf in fünfter Generation einen Betrieb, 1966 auf reinen Obstbau umgestellt. Ich bin mit 20 Jahren losgefahren auf die Wochenmärkte wie Neumünster“, sagt Baumgarten. „Im Handel sind wir in dritter Generation, Gemüse baut meine Familie schon länger an“, sagt Rathsach. Die Großeltern begannen während der Weltwirtschaftskrise, die Eltern Wilhelmine und Friedrich Rathsach waren seit 1951 in Neumünster auf dem Wochenmarkt – damals noch auf dem Kleinflecken. Wilfried Rathsach übernahm 1966.

Beides sind klassische Familienbetriebe. „Ich habe den Betrieb vor fünf Jahren an meinen Sohn Maik abgegeben, mische aber noch als Rentner mit“, sagt Baumgarten. Sein Kollege Rathsach hat dagegen noch keinen Nachfolger gefunden. „Meine Frau Marion und ich machen das, solange es Spaß macht. Zu Hause rumzusitzen, ist nicht unser Ding“, sagt er.

Der Wochenmarkt hat in den vergangenen 50 Jahren nicht nur seinen Schauplatz verändert und ist jetzt (wieder) am Großflecken. Er hat auch Höhen und Tiefen erlebt. „Neumünster war früher einer der besten Märkte in Schleswig-Holstein. Da haben sich die Marktbeschicker um jeden Zentimeter Fläche in die Haare gekriegt“, sagt Rathsach. Er habe früher viele Kunden aus Kiel gehabt. Rathsach: „Neumünsters Wochenmarkt war besser. Es gab viele Erzeuger, heute nur noch ein paar.“

Als der Euro 2003 kam, ging es bergab. „Und seit wir auf dem Großflecken sind, ist unser Umsatz um zirka 30 Prozent zurückgegangen“, so Rathsach. Baumgarten hat eine Erklärung. „Auswärtige Kunden sind aus Mangel an Parkplätzen weggeblieben.“ Schon der Bau der Stadthalle sei ein erster Einschnitt gewesen. „Dann kam das Museum, und es ging ganz nach unten. Vom Qualitätsanspruch gehen fast nur noch Billigwaren.“

Auch Wilfried Rathsach meint, dass die beste Zeit auf dem Kleinflecken war. Da hatte auch die Lütjenstraße einen guten Lauf. Baumgarten: „Es gibt auf dem Großflecken zwar viel Betrieb, aber viele Sehleute, nicht unbedingt Kunden. Zudem gebe es immer mehr Single-Haushalte, und es werde weniger gekocht. Der Verdrängungswettbewerb durch den Lebensmitteleinzelhandel sei sehr groß.

Nur lamentieren und klagen wollen beide Wochenmarkt-Urgesteine aber nicht. „Der Wochenmarkt wird bestehen bleiben, aber sich verändern“, sagt Rathsach. Am ehesten eine Chance haben seiner Meinung nach Erzeuger, die selbst vermarkten. Baumgarten: „Die Qualität ist maßgeblich. Entweder der Wochenmarkt steht für Qualität und Frische – oder er geht unter.“ Auch Rathsach ist überzeugt: „Die frischeste Ware gibt es auf dem Wochenmarkt.“ Der Wochenmarkt sei außerdem nicht nur Einkauf, sondern auch Treff zum Klönschnack. Die Selbstdarstellung der Märkte könne und müsse aber besser werden, zum Beispiel durch Informationen zu Anbaumethoden, Warenkunde, Lagerung und Zubereitung, ist Wilfried Rathsach überzeugt.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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