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Holsteinischer Courier

17. April 2014 | 11:50 Uhr

Kult-Kneipe - Mansarde: Neue Pläne für altes Gemäuer

vom

Dirk Sieling will das Gebäude der ehemaligen Kult-Gaststätte zu neuem Leben erwecken / Geplant sind Wohnungen und Praxen

Neumünster | In der Kneipenszene der Stadt war die "Mansarde" Kult. Auch für Dirk Sieling (43) verbinden sich mit der ehemaligen Nachtspeisegaststätte an der Joachimstraße 27 persönliche Erinnerungen. "Hier haben doch die Nachtschwärmer in Neumünster alle nach der Disko noch einen Absacker oder einen Happen zu sich genommen. Die Currywurst mit Pommes von Wirt Dietrich Winckler war legendär", sagt Sieling.

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Seit Mai ist der selbstständige Zimmerer aus Padenstedt neuer Eigentümer der Immobilie, die zuletzt einen eher traurigen Eindruck machte und zusehends verfiel. Nach dem Tod von Winckler vor fünf Jahren stand das dreigeschossige Gebäude mit dem markanten Schmuckgiebel und dem Türmchen leer. In der Vitrine an der Eingangstür hängt immer noch ein Zettel "Wegen Trauerfall geschlossen", die Speisekarte preist noch das "Sauerfleisch (aus eigener Küche)" für 5,50 Euro und das Steak "Karina" für 17,50 Euro an. Doch die Küche ist schon lange kalt.

Die Familie konnte Haus und Gaststätte nicht halten, es ging in die Zwangsversteigerung. Der lange Leerstand lockte ungebetene Gäste an. Die aufgesetzten Butzenscheiben sind eingeschlagen. Kupferdiebe brachen ein, rissen mit brachialer Gewalt die Wasserleitungen heraus und zerschlugen auch die Waschbecken, um an die Armaturen heranzukommen. Es gab einen Wasserschaden. "Aber die Gebäudesubstanz ist in Ordnung", sagt Sieling und fände es "schade, so ein schönes Haus verkommen zu lassen. Im Vicelinviertel tut sich etwas, überhaupt ist Neumünster im Aufbruch."

Er will das Haus mit seinen 450 Quadratmetern Nutzfläche mit seiner Firma sanieren. Geplant sind zwei Wohnungen und eine Gewerbeeinheit. "Denkbar ist auch eine Gesamtnutzung, etwa für betreutes Wohnen, oder als Praxis", sagt er. Ein Telefonladen soll hier nicht einziehen, eine Gaststätte werde aber auch nicht wieder entstehen, betont Sieling und lobt die zentrale und dennoch ruhige Lage in der Innenstadt.

Und das 1907 gebaute Haus war ursprünglich auch keine Kneipe, sondern eine Apotheke. Sieling fand auf dem Dachboden noch die Scheiben von "Trachmann’s Apotheke", die mit homöopathischen Produkten für sich warb. Erst 1964/65 wurde sie von Dietrich Winckler zur Gaststätte mit Zimmervermietung umgebaut. Das Markenzeichen der Nachtspeisegaststätte war die "warme Küche bis 4.00 Uhr".

Der Gastraum verbreitet noch heute den morbiden Charme der 60er-Jahre. Sieling: "Eiche rustikal, zum Teil wohl vom Wirt selbst gedrechselt." Stammgäste hatten ein eigenes Flaschenregal mit ihrem persönlichen Fach. Hinterlassenschaft sind je eine angebrochene Flasche Ramazotti, Pernod und Bacardi. Im Keller fand Dirk Sieling noch ein 50-Liter-Fass Bier. Die Juke-Box mit den Single-Hits von einst wie Genesis, Bata Ilic ("Das singende Pferd") oder den Wildecker Herzbuben zerdepperten die Einbrecher, um an den Plattenspieler-Motor heran zu kommen.

Etwa ein Jahr rechnet Dirk Sieling für den Wiederaufbau des einst repräsentativen Bürgerhauses. Kontakt: Tel. 0171-5363640.

von Rolf Ziehm
erstellt am 16.Jul.2012 | 06:26 Uhr

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