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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2016 | 03:25 Uhr

Diesel-Affäre : Manche spekulieren schon

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Raum Neumünster gehen die Kunden nach dem Rücknahme-Urteil gelassen mit dem Thema um. Die Werkstätten sind auf Überprüfung vorbereitet.

Neumünster | Das neuste Urteil zur Diesel-Affäre ist erst wenige Tage alt. Nachdem in München – im Gegensatz zu acht weiteren Gerichten – die Juristen einen Händler zur Rücknahme eines Seat Ibiza verurteilten, ist die Diskussion um den Skandal um manipulierte Abgaswerte verschiedener Modelle unterschiedlicher Automarken erneut entbrannt. So auch im Raum Neumünster. Sowohl bei den Autofahrern als auch beim Verband des Kfz-Gewerbes und in der Innung ist das bereits über Monate andauernde Problem zwar immer wieder Gesprächsthema, allerdings wird es offenbar auf allen Seiten sehr sachlich und mit viel Gelassenheit diskutiert.

„Die Kunden gehen zu 99 Prozent sehr entspannt mit dem Thema um“, sagt Rolf-Dieter Fröhling, Präsident des Verbands des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein, ehemaliger Obermeister in Neumünster und Fachmann für Opel und Ford. Die Kunden seien „sozusagen positiv skeptisch bestimmten Modellen gegenüber“, meint er. „Die entsprechenden Fragen kommen natürlich beim Gebrauchtwagenkauf. Doch im fachlichen Gespräch ist das Vertrauen vorhanden“, erklärt Fröhling. Viele wollen natürlich wissen, ob sie sich noch ein Diesel-Fahrzeug kaufen sollten. Doch wer zum Beispiel beruflich viel fährt, entscheidet sich trotz der Schlagzeilen der vergangenen Monate immer noch für einen Diesel.

Ähnliche Erfahrungen hat Michael Ihle gemacht, Pressesprecher des Verbandes des Kfz-Gewerbes und Geschäftsleitung des VW-Autohauses Ihle in Nortorf. „Für Vielfahrer und Pendler ist der Diesel immer noch attraktiv. Er verursacht halt weniger Kosten über die Jahre“, so Ihle. Er hat beobachtet, dass „die Verkäufe und Zulassungszahlen im Grunde ungebrochen“ sind. „Bei VW sind es mal ein paar weniger, aber im Grund fällt das kaum ins Gewicht“, sagt der Sprecher. Die Kunden, die einen der betroffenen Fahrzeuge haben, sind offenbar fast durchweg gelassen. „Wir hatten zuerst natürlich jede Menge Nachfragen, wann es mit den Rückrufen losgeht, doch mittlerweile warten die meisten ganz entspannt auf eine Benachrichtigung“, sagt Ihle.

Die Werkstätten würden mit der Überprüfung lieber heute als morgen starten. Doch ihnen fehlt noch die Freigabe vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Viele Werkstätten haben sich längst auf den Ansturm vorbereitet: „Wir haben zum Beispiel schon zwei Testgeräte gekauft und gleich zwei Lehrlinge übernommen. Wir könnten sofort starten“, sagt Michael Ihle. Im übrigen wollen die Händler die Sache gern rasch aufgeklärt haben, zumal immer mehr Hersteller mit auffälligen Werten hinzu kommen. „Das betrifft ja längst nicht mehr nur VW, sondern die ganze Branche“, sagt Ihle.

Auch Hans-Wilhelm Hansen, Obermeister der Kfz-Innung Kiel-Neumünster, weiß nur von „ganz wenigen Kunden, die ihre Anwälte in Startposition gesetzt haben“. Stattdessen hat er in Gesprächen mit Kollegen gehört, dass einige Kunden mit dem Gedanken spielen, mit Autos aus den betroffenen Reihen zu spekulieren. „Es gibt schon Leute, die hoffen, sich günstig einen entsprechenden Wagen kaufen zu können, um bei einer eventuellen Rücknahme ein gutes Geschäft zu machen“, erzählt Hansen. Doch die könnten seiner Meinung nach „ganz schön Schiffbruch erleiden“.

Hansen ist überzeugt davon, dass das jüngste Urteil aus München keinen Bestand haben wird. „Die Begründung des Gerichts ist fadenscheinig. Dem Kunden ist ja kein spürbarer Schaden entstanden, nur weil die Umrüstung noch nicht erfolgt ist. Das Auto fährt ja“, meint Hansen. Dass die Autofahrer auf den Abgas-Skandal zurzeit so gelassen reagieren, erstaunt den Obermeister nicht. „Das zieht sich jetzt schon so lange hin. Immer wieder kommt noch was Neues dazu. Die Leute sind der Sache auch überdrüssig geworden. Die wundert doch gar nichts mehr“, so Hansen.

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erstellt am 25.Mai.2016 | 12:00 Uhr

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