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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 11:40 Uhr

Volkstrauertag : Mahnende Worte und ein Appell

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die zentrale Gedenkzeremonie am Volkstrauertag fand im Friedenshain statt.

Neumünster | „Nie wieder Krieg in unserem Namen!“, forderten zehn Holstenschüler während der zentralen Gedenkzeremonie im Friedenshain am gestrigen Volkstrauertag. Es war das dritte Mal, dass Schüler einer Neumünsteraner Schule mit eigenen Beiträgen die Gedenkfeier umrahmten.

Alex Toropovo, Zara Oncu, Lara Holtorff, Merle Füllmar, Fabienne Pelka, Kaja Boenigk, Emely Birkhofen, Anna Geibel, Maurice Morr und Mummen Al-Shamery (alle 14 und 15 Jahre alt) mischten sich unter die etwa 100 Besucher. Einer nach dem anderen stand auf, um wenige Kernsätze aus selbstformulierten Briefen an im Krieg getötete ehemalige Holstenschüler vorzutragen. Mit ihrer Geschichtslehrerin Eva Sahle hatten die Schüler ihren Beitrag in den vergangenen Wochen ausgearbeitet.

Vor der Schüleraktion war Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras ans Rednerpult getreten. „Der Volkstrauertag ist ein Tag der gemeinsamen Trauer. 55 Millionen Opfer hinterließ der Zweite Weltkrieg. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, um den wir trauern. Und die Trauer mahnt uns, heute für die Lebenden zu sorgen“, führte der Verwaltungschef aus. Doch gebe es aktuell auch Anlass zur Sorge. „Jüngste Ereignisse in Deutschland zeigen, dass viele nichts aus der Geschichte gelernt haben. Rassismus ist wieder salonfähig geworden, deshalb sind wir alle zum Handeln aufgefordert“, so Tauras weiter.

Für Propst Stefan Block ist der Volkstrauertag der alljährliche Aufbruchtag für den Erhalt der Demokratie. Doch auch er mache sich Sorgen. Weil hierzulande einschlägige Parteien und Bewegungen immer mehr Zulauf erfahren und nicht zuletzt auch wegen des Ausgangs der Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten. „Sind wir als Demokratie zu zaghaft?“, stellte er die Frage in den Raum und betonte, jeder müsse dafür eintreten, damit Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit auch in zehn Jahren noch wie heute die gleiche Rolle spielen werden. Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger hielt das diesjährige Totengedenken, bevor am Ehrenmal im Friedenshain Kränze niedergelegt wurden. Im Anschluss fand die Gedenkfeier des Bunds Deutscher Vertiebener statt.

Am Nachmittag schloss sich eine weitere Veranstaltung der Volkstrauertagszeremonie an. Heide Winkler nahm 30 Interessierte mit auf eine Stadtführung der besonderen Art – entlang der in Neumünster verlegten Stolpersteine. Dabei kam ein ganz anrührender Moment zustande, als sich Walter Peter (91) als Enkel von Ludwig Tamm zu erkennen gab. Der Stolperstein, der an Ludwig Tamm erinnern soll, ist an seiner alten Anschrift am Großflecken 54 gegenüber dem Rathaus verlegt worden. „Die Gestapo kam damals zu uns. Ich war damals erst zehn Jahre alt. Ich erinnere mich noch, wie meine Großmutter auf Platt zu ihm sagte, er möge sich noch seine Puschen anziehen“, erzählte Walter Peter. Denn sein Großvater sollte die Polizisten kurz nach gegenüber begleiten. Am Rathaus sei damals eine Polizeiwache eingerichtet gewesen. Die Gestapo-Leute gaben an, nur etwas protokollieren zu wollen. Stattdessen wurde er verhaftet wegen eines Verstoßes gegen das Gesetz der Heimtücke. Er kam schließlich in Dachau ums Leben.

Wie es letztendlich zur Verhaftung kam, ist unklar. „Er war Werftarbeiter in Kiel. Er war sehr kritisch. Vermutlich hat er Kollegen gegenüber etwas Falsches gesagt, die ihn daraufhin denunziert haben“, vermutet Walter Peter heute. Sein Großvater war zur falschen Zeit am falschen Ort. Während der Führung wurden zehn Stationen mit insgesamt 14 Stolpersteinen besucht. 33 Stolpersteine erinnern in Neumünster an im Krieg gefallene Bürger der Stadt.

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erstellt am 14.Nov.2016 | 08:15 Uhr

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