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Abfallprobleme in Wittorf : Lkw-Fahrer lassen Müllberge zurück

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein kleiner Parkplatz im Industriegebiet Süd wird mehr und mehr zur Übernachtungsstelle für Trucker. Doch es gibt weder Abfalleimer noch Klo.

Neumünster | Vielen Anliegern an der Saalestraße/Ecke Krokamp stinkt es. Grund dafür ist ein heruntergekommenes Areal, das direkt neben einem mittlerweile geschlossenen Imbiss an der Kreuzung liegt. Das öffentliche Grundstück, wohl ursprünglich als Parkplatz für Mitarbeiter der umliegenden Firmen gedacht, wird seit einiger Zeit mehr und mehr von Lastwagenfahrern als Abstell- und Schlafplatz genutzt. Mit üblen Folgen. Überall im Gebüsch stapelt sich Müll.

Flaschen, Pappbecher, Essensreste, Papiertücher, leere Dosen, Plastiktüten, Folien, Pappe oder Kartuschen für Campingkocher liegen neben prall gefüllten Müllsäcken. Die bewachsenen Randbereiche und ein angrenzender Trampelpfad sind zu einer illegalen Toilette verkommen.

Thorsten Menke ist Betriebsleiter bei der Firma Menke Kfz-Technik direkt gegenüber. Er kennt das Problem schon seit zirka zwei Jahren. Doch es wird immer schlimmer. Er hat beobachtet, dass viele Lastwagenfahrer – besonders die aus Osteuropa – auch mal länger auf dem kleinen Parkplatz in ihren Kabinen leben. „Das sind ganz arme Menschen, die da auf den nächsten Auftrag warten“, sagt er. Eine Toilette oder einen Mülleimer gibt es nicht. „Manchmal klopft einer bei uns in der Firma an und bittet darum, die Toilette nutzen zu dürfen. Die anderen gehen lieber hinter den Busch“, so Thorsten Menke. Der Müll wird oft einfach aus der Fahrerkabine geworfen. „Abends huschen da dackelgroße Ratten durch den Müll“, sagt Menke. Seinen Kunden mag er den Anblick und dem Gestank von dem nahe gelegenen Gelände mittlerweile nicht mehr zumuten. Zwei Mal hat er deshalb schon an die Stadt geschrieben und um Abhilfe gebeten.

Auch Sabine Krebs, Vorsitzende des Stadtteilbeirats Wittorf, kennt die Sorgen vieler Anlieger seit Jahren. „Das sind ganz massive Klagen“, weiß sie. So wird zum Beispiel der kleine Trampelpfad, der einst ein sehr beliebter Spazier- und Radweg für manchen Wittorfer war, schon lange kaum mehr genutzt. „Es ist einfach ein grauenvolles Bild“, sagt Sabine Krebs. Genau wie viele Wittorfer denkt sie bei ihrer Kritik auch an die Besucher, die auf ihrem Weg ins nahe gelegene DOC an dem stinkenden Müllplatz vorbeikommen. „Das ist kein gutes Aushängeschild“, meint die Stadtteilbeiratsvorsitzende. Bei der „Aktion sauberes Wittorf“ Ende des Monats will sie die Bürger dort aber nicht sammeln lassen. „Diese Fläche sparen wir sicher aus. Das wäre den Wittorfern nicht zuzumuten“, so Sabine Krebs.

Bei der Stadt ist der vermüllte Parkplatz seit Längerem bekannt. „Er ist ebenso wie zum Beispiel der Bereich hinter dem Freesen-Center, wo auch viele Lkw-Fahrer übernachten, ein echter Problemfall“, sagt Ingo Kühl, Leiter des technischen Betriebszentrums (TBZ). Eine Zeit lang hatte die Stadt an dem Areal an der Saalestraße einen Müllcontainer aufgestellt, erzählt Kühl. Doch den nutzt offenbar einige Anlieger illegal für größere Abfallmengen, so dass er ständig voll war und wieder entfernt werden musste. Allerdings soll es innerhalb der nächsten Wochen einen Ersatz geben. Ingo Kühl hat bereits ein anderes Modell bestellt. Eine 240-Liter-Tonne mit lediglich einem kleinen Einwurfschlitz soll Abhilfe schaffen. „Der ist unattraktiv für Großmüll und wird zum Beispiel am Freesen-Center von den Lkw-Fahren gut angenommen“, sagt der TBZ-Leiter.

Ein Dixi-Klo hingegen wird es aller Voraussicht nach von der Stadt nicht geben. „Mit dem reinen Aufstellen ist es ja nicht getan“, erklärt Holger Schwark, Abteilungsleiter Ordnungsangelegenheiten. „Wir müssten es warten und betreuen. Dafür gibt es weder Finanzen, noch Personal“, so Schwark. Auch ist es schwer, das Dauerparken der Lkw dort zu unterbinden. Wenn die Fahrzeuge angemeldet sind und Tüv haben und es keine Beschränkung zum Beispiel als reiner Pkw-Stellplatz gibt, dürfen sie dort stehen, heißt es im Ordnungsamt.

Dass die Laster nicht auf Rastplätzen oder Autohöfen stehen, wo es Toiletten, Müllentsorgung und Einkaufsmöglichkeiten gibt, erklärt Holger Matzen, Logistik-Chef bei Voigt-Logistik. Er kennt die Gepflogenheiten genau. Auf einigen Autohöfen wird eine Gebühr für die Übernachtung erhoben, die kostenfreien Rastplätze an der Autobahn hingegen sind den Fahrern oft zu weit weg. Sie warten lieber im Industriegebiet vor den den Toren ihrer Auftraggeber. „Sie dürfen nicht auf den Firmengrundstücken stehen, also suchen sie geeignete Möglichkeiten in der Nähe, um lange Leerfahrten zu sparen“, sagt Matzen. Geschlafen wird meist tagsüber. Spätnachmittags oder abends fahren die Lastwagen dann meist wieder los. Zurück bleibt der Müll.

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erstellt am 15.Mär.2017 | 12:05 Uhr

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