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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2016 | 14:59 Uhr

Nadelöhr : Lkw blieb an der Bahn-Brücke hängen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Wasbeker Straße war für gut eine Stunde gesperrt. Busse mussten den Weg über die Linienstraße nehmen.

Neumünster | Hinweisschilder deuten am Beginn der Wasbeker Straße, 80 Meter vor und direkt am Brückenpfeiler der Eisenbahnbrücke auf die geringe Durchfahrtshöhe von 3,60 Meter. Doch es hilft nicht: Gestern blieb – wieder einmal – ein Sattelzug an der betagten Brücke hängen.

Die Fahrerkabine passte gerade noch so unter der Brücke hindurch, aber mit den Aufbauten des Aufliegers touchierte der Fahrer einer Kieler Spedition um 9.32 Uhr die Brücke. Es ging nicht mehr vor und nicht zurück. Der Chef der Spedition sprach später von menschlichem Versagen. Die Polizei sperrte vor der Brücke mit einem Streifenwagen die Straße; der Verkehr musste über den Parkplatz zum Schleusberg oder über die Linienstraße ausweichen.

Betroffen war auch der Busverkehr auf der Linie 3/33. „Den schicken wir jetzt über die Linienstraße“, erklärte Matthias Schmidt von den Stadtwerken. Die Haltestelle am Kleinflecken konnte während der Havarie nicht bedient werden. Gegen 10.30 Uhr war ein Werkstatt-Team der Spedition vor Ort. Nach kurzer Prüfung der Lage setzte ein Fahrer den Lkw zurück. Innerhalb weniger Minuten war der Lkw wieder frei, wenn auch mit lädierten Aufbauten. Gegen 10.45 Uhr setzte er ganz zurück, fuhr auf den Parkplatz neben dem Fahrradgeschäft Hansen und gab die Straße frei.

Während nur ein Bus ausfiel, traf es die Bahn härter. „Acht Züge waren betroffen mit insgesamt 94 Minuten Verspätung“, erklärte eine Sprecherin. Da zwei Gleise nicht mehr zur Verfügung standen, wurde der Zugverkehr über das Gegengleis geleitet. Die Bahn war mit einem Fahrzeug ihres Notfallmanagements vor Ort. Zwei Mitarbeiter untersuchten die Brücke auf Schäden. „Seit 10.58 Uhr lief der Bahnverkehr wieder normal“, sagte die Bahn-Sprecherin.

An der Eisenbahnbrücke bleiben immer wieder Lkw hängen. „Navigationssysteme geben bei Brücken mit Höhenbeschränkung kein klares Bild, obwohl solche Angaben hilfreich wären“, sagte Holger Matzen, Logistikchef bei Voigt und Vorsitzender der Logistik-Initiative Schleswig-Holstein. Der Experte glaubt, dass es durch die Belieferung der Holsten-Galerie mehr Lkw-Verkehr in der Innenstadt gibt. Außerdem gebe es den Trend zu immer höheren Lkw-Aufbauten bis hin zur maximalen Höhe von 4 Metern. Matzen: „Aber so etwas passiert eigentlich nur ortsunkundigen Fahrern.“

Standpunkt

Die Brücke bleibt ein Nadelöhr

Vier Millionen Euro will die Bahn in die Erneuerung der alten Eisenbahnbrücke über die Wasbeker Straße investieren. Doch auch nach dem Neubau wird sie ein Nadelöhr bleiben. „Die Brücke bleibt in Höhe und Breite unverändert“, teilte die Bahn unlängst mit. Die über Kilometer nötige Anhebung der Gleise würde wohl jeden Etat sprengen, und  viel tiefer legen lässt sich die Wasbeker Straße wegen der Versorgungsleitungen  im Untergrund auch nicht. Und das müsste wohl auch die Stadt bezahlen. Es bleibt die  Hoffnung auf ausgereiftere Navigationssysteme und besser geschulte Lkw-Fahrer. Aber die Stadt  sollte auch überlegen, ob sie die Beschilderung verbessert. Die ist eigentlich ausreichend, aber was nützt es, wenn ausländische Brummifahrer sie ständig übersehen?

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erstellt am 28.Jul.2016 | 08:00 Uhr

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