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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 01:26 Uhr

Alte Obstwiese : Lektionen mit Apfelbrot und Baumpflanzung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zweitklässler der Rudolf-Tonner-Schule lernten auf der Alten Obstwiese an der Kieler Straße

Neumünster | Das war gestern ein besonderer Vormittag für die 18 Schüler der Klasse 2 a der Rudolf-Tonner-Schule aus Tungendorf: Statt die Schulbank zu drücken und Deutsch, Mathe oder Heimatkunde zu pauken, ging es auf die Alte Obstwiese an der Kieler Straße 515. Peter Wöhlk vom Arbeitskreis Alte Obstwiese und seine Mitstreiter erzählten viel Wissenswertes, es ging aber auch ganz praktisch zur Sache: Die Klasse pflanzte „ihren“ Apfelbaum.

Aber davor gab es eine Stärkung: Apfelbrot mit Himbeermarmelade, Löwenzahnsirup und Apfelsaft von den Bäumen der Wiese. Statt still sitzen zu müssen, durfte nach Herzenslust über die Wiese gestromert werden – Kontakt mit „Natur pur“: „Iih, da liegen ja Köddel!“, riefen die Schüler. Das waren die Hinterlassenschaften der Schafe, die etwas verschreckt vor den lauthals juchzenden Schülern flohen und als lebende Rasenmäher das Gras auf dem 30  000 Quadratmeter großen Gelände kurzhalten. Vor allem die Mädchen „pflückten“ Schaffellbüschel von den Baumzweigen. „Meine Mutter hat das früher gesammelt, es zu Fäden gedreht und daraus Strümpfe gestrickt“, erzählte Peter Wöhlk. Der 72-Jährige ist seit zehn Jahren der „Apfel-Opa“ der Tonner-Schule: Er begleitet die Schüler – auch anderer Schulen – auf der Obstwiese, bringt ihnen viel Interessantes bei, ist einmal vor Ort in der Schule und betreut die Garten-AG auf dem Schulgelände. Zustande gekommen ist das durch die Freundschaft mit Lehrer Carsten Walter, denn Wöhlks Enkelin Darlin (heute 16) ging auf die Rudolf-Tonner-Schule.

Erde in die Schubkarre schaufeln, Maschendraht und Drahtgitter schultern, Spaten und Eimer gepackt: Die ganze Klasse zog dann quer über die Wiese, um den Baum Nummer 505 zu pflanzen – der den originellen Namen Horneburger Pfannkuchenapfel trägt. Konzentriert wurde der Baum in das von Peter Wöhlk vorbereitete Loch gehievt. „Die schlechte Seite muss Richtung Süden ausgerichtet werden, damit er sich dorthin auswächst“, erläuterte der Fachmann. Dann erhielt der Stamm einen Drahtschutz. „Schafe finden Rinde lecker, das schmeckt süß für sie, weil die ganzen Nährstoffe über die Rinde in die Krone ziehen“, erklärte Burkhard Roese vom Arbeitskreis Alte Obstwiese. Aha! Rinde ist also für Schafe das, was Schokolade für Menschen bedeutet, begriffen die Schüler schmunzelnd. Eifrig schleppten sie eimerweise Wasser heran, damit der Baum auch gut zu trinken bekam. „An so einem Nachmittag werden bei den Schülern alle Sinne angesprochen, sie fühlen, buddeln, riechen. Das ist etwas ganz anderes als die übliche Schulstunde“, meinte Lehrer Carsten Walter.

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erstellt am 21.Mai.2016 | 08:00 Uhr

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