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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 15:43 Uhr

Neumünster : Lehrrettungswache in Gefahr: Personal für die Rettungswagen fehlt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Krankenkassen klagen gegen die Kosten für einen Notfallsanitäter-Ausbilder. Es geht um knapp 47.000 Euro im Jahr.

Neumünster | Wer verunglückt oder schwer krank ist, vertraut darauf, dass qualifiziertes Personal schnell vor Ort ist, wenn er die 112 wählt. Doch in Neumünster könnte das in absehbarer Zeit zu einem großen Problem werden. Zwar hat die Berufsfeuerwehr zum 1. Oktober zwei Auszubildende zum neuen Beruf des Notfallsanitäters gefunden, ihr Ausbilder aber fehlt noch. Die Krankenkassen klagen gegen die Übernahme der Kosten für eine Stelle des „Praxisanleiters im Rettungsdienst“, wie der Job im Gefahrenabwehrzentrum offiziell heißt. Damit ist für die Berufsfeuerwehr auch der bisherige Status als Lehrrettungswache in Gefahr.

Konkret geht es um knapp 47.000 Euro im Jahr für die neue Stelle. Das Problem: „Das 2013 eingeführte Notfallsanitätergesetz ist ein Bundesgesetz. Es regelt zwar die Ausbildung, sagt aber nichts darüber, wer die Kosten dafür trägt“, erläutert Bernd Schümann von der Berufsfeuerwehr. Hier ist das Land schon weiter. „Im Rettungsdienstgesetz Schleswig-Holstein ist eigentlich klar geregelt, dass Kosten, die mit dem Rettungsdienst zusammenhängen, von den Krankenkassen übernommen werden müssen“, sagt Schümann. Doch das Bundes- steht über dem Landesgesetz. „Es müsste also auf Bundesebene nachgebessert werden“, betont Schümann. Andere Kollegen können die Ausbildung nicht einfach übernehmen. Hier gibt es für die Lehrrettungswache klare Vorgaben vom Landesamt für soziale Dienste.

Übernimmt bis zu einem endgültigen Urteil in dem Rechtsstreit die Stadt die Kosten für einen Ausbilder nicht, müssten die neuen Auszubildenden an anderen Standorten lernen. Mögliche Folgen: Zum Einen müsste die Stadt mit großer Wahrscheinlichkeit trotzdem für die Ausbildung in der anderen Ausbildungsstätte bezahlen. Zum Anderen steigt die Gefahr, dass die Auszubildenden im Anschluss an ihre drei Lehrjahre gleich von der Lehrstätte abgeworben werden. „Und der Markt an Notfallsanitätern ist leer. Dann wäre für uns in Neumünster kein Personal da“, sagt Bernd Schümann.

Im Ausschuss für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz soll das Thema am Dienstag diskutiert werden. Dann geht es auch um weitere sechs Stellen im Rettungsdienst, die nach einem neuen Gutachten notwendig sind, um die rasant steigenden Einsatzzahlen zu bewältigen. Und weil viele bisherige Rettungsassistenten bis 2020 zu Notfallsanitätern weitergebildet werden müssen, sollen zwei weitere befristete Stellen geschaffen werden, um die ausbildungsbedingte Abwesenheit zu kompensieren. Endgültig entscheidet über alle Personalfragen der Rat am 27. September.


Kommentar: Und wieder müssen Gerichte entscheiden

Von Christian Lipovsek

Eigentlich ist das Verhalten der Krankenkassen zu verstehen. Sie wollen nichts bezahlen, was sie nicht unbedingt müssen, und so ihre Beiträge stabil halten. Dabei nutzen sie einen eklatanten Fehler der Politik aus.

Bei der Bundesgesetzgebung haben die Damen und Herren nämlich schlichtweg vergessen, klar und deutlich zu machen, wer die Kosten für den neuen Ausbildungsgang übernehmen muss. Nur dumm, dass das auf dem Rücken von Kranken und Verletzten ausgetragen wird. Und wieder müssen jetzt Gerichte ausbaden, was die Politik versäumt hat. Die Justiz muss entscheiden.

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erstellt am 20.Sep.2016 | 08:00 Uhr

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