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Holsteinischer Courier

04. Dezember 2016 | 07:07 Uhr

Niederdeutsche Bühne : Leder, Lack und Korruption

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Niederdeutsche Bühne geht mit der hingebungsvollen Komödie „Jümmer diskret“ in die Sommerpause.

Neumünster | Im besten Sinne frivol sein – auch das kann plattdeutsches Theater. Es herrscht Aufbruchstimmung bei der Niederdeutschen Bühne (NBN). Auf kalauernde Komödien mit döösbaddeligen Protagonisten ließ sich das kleine Theater noch nie beschränken. Fernab des plattdeutschen Mainstreams will es sein Publikum auch mit heiklen Themen konfrontieren. Zum Beweis setzten Bühnenleiter Frank Juds und Dieter Milkereit die Komödie „Jümmer diskret“ von Lewis Easterman, niederdeutsch von Gerd Meier, aufs Programm. Als letztes Stück dieser Theatersaison feierte die Verwechslungskomödie rund um Leder, Lack und Korruption am Sonnabend Premiere im ausverkauften Studio-Theater.

„Als wir den Text das erste Mal lasen, waren wir nicht ganz sicher, ob es das richtige Stück für unser Publikum ist“, sagte Frank Juds nach der Vorstellung. Juds und Milkereit fassten sich ein Herz. Schließlich wussten die beiden Theatermacher Ulrich Herold an ihrer Seite. Unter der Regie des erfahrenen Schauspielers und Regisseurs gelang den Darstellern die mitreißende Vorstellung einer simplen Geschichte, deren Inhalt ebenso gewagt, wie schnell erzählt ist: Ein korrupter Ministerialrat (Stephan Greve) steigt in einem First-Class-Hotel ab. Dort will er seiner sadomasochistischen Passion mit einer Domina (Carina Thomsen) frönen und nebenbei Geschäfte mit einem russischen Oligarchen (Werner Münz) tätigen. Der Hoteldirektor (Volker Rohwedder) verspricht Diskretion, eine Journalistin (Dagmar Willhelmsen-Schmitt) sucht nach einem Skandal, die Frau des Ministerialrates (Anna Lena Graff) weiß von nichts und ein Zimmerkellner (ebenfalls Stephan Greve) muss als Double (Olaf Hoffmann) einspringen. Das schafft haarsträubende Verwicklungen und klärt sich am Ende auf. Doch bis es zum Happy End kommen kann, ist die Schauspielkunst der Darsteller gefragt.

„Je einfacher die Komik, umso schwieriger ist sie zu spielen“, sagte Ulrich Herold. Bei einfachen Gagmustern müssen das Timing und der Rhythmus stimmen. „Nur wenn es den Schauspielern gelingt, die stark typisierten Charaktere darzustellen, können sie zu Abziehbildern von uns selbst werden“, erklärte der Regisseur. Zur Premiere ist das eindeutig gelungen. In seiner Doppelrolle wechselte Stephan Greve mit einer Geschwindigkeit zwischen Ministerialrat und Kammerdiener, dass dem Publikum vor Erstaunen die Spucke wegblieb. Als Domina überzeugte Carina Thomsen nicht nur äußerlich, und Volker Rohwedder gab einen Hoteldirektor ab, wie er im Buche steht. Selbst kleine Rollen, wie die von Werner Münz als russischer Geschäftsmann und Anna Lena Graff als Ehefrau entlockten dem begeisterten Publikum immer wieder Zwischenapplaus.

„Jümmer diskret“ ist ein absolutes Ensemblestück voller Ideen in der Inszenierung und überragenden Schauspielern, die sich allesamt dem Wahnsinn ihrer Figuren stellen.


> Die weiteren Termine: 18. bis 20. und 23. April (je 20 Uhr), 24. April (16 Uhr, alle in der Studiobühne), 21. und 22. April (20 Uhr, Theater in der Stadthalle). Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf für 11 bis 13 Euro plus Gebühr (Schüler und Studenten 5 Euro) bei Auch & Kneidl am Großflecken, Restkarten eine Stunde vor Beginn der Aufführung an der Abendkasse.

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erstellt am 18.Apr.2016 | 08:30 Uhr

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