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Holsteinischer Courier

07. Dezember 2016 | 15:32 Uhr

Ehepaar aus Wittorf : Leben nach dem Einbruch: Das Sicherheitsgefühl ist weg

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Als Ilona und Aubrey Burns aus Wittorf im Urlaub waren, wurde ihr Haus von Unbekannten durchwühlt. Der Schock sitzt tief.

Neumünster | Sie hatten eigentlich alles richtig gemacht: Als Ilona (61) und Aubrey Burns (58) im August für eine Woche in den Urlaub nach Irland zu Verwandten flogen, wussten die Nachbarn natürlich Bescheid. Ein Verwandter war gebeten worden, den Rasen zu mähen, damit alles belebt und ordentlich aussieht. Doch als das Ehepaar wieder nach Hause kam, wartete dort eine üble Überraschung. Einbrecher hatten ihr Haus in Wittorf komplett durchwühlt.

„Schon als ich die Haustür aufschloss und in den Flur kam, wusste ich, dass etwas nicht stimmt. Aber ich konnte es nicht zuordnen“, berichtet Ilona Burns. Irgendjemand hatte zwei Stücke ihrer Unterwäsche auf den kleinen Figuren drapiert, die zur Begrüßung im Eingangsbereich stehen. Als sie wenige Schritte weiter ins Haus ging, empfing sie das pure Chaos: Alle Zimmer waren komplett durchwühlt, Schränke und Schubladen aufgerissen, der Inhalt lag auf dem Fußboden verstreut. Sogar die Betten des Ehepaares hatten die Einbrecher auseinander gerissen.

Sofort rief Aubrey Burns die Polizei. Fassungslos wartete das Ehepaar auf die Ermittler und versuchte, möglichst nichts anzufassen, um keine Spuren zu verfälschen. Als die Beamten eintrafen, wurde schnell klar, wie die Unbekannten in das eigentlich gut gesicherte Haus gelangen konnten. „Sie haben die einzige Schwachstelle gefunden, die ich übersehen hatte“, berichtet Aubrey Burns. Er ist selbst Fachmann aus dem Baunebengewerbe und hatte daheim nur einbruchsichere Fenster und Türen verbaut. Sogar die Rollladen lassen sich nicht hochschieben. Doch die Täter wählten diesmal einen anderen Weg, kamen übers Dach.

Wann sie sich anschlichen, weiß niemand. Sie kamen wohl durch das angrenzende Industriegebiet, kletterten über einen hohen Holzzaun hinten in den Garten. Unbemerkt von den Nachbarn stiegen sie offenbar auf eine kleine Begrenzungsmauer, erklommen die Terrassenüberdachung und krochen über das nur leicht schräge Hausdach hinauf zu einer Luke, die dort für den Schornsteinfeger eingelassen ist. Und die ließ sich leider mit einem Ruck öffnen. Auch die Bodenluke war keine Hürde. Dank der geschlossenen Jalousien konnten sich die Fremden danach ungestört durch Blicke von außen im Haus bewegen.

Und das taten sie ausgiebig. Alle Zimmer nahmen sie sich vor. Auch das Kosmetikstudio von Ilona Burns blieb nicht verschont. Noch immer ist nicht ganz klar, was die Einbrecher alles einsteckten. Sicher ist: Es fehlen Schmuck und Bargeld. Aubrey Burns’ besonderer Wiskey wurde mitgenommen. Seiner Frau stahlen die Einbrecher sogar ein angebrochenes Parfüm. Von vier Frühstücksmessern fehlen drei, von zwei Steakmessern eines. Mehrere große Taschen nahmen sie mit, vermutlich , um die Beute zu transportieren. Abschließend schlossen die Täter die Haustür auf, steckten den Zweitschlüssel der Burns ein und marschierten vorne ganz frech wieder raus.

Noch heute entdeckt das Paar immer wieder, dass etwas fehlt: „Beim Staubwischen merkte ich gerade, dass der Deko-Stein, der immer auf dem Ofen lag, nicht mehr da ist“, berichtet Ilona Burns.

Der Schock sitzt auch Wochen nach dem Albtraum noch tief. Ständig ist der Einbruch wieder Thema. „Warum haben die bestimmte Sachen mitgenommen und andere liegen gelassen? Wurden wir ausspioniert?“, grübeln beide. Und auch auf die widerliche Platzierung der Wäsche im Flur können sie sich bis heute keinen Reim machen. Es waren wohl Spaßvögel.

„Ich war nie ein ängstlicher Typ. Doch mein Sicherheitsgefühl ist jetzt komplett weg. Ich hätte nie gedacht, dass es mich so mitnimmt“, sagt Ilona Burns. Bei jedem Geräusch schreckt sie hoch. Als ihr Mann direkt nach dem verhängnisvollen Urlaubsende auch noch für ein paar Tage ins Krankenhaus musste, schlief sie besonders schlecht. Da hilft es auch nicht, dass Dachluke und Bodenklappe mittlerweile hermetisch abgeriegelt und die Türschlösser ausgetauscht sind.

Auch wenn die Wittorfer ihr Zuhause mittlerweile aufgeräumt haben, ist der Einbruch-Stress noch nicht vorbei. Jedes Teil, dass die Eindringlinge angefasst haben könnten, wird geputzt und gewaschen. „Ich bin hier immer noch am Waschen und Bügeln“, sagt Ilona Burns. Der Gedanke, dass Fremde heimlich ihre Sachen berührt haben, bleibt unerträglich.

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erstellt am 03.Sep.2016 | 15:30 Uhr

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