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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2016 | 14:53 Uhr

Gross Kummerfeld : Lauer Abend mit makabrem Einschlag

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Sänger Reinhold Wolf und der Pianist Thomas Palm traten mit Liedern des Wieners Georg Kreisler auf Hof Isemohr auf.

Gross Kummerfeld | Dass die Jahrzehnte alten Texte Georg Kreislers (1922 - 2011) nichts von ihrer Aktualität verloren haben, bewiesen Reinhold Wolf (Sänger) und Thomas Palm (Pianist) dem 170-köpfigen Publikum am Mittwochabend im Kuhstall auf Hof Isemohr. Denn im Rahmen der Kleinkummerfelder Kuhstall-Konzerte präsentierte das Duo eine Auswahl der makabren Lieder des Wiener Grantlers mit einer Intensität, die das Publikum immer wieder zu begeisterten Beifallsstürmen hinriss.

Sänger Reinhold Wolf, selbst Wiener und deshalb auch mit dem nötigen Schmäh und Zungenschlag ausgerüstet, interpretierte virtuos rund 20 Lieder des „musikalischen Schriftstellers“, der in den 50er-Jahren im Rundfunk und Fernsehen sogar verboten war. Kongenial begleitet wurde er dabei von seinem langjährigen Partner Thomas Palm, der selbst den kleinsten Tastenanschlag aufs I-Tüpfelchen genau zu platzieren wusste.

Zusammen breiteten die beiden die ganze Palette des Kreislerschen Liedkosmos’ aus, komponiert aus den „Liedern zum Fürchten“ und den „Seltsamen Liebesliedern“ sowie zahlreichen weiteren Facetten. Denn selbstverständlich wollte das Publikum sie hören, die längst zu Klassikern gewordenen Stücke wie „Wien ohne Wiener“, „Der Musikkritiker“, „Das Triangel“, „Opernboogie“ oder „Zwei alte Tanten tanzen Tango“.

Wolf und Palm gelang es dabei, einen Spannungsbogen schauerlicher, morbider Melancholie zu erzeugen. Wolf schnurrte, schmeichelte, greinte und unterstützte die Stimmung des Konzertes mit ausdrucksstarker Mimik und Gestik.

Als der Abend sich schließlich dem Ende zuneigte und die zweite und dritte Zugabe gespielt war, fehlte dem Publikum dann eigentlich nur noch ein Lied, nämlich: „Tauben vergiften im Park“. Auch dieser Wunsch nach Kreislers wohl bekanntestem Stück wurde natürlich erfüllt.

Und so mischte sich am Schluss noch einmal Zartheit und Empfindsamkeit mit makabrem Witz und spröder Realität. „Schau, die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau, geh’n wir Tauben vergiften im Park.“

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erstellt am 22.Jul.2016 | 15:00 Uhr

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