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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 05:32 Uhr

Gerichtsbericht : Kurierfahrer stahl Fernseher bei der Post

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Gestern stand der Mann gemeinsam mit zwei Mittätern vor Gericht.

Mehr als 160 nagelneue, original verpackte Fernseher ließ ein Kurierfahrer (37) laut Anklage innerhalb von nur drei Monaten an seinem Arbeitsplatz im Frachtpostzentrum am Krokamp mitgehen. Anschließend soll er die teuren Geräte nach und nach an den Inhaber (32) eines An- und Verkaufsladen in der Innenstadt verkauft haben. Der wiederum veräußerte einen Teil der gestohlenen Ware an einen Kollegen (25) aus Hamburg. Gestern musste sich das Trio wegen Diebstahls beziehungsweise Hehlerei vor dem Schöffengericht verantworten.

Der Kurierfahrer hatte seinen Job erst acht Wochen zuvor angetreten, als er laut Staatsanwaltschaft am 30. November 2013 das erste Mal fünf Flachbild-Fernseher vom Firmengelände schaffte. Wie genau er die Geräte transportierte, blieb vor Gericht unklar. Nach und nach wurde der Neumünsteraner laut Anklage mutiger. Alle paar Tage griff er zu. Am 17. Dezember 2013 soll er 14 Geräte mitgenommen haben, am 20. Dezember sogar 21 verschiedene Modelle.

Immer wieder brachte er die teure Technik zu einem Händler in der Innenstadt. Vor den Diebstählen hatten sich die Männer nach eigener Aussage nicht gekannt. „Er kam eines Tages einfach in meinen Laden und hat mir Fernseher angeboten“, erklärte der Käufer vor Gericht. Es seien immer unterschiedliche Modelle gewesen, große und kleinere Flachbildfernseher. „Ich gab ihm je nach Größe 100 bis 250 Euro dafür“, erzählte der Ankäufer.

Zwei Mal veräußerte der Neumünsteraner Händler anschließend einen Teil der Geräte an seinen Hamburger Kollegen. „In meinen kleinen Transporter passten jeweils höchstens 15 Geräte. Mehr war das nicht. Pro Tour habe ich so um die 500 Euro verdient“, erklärte der Ankäufer aus der Hansestadt.

Im Frachtpostzentrum fiel die Sache über Monate offenbar überhaupt nicht auf. Stattdessen wurde dem Dieb und den Käufern eine Telefonüberwachung aus einem anderen Strafverfahren zum Verhängnis. Dabei entdeckten die Ermittler das schwungvolle illegale Geschäft. Am 30. Januar 2014 schlugen die Beamten zu, als der Kurierfahrer vor dem An- und Verkaufsladen in Neumünster gerade acht Fernseher abladen wollte.

„Mir stand das Wasser damals finanziell bis zum Hals“, erklärte der 37-Jährige gestern vor Gericht über seinen Anwalt. Demnach hatte sich der Mann bei offenbar recht zwielichtigen Bekannten eine Menge Geld geliehen. Irgendwann wollten die Gläubiger ihr Geld sehen und wurden wohl recht ungemütlich. In seiner Not habe der Mann die Fernseher gestohlen, um zahlen zu können. Zuvor war er der Familienvater bei der Polizei noch nie in Erscheinung getreten. Vor Gericht bereute er seine Tat zutiefst.

Genau wie die beiden Händler kam er gestern mit einer Bewährungsstrafe davon. Zuvor hatten sich das Gericht, die Staatsanwaltschaft und die drei Verteidiger zu einem Rechtsgespräch zurückgezogen und die Lage vorab erörtert. Ausschlaggebend für das milde Urteil waren die Geständnisse der drei Männer, die die Taten unumwunden einräumten. Das Gericht verurteilte den Kurierfahrer letztendlich wegen Diebstahls in 21 Fällen zu einer Haftstrafe von anderthalb Jahren. Der Neumünsteraner Ankäufer, der sein Geschäft mittlerweile aufgegeben hat, erhielt wegen Hehlerei eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, sein Hamburger Kollege von sieben Monaten. Alle Strafen wurden auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Mit dem Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, ist die Sache allerdings noch nicht komplett erledigt. So stellt die Post zumindest dem Kurierfahrer knapp 30  000 Euro Schaden in Rechnung.

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erstellt am 02.Jul.2016 | 16:01 Uhr

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