zur Navigation springen

Holsteinischer Courier

06. Dezember 2016 | 15:06 Uhr

Kleine Fische : Krippe bietet nun 17 Stunden Betreuung täglich an

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Einrichtung an der Vicelinstraße ist die erste, die an dem Bundesprojekt „Kita plus“ teilnimmt, und nach Bedarf Kinder von 5 bis 22 Uhr betreut.

Neumünster | Bisher musste Jans Oma früh aufstehen, wenn für Mama Anika Havens aus der Gartenstadt die Frühschicht anstand. Um 6 Uhr ist dann für die Pflegekraft Arbeitsbeginn. Doch so früh hatte keine Krippe oder Kita in Neumünster für den 20 Monate alten Jungen geöffnet. Das sieht seit gestern anders aus. Die „Kleinen Fische“ an der Vicelinstraße bieten nun nach Absprache täglich, auch sonnabends und sonntags, die Betreuung von unter Dreijährigen in der Zeit von 5 bis 22 Uhr an – und das flexibel auf die Bedürfnisse der Eltern angepasst.

Es ist die erste Einrichtung in der Stadt, die am Bundesprojekt „Kita Plus“ teilnimmt, das vor allem berufstätigen Eltern in Schichtarbeit oder mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten eine neue Perspektive bieten will. Möglichst passgenaue Betreuungszeiten sollen den Eltern erleichtern, Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bekommen. Jan hat einen Platz bekommen, aber es gibt noch weitere freie Plätze für Eltern und Alleinerziehende aus Neumünster.

Am ersten Tag war die Lage gestern allerdings noch entspannt. „Vier Familien haben sich für den neuen Service angemeldet, aber die haben alle erst ab September oder Oktober Früh- oder Spätschicht“, berichtete Krippen-Leiterin Lena Lindner. Der Nachweis des Schichtdienstes ist Voraussetzung für einen Betreuungsplatz. „Schließlich nehmen wir die Kinder nicht, nur damit Mama und Papa am Sonnabend mal ungestört einkaufen können. Es muss schon ein Bedarf da sein“, sagt Dr. Constanze von Wildenradt, Fachbereichsleiterin Familie bei der Diakonie, zu der die Einrichtung gehört.

Fünf neue Mitarbeiter wurden eingestellt, zwei Erzieherinnen und drei sozialpädagogische Assistentinnen. „Alle haben hier schon mal ein Praktikum gemacht und kennen daher das Haus“, erzählt Lena Lindner. Die Motivation, auch über die normalen Arbeitszeiten hinaus zu arbeiten sei hoch: „Wir ziehen alle am selben Strang.“

Wichtig ist für das Krippen-Team der familiäre Aspekt. „Wir versuchen hier, für die Kinder den ganz normalen Tagesablauf nachzustellen“, sagt Lena Lindner. Das heißt: Das Kind, das um 16 Uhr oder 17 Uhr zur Betreuung kommt, erhält wie zu Hause Abendbrot, dann wird gekuschelt, ehe es nach einer Gute-Nacht-Geschichte im Schlafraum ins Bett geht. „Die Rituale besprechen wir vorher mit den Eltern“, so die Krippen-Leiterin.

207 Euro kostet ein „Kita plus“-Platz pro Monat bei den „Kleinen Fischen“, hinzu kommen bei Inanspruchnahme 50 Euro fürs Mittagessen und 10 Euro fürs Frühstück. Die Kosten für den dreijährigen Modellversuch übernimmt der Bund zu 95 Prozent. Bis Ende 2018 wird er dafür rund eine Million Euro nach Neumünster überweisen, die Diakonie erhält laut Constanze von Wildenradt in diesem Zeitraum davon 444  000 Euro.

Auch die Stadt muss ihren Anteil leisten: Bedingung für den Zuschlag war, dass sie die Anschlussfinanzierung zumindest für die Startphase sicherstellt. Das hat der Rat inzwischen zugesagt. Jörg Asmussen, Fachdienstleiter Frühkindliche Bildung, rechnet mit jährlichen Kosten von rund 375 000 Euro ab 2019. Für die Stadt werde sich die Investition aber schnell rechnen, sagt Asmussen voraus, da im Gegenzug voraussichtlich andere soziale Hilfen eingespart würden.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 16.Aug.2016 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen