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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 03:07 Uhr

Zutraulicher Vogel : Krähe hält die Gartenstadt auf Trab

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Garten von Tekin Sen und Christin Zöllner ist das Tier inzwischen ein Dauergast. Polizei und Feuerwehr konnten den Vogel nicht fangen.

Neumünster | Für Tekin Sen fühlt es sich fast so an, als hätte er einen neuen Mitbewohner. Seit knapp zwei Wochen bekommt er in seinem Garten täglich Besuch von einer schwarzen Krähe. Der 46-Jährige spekuliert, ob es sich dabei um das gleiche Tier handeln könnte, das vor einer Woche in der Kita Schubertstraße ein fünfjähriges Mädchen attackiert hatte. Der Vogel hatte sich in den Haaren des Mädchens verhakt und ihr auf den Kopf gepickt. Die Kleine zog sich dabei eine blutende Wunde zu (der Courier berichtete).

„Ich hatte das zuerst gar nicht mitbekommen. Aber dann haben mich Kunden darauf angesprochen, dass in der Stadt eine Krähe gesucht wird“, sagte der Gartenstädter, der das Tier bislang jedoch noch nie aggressiv erlebt hat. „Der Vogel ist sehr zutraulich, frisst mir aus der Hand und hat sich sogar schon unseren Autoschlüssel oder kleine Spielzeuge aus dem Garten geschnappt“, erzählte er. Auch Sohn Mubin ist begeistert von dem tierischen Besucher. „Ich füttere ihn immer mit Kirschen“, berichtete der Fünfjährige stolz.

Gestern ging die Aktion allerdings ein wenig schief. Die Krähe pickte dem kleinen Jungen in den Finger. „Das hat aber nicht weh getan“, versicherte Mubin. Sein Vater glaubt nicht, dass das Tier böse Absichten hatte: „Mubin ärgert den Vogel auch öfter mal, da muss er sich nicht wundern“, sagte Tekin Sen schmunzelnd. Mubins Mutter Christin Zöllner fand die Geschichte allerdings nicht so lustig und meldete den Vorfall bei der Stadt: „Ich hatte die Amtstierärztin am Telefon, die mir versicherte, mein Anliegen an die Ordnungsbehörde weiterzuleiten.“

Die Stadt reagierte umgehend. „Wir haben Polizei und Feuerwehr in die Gartenstadt geschickt, aber der Vogel konnte bislang nicht gefangen werden. Die Ordnungsbehörde bleibt aber weiter am Ball“, bestätigte Stadtsprecher Stephan Beitz gegenüber dem Courier.

Unklar ist bislang noch immer, ob es sich bei der Krähe – sofern es denn dasselbe Tier ist – um eine Raben- oder Saatkrähe handelt. In der Kita Schubertstraße wurde aus diesem Grund eine Fotofalle aufgestellt, die für Aufklärung sorgen soll, um welche Art von Krähe es sich handelt (der Courier berichtete). „Das ist eine zwicklige Sache“, sagt auch der Ehrenvorsitzende des Naturschutzbundes, Peter Hildebrandt, dem die Fotos aus der Gartenstadt vorliegen. „Wenn man das Bild betrachtet, denkt man, dass es sich um eine Rabenkrähe handelt. Denn Saatkrähen haben eine hellere Schnabelwurzel. Allerdings wäre es auch möglich, dass es sich um einen Jungvogel der Saatkrähe handelt, denn die haben eine behaarte Schnabelwurzel wie die Rabenkrähe“, erklärte er. Peter Hildebrandt vermutet, dass es sich bei der Krähe um ein aufgezogenes Tier handeln könnte: „Das wäre gut möglich, weil das Tier ganz offensichtlich sämtliche Scheu gegenüber Menschen verloren hat.“

Tekin Sen erfreut sich unterdessen weiter an dem Tier. „Ich möchte auf keinen Fall, dass ihm etwas passiert. Ich habe ein gutes Verhältnis zu dem Vogel“, sagte er schmunzelnd.

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erstellt am 27.Mai.2016 | 08:00 Uhr

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