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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 23:17 Uhr

Skurrile Sammlung : Kleine Belege vom Stolz der Brauereien

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit über 20 Jahren sammelt Bernd Brobowski (79) Bieretiketten aus aller Welt. Inzwischen weiß er eine ganze Menge über die Historie der Brauereien.

Neumünster | Bernd Brobowski (79) hat eine besondere Leidenschaft: Er sammelt Bieretiketten. Geschätzte 300000 Flaschenetiketten deutscher und dänischer Biere von etwa 1500 Brauereien aus einem guten Jahrhundert hat der Wittorfer im Keller seines Bungalows archiviert.

„Das sind alles Originale, keine Kopien. Darauf lege ich Wert“, betont Bernd Brobowski. 145 Din-A-4-Ordner füllen  geordnet ein eigens für diese besondere Sammlung reserviertes Zimmer im Souterrain.

Die beachtliche Menge an Hals-, Bauch- und Rückenetiketten hat der  Pensionär  nicht etwa mit der Hand abgeknibbelt: „Ich bin unter anderem Mitglied im Brauerei-Werbemittelsammlerverein, die versenden etwa drei bis vier Mal im Jahr je nach Vorratslage Etiketten.“ Kommt eine Fuhre ins Haus, sind es gleich rund 400 Stück. Dann verzieht sich der Sammler in den Keller und klebt die knitterfreien und unbenutzten Schilder fein säuberlich nach Brauerei geordnet auf extra dickes Papier. Dazu notiert er wichtige Daten zur Geschichte der Brauereien. Ein selbst erstellter Katalog sorgt für Übersicht und verweist auf entsprechende  Hefter.

„Man lernt auch unheimlich viel dabei“, sagt der ehemalige Beamte der Bundeswehrverwaltung. So entpuppen sich die kleinen ovalen oder eckigen Papiere auch als Dokumente ihrer Zeit. „Auf den Etiketten aus der DDR standen zum Beispiel immer die Flaschenpreise. Anhand des Hinweises EVP (eingetragener Verkaufspreis) oder MDN (Mark der deutschen Notenbank) lässt sich das Alter grob bestimmen. Einiges kann ich zudem aus der Typografie ableiten, denn die Mode im Layout wandelt sich stetig“, erklärt Bernd Brobowski kundig. Modern waren zum Beispiel ovale Beklebungen um 1900. Etwa 90 Jahre später waren eckige mit Metallbeschichtung beliebt. „Davon ist man aber der Umwelt zuliebe wieder abgegangen“, sagt der gebürtige Berliner.

Etiketten gibt es etwa seit den 1890er-Jahren, erläutert der Sammler: „Davor war die Brauerei ins Glas eingeprägt. Das war ein unheimlicher logistischer und finanzieller Aufwand.“ Für ein altes Etikett geben Sammler auf Tauschbörsen auch schon bis zu 60 Euro aus. Eines von Bernd Brobowskis ältesten Exemplaren stammt aus dem Jahr 1903 und kommt aus der Zwöntztalbrauerei Burkhardtsdorf in Sachsen. Sie ist 1898 gegründet und 1972 aufgelassen, das heißt geschlossen worden. „Vor gut 100 Jahren gab es allein in Schleswig-Holstein noch 600 Brauereien“, weiß er. Auch Neumünster hatte seine Bierbrauereien: Hinselmann und Harms wurden Anfang der 1920er-Jahre von Holsten geschluckt, Christian Prien schloss 1902. Von denen hat der Sammler allerdings noch kein Etikett.

Bernd Brobowski hat als Kind Briefmarken gesammelt. Die Lust auf Etiketten überkam ihn, als er vor 20 Jahren Georg Lechners Liste der deutschen Brauereien gelesen hat: „Dass es solche Ausmaße annehmen wird, wusste ich damals noch nicht.“ Inzwischen hat seine umfangreiche Sammlung  ihn auf zahlreichen Umzügen begleitet und immer wieder einen Platz gefunden – obwohl sie natürlich  auch heute noch ständig wächst.

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