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Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 04:18 Uhr

Vortrag über Haydn : Klassik muss nicht immer bierernst sein

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Dr. Klaus Volker Mader referierte humorvoll über das Leben und Schaffen von Joseph Haydn. 60 Gäste verfolgten den Vortrag im Saldern-Haus.

Neumünster | Was ist der Unterschied zwischen einer Kuh und einem Schaf? – Ein Fagott. Unsinn? Auf jeden Fall, aber mit Methode. Zumindest, wenn Dr. Klaus Volker Mader die Antworten gibt und damit höchst unterhaltsam komplexe musikalische Arbeiten verdaubar aufbereitet. 60 Gäste folgten am Dienstagabend im Caspar-von-Saldern-Haus seinem Vortrag über Humor und Genialität in den Symphonien Joseph Haydns (1732  -  1809). Mit der erquicklichen Schilderung aus dem Leben und Schaffen der Zentralfigur des Schleswig-Holstein Musikfestivals 2016 endete das Rahmenprogramm in Neumünster.

Dass in Joseph Haydns wohl berühmtester Symphonie „Die Schöpfung“ eine Kuh instrumental und musikalisch ähnlich wie ein Schaf präsentiert wird – das Fagott macht den Unterschied – zog der Dozent für Musik an der Kieler Universität als ein Beispiel für Haydns Humor heran: „Es ist dieser Witz in seinem Werk, der mich fasziniert, er hat sein Publikum auf die Schippe genommen.“

Zahlreiche Klangbeispiele wie Ausschnitte aus „Die Henne“, „Die Militärsymphonie“ oder das landläufig als Symphonie mit dem Paukenschlag bekannte Werk (Symphonie 94) machten unter Maders Erläuterungen deutlich, dass Klassik nicht bierernst genossen werden muss. „Haydns Musik ist plastisch, man kann sie sich vorstellen. Dadurch schuf sie Volksnähe und verwischte die Grenzen zwischen ernster und unterhaltender Musik“, schilderte der Präsident des Landesmusikrats Schleswig-Holstein weiter.

In der Militärsymphonie – „eine skurrile Kiste“, wie Mader kommentierte – spielt Haydn mit den Erwartungen der Zuschauer, die einen zackigen, heroischen Marsch erwarten. Stattdessen liefert der Sohn einer Bauersfrau und eines Handwerkers federleichte Melodien, die bisweilen trällern und hüpfen, dann in den erwarteten soldatisch-harschen Ton anschlagen – um sofort wieder zurückgenommen zu werden durch etwas bange klingende Einsätze.

Mit diesen ironischen Brechungen gelang Haydn eine Popularisierung der Musik, und Klaus Volker Mader erreichte mit seiner herzlichen und lustigen Art das Publikum im Nu. „Ich habe kaum Ahnung von Musik, aber so, wie Klaus Volker Mader uns Haydn präsentiert, habe ich sofort etwas gelernt“, sagte die Besucherin Christina Wetzel ganz begeistert.

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