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Holsteinischer Courier

26. September 2016 | 17:36 Uhr

Friedhöfe : Keine Lösung für die Reh-Plage

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sowohl Nord- als auch Südfriedhof sind betroffen. Komplette Einzäunung ist nicht möglich. Größte Schäden im Winter und Frühjahr

Neumünster | Viele Friedhofsspaziergänger und Trauernde ärgern sich: Mitgebrachte oder eingepflanzte Blumen auf dem Friedhof werden immer öfter von Rehwild gefressen. Auch viele Kaninchen tragen dazu bei, dass die farbenfrohe Pracht oft nicht lange hält und als Nahrung der Wildtiere dient. Das Problem ist zwar nicht neu, weiß Ingbert Tornquist, 1. Vorsitzender der Kreisjägerschaft, eine Lösung ist jedoch immer noch nicht gefunden: „Wir dürfen auf dem Friedhof selbstverständlich nicht jagen, denn das ist befriedetes Gebiet. Dem Problem wäre nur mit einer kompletten Einzäunung beizukommen, aber das ist nicht möglich, weil die Rehe dann in die Stadt gejagt werden würden“, sagt er.

Auch Sönke Schroeder, dem stellvertretenden Friedhofsleiter, ist das Problem seit vielen Jahren bekannt: „Die Tiere kommen aus dem Brachenfelder Gehölz an der Schwale und laufen dann weiter zum Süd- und Nordfriedhof. Ich habe selber schon gesehen, dass Rehe am helllichten Tag über den Zebrastreifen gegangen sind“, erzählt Schroeder. Diese schwindende Scheu mache es zudem schwierig, die Tiere mit einer Umzäunung auszusperren. „Sie spazieren einfach durch offene Tore und andere Durchgangsmöglichkeiten“, sagt Sönke Schroeder.

Die Rehe, die auf dem Friedhof einen neuen Lebensraum gefunden haben, fressen meist im Frühjahr in der Zeit von März bis Mai die Gräber kahl. Doch auch in der restlichen Zeit des Jahres, wenn die Tiere eigentlich genug Nahrung finden, fressen sie bevorzugt Rosen, Stiefmütterchen oder Sommerblumen. Helma Eberlein, Inhaberin der Friedhofsgärtnerei Sollmann, hat sich schon mit vielen verzweifelten Kunden unterhalten: „Einige haben sogar schon versucht, die ungebetenen Gäste mit Pfeffer oder Gewürzspray zu vertreiben. Das hilft aber, wenn überhaupt, nur so lange, bis der nächste Regen kommt.“ Eine Alternative sind Rosen mit einem Wachsüberzug, die in der Wintersaison anboten werden. „Die werden nicht gefressen, weil den Rehen das Wachs nicht schmeckt“, sagt die Expertin. Auch Ingbert Tornquist weiß, dass Mittel, die die Tiere eigentlich vertreiben sollen, oft nur kurzfristig wirken: „Bei Flatterbändern oder aufgehängten alten CDs tritt schnell ein Gewöhnungseffekt ein“, hat er beobachtet. Gärtnermeister Dirk Eberlein erinnert sich an Sommer mit noch mehr Reh-Schäden auf dem Friedhof. „Dieses Jahr ist es auf dem Nord- und Südfriedhof nicht ganz so dramatisch“, meint er. Allerdings wird der Lebensraum der Rehe zum Beispiel durch großflächigen Maisanbau nach wie vor verschoben, und die Tiere kommen weiter in die Stadt hinein.

Gerhard Lassen ist selbstständiger Friedhofsgärtner und betreut rund 600 Gräber: „Das ist ein großes Problem. Unsere Kunden erwarten ein toll angelegtes Grab, wenn das dann abgefressen ist, muss es wieder neu bepflanzt werden. Die Friedhofsverwaltung soll ihrer Pflicht nachkommen und den Friedhof einzäunen, um die Rehe abzuhalten“, meint er. Eine Einzäunung hat laut Sönke Schroeder bereits begonnen, gestaltet sich aber besonders an den Eingängen schwierig. Stattdessen hat er einen Tipp parat: „Man kann verwässerte Buttermilch auf die Rosen sprühen – das mögen Rehe nicht.“  

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erstellt am 22.Sep.2016 | 08:00 Uhr

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