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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2016 | 01:27 Uhr

Trinkwasser-Alarm : Keime im Wasser: Stadtwerke tauschen Luftfilter-Anlage aus

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Empfehlung zum Abkochen für Alte, Kranke und Kleinkinder bleibt bestehen / Ursache wird im Wasserwerk vermutet / Netz wird weiterhin gespült

Neumünster | Es bleibt dabei: Das Trinkwasser der Stadtwerke muss weiter abgekocht werden, wenn es für besonders geschwächte Menschen, Alte, Kranke sowie Kleinkinder und Säuglinge verwendet wird. Die Stadtwerke (SWN) bleiben bei ihrer abgeschwächten Empfehlung, die sie am Freitag bekannt gaben (der Courier berichtete). Am heutigen Dienstag soll eine Luftfilteranlage im Wasserwerk ausgetauscht werden, teilte SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt gestern mit.

„Es besteht weiterhin eine sehr geringe Verkeimung an der Nachweisgrenze, die Ursache kann nach den vorliegenden Ergebnissen stärker auf das Wasserwerk eingegrenzt werden“, sagte Schmidt. Der erste Verdacht falle auf diese Anlage, in der das Wasser mit Sauerstoff angereichert wird. Es handele sich außerdem um Keime, die nicht zwingend krankheitserregend seien. Die SWN spülten weiterhin intensiv das Netz und entnähmen weiter parallel Proben. „Wir müssen uns in Geduld üben und das Ergebnis dieser Proben abwarten, bevor wir neu entscheiden.“

In den Senioren- und Pflegeheimen hat sich das Personal auf das Problem eingerichtet. „Gleich am Mittwoch sind alle Mitarbeiter los und haben den Bewohnern Bescheid gesagt, Wasserflaschen verteilt, zusätzliches Wasser bestellt und überall vermehrt zur Mund- und Prothesenpflege verteilt“, sagt Nadine Jakobsen, Pflegedienstleiterin im Haus Hog’n Dor an der Klaus-Groth-Straße. Die über 100 Patienten konnten aber ansonsten ihr Essen wie normal zu sich nehmen: „In der Küche wurden Salat, Gurken und andere Rohkost nur noch mit abgekochtem Wasser abgespült, Nudeln zu kochen war ja kein Problem, das sagten die Stadtwerke aber gleich“, so Nadine Jakobsen. Besonders im Fokus haben die Mitarbeiter ihre Bewohner mit Demenz, die „aus Versehen“ oder aus Gewohnheit Wasser aus dem Hahn zapfen könnten. „Bei diesen Menschen machen wir vermehrt Kontrollgänge, stellen immer volle Flaschen hin und schenken die Gläser immer voll, so dass das Problem mit Wasser aus der Leitung gar nicht erst passieren kann“, erklärt die Pflegedienstleiterin.

Auch in der Gastronomie und Hotellerie hat das Personal schnell reagiert. „Wir haben erst einmal einen Großeinkauf gemacht, und ich habe viele Kollegen im Großhandel getroffen, die ebenfalls viel Mineralwasser kauften“, sagt Rainer Kuck, Inhaber des Restaurant-Hotels Kontraste am Haart. „In der Küche benutzen wir stilles Mineralwasser zum Waschen von Gemüse und Obst. Auf den Hotelzimmern haben wir zum Zähneputzen ebenfalls Flaschen hingestellt, obwohl das nach der Entwarnung der SWN nicht mehr nötig wäre. Auch die aktuelle Pressemitteilung liegt aus“, sagt der Gastronom. Die Mehrkosten seien vertretbar – „wir sind daran interessiert, schnell zu reagieren, so wie bei BSE und anderen Vorfällen auch.“

Differenziert geht es bei Familie Hartmann in Gadeland zu. „Für meine 83-jährige Mutter Ida koche ich das Trinkwasser ab, aber fürs Zähneputzen für mich und meine Töchter nicht“, sagt Esther Hartmann (60). Sie findet es richtig, dass die Stadtwerke informieren: „Das ist keine Panikmache, sondern sorgt für Transparenz.“ Doch die Zitronenlimonade setzt sie mit normalem Leitungswasser an. „Aber in unserem Urlaub haben wir auf jeder Raststätte die Klinken nur mit Desinfektionstüchern angefasst. Was man da an Keimbelastung hatte, ist bestimmt gesundheitsgefährdend.“

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erstellt am 09.Aug.2016 | 08:30 Uhr

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