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Holsteinischer Courier

10. Dezember 2016 | 21:40 Uhr

Trinkwasser-Alarm : Keime im Wasser: Keine Entwarnung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Empfehlung zum Abkochen des Trinkwassers bleibt bestehen / Leitungen werden gespült und Proben gezogen

Neumünster | Zwei Tage nach dem Trinkwasser-Alarm der Stadtwerke (SWN) gab es gestern noch keine Entwarnung. „Die Empfehlung, das Wasser abzukochen, bleibt in Absprache mit dem Gesundheitsamt bestehen“, sagte SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt. Mit Hochdruck läuft die Ursachenforschung für die leicht erhöhte Konzentration coliformer Bakterien, die bei einer Routineuntersuchung gefunden wurde (der Courier berichtete). „Es gibt aber keinen Grund zur Besorgnis, da es sich um eine minimale Überschreitung des Grenzwertes handelt“, so Schmidt.

Die Empfehlung war aufgrund der strengen Vorschriften der Trinkwasserverordnung am Mittwochnachmittag ausgesprochen worden. Sowohl im Wasserwerk als auch in der Färberstraße, der Fundstelle der Keime, wurde reagiert. Im Wasserwerk wurde der Luftfilter in der Entsäuerungsanlage, in der das Wasser in Berührung mit der Luft kommt, auseinandergebaut und gereinigt. Eine Leitung wurde stillgelegt. Es wurden vermehrt Proben genommen, um Stück für Stück bestimmte Punkte und Leitungen auszuschließen, erklärte Schmidt.

Vier SWN-Kolonnen spülten den ganzen Tag die Leitungen, die sternförmig von der Färberstraße ausgehen. Spülen heißt, das Wasser aufzudrehen und ablaufen zu lassen. Jede Leitung war eine halbe Stunde lang auf (macht jeweils 10  000 Liter Wasser). „Wir können erst Entwarnung geben, wenn wir an drei verschiedenen Standorten negative Messwerte haben. Dass die Überschreitung des Grenzwertes an der Nachweisgrenze liegt, macht es schwieriger“, erklärte Schmidt.

Der Bakterien-Alarm im Trinkwasser sorgt bei Unternehmen und Bürgern für viel Wirbel. Bei der SWN-Hotline meldeten sich laut Schmidt bereits mehrere hundert Anrufer, die vor allem wissen wollten, wie man korrekt abkocht und wie lange das Problem noch bestehe. Auch im Gesundheitsamt gibt es viele Anfragen von Bürgern und Unternehmen. „Viele wollten wissen, wie man abkocht und ob zum Beispiel eine Kaffeemaschine benutzt werden darf“, sagte Gesundheitsingenieur Georg Pauls, der beim Gesundheitsamt in der Abteilung Infektionsschutz zuständig ist für umweltbezogenen Gesundheitsschutz. Seine Empfehlung: „Lieber auf Tee umsteigen und mit sprudelndem Wasser zubereiten. Aber das liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen. Coliforme Bakterien sind lediglich Indikatoren, keine Krankheitskeime.“ Auch bei Mischgetränken, bei denen Fruchtsirup mit Wasser vermischt wird, riet er zum Umsteigen auf Getränke in Flaschen.

Auch im FEK reagierte man sofort. Es wurde ein Krisenstab gebildet, dem die Pflegedirektion, die Laborleitung, Hygienefachkräfte, die Leitung der Hauswirtschaft und Fachkräfte für Arbeitssicherheit angehören. „Außerdem stehe ich in Kontakt mit dem Geschäftsführer Alfred von Dollen, der im Urlaub ist“, sagte gestern Gerd Achtenberg von der Geschäftsführung. Er orderte vier Lkw-Ladungen Mineralwasser – 14  000 Liter.

Die Wasser-Entnahmestelle des FEK ist zwar keimfrei, aber trotzdem hat der Krisenstab mit Vorsorgemaßnahmen reagiert: Die Trinkbrunnen wurden dicht gemacht, noch am Mittwochabend Mineralwasser in Flaschen an alle Patienten zum Zähneputzen verteilt. Mitarbeiter stapelten gestern überall auf den Stationen die Getränkekisten; zusätzliche Wasserkocher wurden ebenfalls gekauft. Achtenberg: „Ich bin stolz auf das Team, wie fachkundig, ruhig und besonnen alle reagiert und die Situation gemeistert haben. Mitarbeiter des Transportdienstes sind zum Teil aus ihrem Urlaub oder ihren freien Tagen herbeigeeilt, um mit anzupacken.“

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erstellt am 05.Aug.2016 | 08:00 Uhr

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