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Holsteinischer Courier

08. Dezember 2016 | 23:12 Uhr

Neumünster und Umgebung : Keime im Wasser: Friedrich-Ebert-Krankenhaus beruft Krisenstab ein

vom

Noch bis Freitag soll die Bevölkerung in Neumünster und Umgebung das Wasser abkochen. Besonders vorsichtig ist auch die Klinik.

Neumünster | Mindestens noch bis Freitag soll die Bevölkerung in Neumünster und elf angrenzenden Gemeinden wegen der Keimbelastungen das Trinkwasser abkochen. „Wir bemühen uns, das Problem zeitnah zu lösen, aber die Auswertung der laufend genommenen Wasserproben dauert zwei bis drei Tage“, sagte der Sprecher der Stadtwerke Neumünster (SWN), Nikolaus Schmidt am Donnerstag. Da Keime sehr hitzeempfindlich sind, sterben sie im kochenden Wasser ab.

Im Krankenhaus wird kein Obst mehr gereicht

Auch die Klinik hat reagiert: Das örtliche Friedrich-Ebert-Krankenhaus mit seinen rund 600 Patienten habe einen Krisenstab einberufen und das Trinkwasser abgestellt, sagte Prokurist Gerd Achtenberg. Außer für Körperpflege werde im Krankenhaus nur noch Wasser aus Flaschen verwendet. „Zwei Lastwagen haben uns das Wasser geliefert.“ Auch rohes Obst oder Gemüse werde nicht mehr verwendet. „Wir werden auf den Mehrkosten wohl zum Großteil sitzenbleiben, aber die Sicherheit unserer Patienten hat Vorrang.“

Neben Neumünster mit seinen 77.000 Einwohnern sind auch elf ebenfalls von den SWN mit Wasser versorgten Gemeinden betroffen: Loop, Krogaspe, Timmaspe, Wasbek, Ehndorf, Padenstedt, Arpsdorf, Brokenlande, Groß Kummerfeld, Bönebüttel und Tasdorf.

Am Vortag hatten die Werke mitgeteilt, bei routinemäßigen Überprüfungen des Trinkwassers sei bei einzelnen Proben eine leicht erhöhte Konzentration mit coliformen Keimen festgestellt worden. Die SWN empfahlen nach einem enstprechenden Rat des örtlichen Gesundheitsamtes, Trinkwasser einmal sprudelnd abzukochen.

So reagierte die Stadt

Am Donnerstag spülten Kolonnen der Stadtwerke viele Leitungen in der Stadt – jede eine halbe Stunde lang, das entspricht 10.000 Litern Wasser. Im Wasserwerk wurde die Filteranlage, die Eisen und Mangan aus dem Brunnenwasser herausfiltert, auseinandergebaut und gereinigt. Eine Leitung wurde stillgelegt. Es wurden vermehrt Proben genommen, um Stück für Stück bestimmte Punkte und Leitungen auszuschließen, so Schmidt.

Bürger hatten viele Fragen

Der Bakterien-Alarm sorgte bei Unternehmen und Bürgern für viel Wirbel. Bei der SWN-Hotline meldeten sich mehrere hundert Anrufer, die vor allem wissen wollten, wie man korrekt abkocht und wie lange das Problem noch bestehe. Auch im Gesundheitsamt gab es viele Anfragen. „Viele wollten wissen, wie man abkocht und ob zum Beispiel eine Kaffeemaschine benutzt werden darf“, sagte Gesundheitsingenieur Georg Pauls vom Gesundheitsamt. Seine Empfehlung: „Lieber auf Tee umsteigen. Aber das liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen. Coliforme Bakterien sind lediglich Indikatoren, keine Krankheitskeime.“ Auch bei Mischgetränken, bei denen Fruchtsirup mit Wasser vermischt wird, riet er zum Umsteigen auf Getränke in Flaschen.

In diesen Fällen raten die Stadtwerke Neumünster zum Abkochen:

  • zum Trinken sowie zur Zubereitung von Getränken (Saftschorlen, Kaffee, Tee, etc.),
  • zur Zubereitung von Nahrung, insbesondere für Säuglinge, Kleinkinder und Kranke,
  • zum Abwaschen von Salaten, Gemüse und Obst,
  • zum Spülen von Gefäßen und Geräten, in denen Lebensmittel zubereitet oder aufbewahrt werden,
  • zum Zähneputzen und zur Mundpflege,
  • für medizinische Zwecke (Reinigung von Wunden, Nasenspülen, etc.)
  • zum Herstellen von Eiswürfeln zur Kühlung von Getränken

Hierfür muss das Wasser nicht abgekocht werden:

  • zu Reinigungszwecken,
  • für Haustiere und Vieh
  • für die Toilettenspülung. Körperpflege (Waschen, Duschen, Baden)

Die Gesundheitsrisiken seien für gesunde Menschen gering, es könne vielleicht zu Durchfall kommen, sagte Schmidt. Dagegen könne vor allem bei immungeschwächten Menschen keimbelastetes Trinkwasser die Gesundheit beeinträchtigen. Laut Bundesumweltamt können coliforme Bakterien besonders bei der medizinischen Versorgung bei prädisponierten oder abwehrgeschwächten Patienten „eine Vielzahl von Infektionen auslösen“. Dazu gehören Wundinfektionen katheterassoziierte Infektionen oder Lungenentzündungen.

Die Trinkwasserverordnung verbietet jede Belastung mit coliformen Keimen. In Neumünster sei in Proben eine Belastung von einem Keim in 100 Millilitern Wasser festgestellt worden, sagte Schmidt. „Das ist sehr wenig.“ Zum Vergleich verwies er darauf, dass Badeverbote in Gewässern erst erteilt würden bei einer Belastung von 1800 coliformen Keimen in 100 Millilitern Wasser.

Ursache der Verschmutzung noch unklar

Die Ursache der Verschmutzung ist nach Angaben der SWN noch nicht geklärt. In einem Papier des Bundesumweltamtes von 2009 heißt es: „Coliforme Bakterien können Indikatoren sowohl für fäkale Verunreinigungen als auch für Verunreinigungen nichtfäkaler Herkunft sein.“ Das Vorkommen coliformer Bakterien in niedriger Konzentration in Trinkwasserproben bedeute nicht unbedingt einen Eintrag von außen, „da es auch bei Fließrichtungsumkehr oder plötzlicher Erhöhung der Fließgeschwindigkeit zur Mobilisierung coliformer Bakterien aus im Netz vorhandenen Ablagerungen kommen kann“.

Als einen möglichen Keimherd haben die SWN einen Leitungsabschnitt ihrer Wasserrohre außer Betrieb genommen. Zudem seien umfangreiche Spülmaßnahmen durchgeführt und kontinuierlich Proben entnommen worden. Sie werden mit dem Fachdienst Gesundheit der Stadt bewertet.

Die Spülmaßnahmen könnten vereinzelt zu rot-bräunlichen Verfärbungen des Wassers führen, was jedoch für Menschen und Tiere unbedenklich sei, erläuterte Schmidt.

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erstellt am 04.Aug.2016 | 15:45 Uhr

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