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Holsteinischer Courier

06. Dezember 2016 | 17:05 Uhr

Alkoholmissbrauch : Jugend im Rausch

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Eine Statistik der DAK zeigt einen Anstieg von fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Neumünster | Ein gefährlicher Trend scheint sich unter jungen Neumünsteranern zu entwickeln: Immer mehr Jugendliche kommen offenbar mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. Das besagt unter anderem eine Statistik der Krankenkasse DAK.

Während laut dieser Erhebung bundesweit die Zahlen rückläufig sind, sind im Jahr 2015 in Neumünster insgesamt 43 Kinder und Jugendliche stark alkoholisiert ins Krankenhaus eingeliefert worden, so die DRK-Erhebung. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 19,4 Prozent.

Im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) sieht man diese Tendenz bestätigt. Während sich von 2014 auf 2015 (jeweils 68 Fälle) die Zahl nicht verändert hat, wurden in diesem Jahr bis Oktober bereits 48 stationäre Behandlungen und sechs ambulante gezählt. Laut FEK-Sprecherin Maren von Dollen könnte das unter anderem daran liegen, dass viele junge Flüchtlinge erste Erfahrungen mit Alkohol machen und dann mit einer entsprechenden Vergiftung eingewiesen werden.

Der Rettungsdienst beobachtet die Entwicklung ebenfalls mit Sorge. „Das ist für uns ein wichtiges Thema. Wir haben keine genauen Zahlen, aber vor allem an Wochenenden neigen Jugendliche dazu, zu viel zu trinken. Sie sind dann so stark alkoholisiert, dass der Notarzt kommen muss und eine Einweisung ins Krankenhaus erforderlich wird“, erklärte Karl-Heinz Herrmann, Abteilungsleiter beim Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr. „Deshalb sind wir sehr stark an der Präventionsarbeit interessiert. Zum Beispiel klären wir zur Holstenköste vermehrt auf und sprechen besonders Jugendliche an“, fügte er hinzu. Wenn die jungen Neumünsteraner mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, werden auch stets die Eltern benachrichtigt, betonte Karl-Heinz Herrmann. Im FEK empfiehlt man Wiederholungstätern dringend eine Therapie und sucht ebenfalls das Gespräch mit den Erziehungsberechtigten.

Eltern haben bei Verdacht von Alkoholmissbrauch ihrer Kinder die Möglichkeit, sich an Suchtberatungsstellen zu wenden. So auch an die Suchtberatungsstelle am Großflecken 68. „Die meisten Eltern kommen aber nicht wegen des Alkoholkonsums zu uns. Sie sind eher besorgt, wenn es um Cannabis geht. Ich vermute, bei Alkohol ist die Toleranz sehr viel größer, da die Getränke auch legal sind. Da werden Eskapaden schnell als Ausrutscher abgetan. Dabei ist regelmäßiger starker Alkoholkonsum genauso gefährlich wie der Missbrauch von anderen Drogen“, erklärte die Einrichtungsleiterin Anja Lohse.

Die Polizei schätzt die Situation in Neumünster hingegen nicht so brisant ein, wird aber von privaten Alkohol-Eskapaden auch nicht immer in Kenntnis gesetzt. „Gefühlsmäßig können wir diesen Trend nicht bestätigen. Nach unserer Einschätzung ist der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit eher rückläufig“, erklärte Polizeisprecher Sönke Hinrichs. Trotzdem verweist er auf die Konsequenzen des Rauschtrinkens: „Bei einer Meldung auf eine hilflose Person ist ein Bericht an das zuständige Jugendamt notwendig. Anzeigen werden fällig bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz, wenn zum Beispiel alkoholische Getränke an Kinder und Jugendliche abgegeben wurden. Betroffener ist dann aber der Gaststätten- oder Kioskbesitzer.“

So genannte Testkäufe bei Supermärkten und Tankstellen werden vom Kinder- und Jugendschutzbeauftragten der Stadt, Andreas Leimbach, organisiert. „Wir testen, was Jugendlichen verkauft wird. Weitere Präventionsmaßnahmen sind Kontrollen auf Stadtfesten und Seminare in Schulen“, sagt Leimbach. Er schätzt die Situation ähnlich wie die Polizei ein: „Im öffentlichen Raum haben wir momentan weniger zu tun. Aber von privaten Alkohol-Missbräuchen bekommen wir auch meist nichts mit.“

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erstellt am 23.Nov.2016 | 08:15 Uhr

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