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Holsteinischer Courier

11. Dezember 2016 | 05:16 Uhr

Niederdeutsche Bühne : Jasper Vogt lebte seine Geschichten auf der Bühne

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Schauspieler präsentierte vor 100 Gästen im Studio-Theater sein Programm „Kiek mal wedder in“.

Neumünster | Rund 100 Besucher erlebten am Sonntag einen äußerst vergnüglichen Nachmittag mit Jasper Vogt im Studio-Theater der Niederdeutschen Bühne. Die Kenner und Fans des seit 1978 zum Ohnsorg-Theater gehörenden Schauspielers und freien Autors wurden nicht enttäuscht.

Vielen ist Vogt auch mit seinen Beiträgen im Norddeutschen Rundfunk „Hör mal’n beten to“ bekannt. Das Besondere des Hamburgers: Er las nicht nur vor und sang, er lebte seine Inhalte auf der Bühne. Vogt schaffte eine Spannung, bei der alle dachten, er habe die vorgetragenen Geschichten wirklich erlebt. Jasper Vogt selbst sah es ähnlich: „Es sind eigentlich Kunstfiguren, über die ich rede, aber ich statte sie mit meinem eigenen Erleben aus, und dazu muss man sich auch selbst auf den Arm nehmen können.“ Und so zog Vogt auf Plattdeutsch und Hochdeutsch mit eigenen und fremden Geschichten und Liedern frisch, fröhlich und flott vom Leder, sodass ständig alle Lachmuskeln der Gäste aktiv waren.

Im ersten Teil widmete er sich der Seefahrt und warnte die Gäste: „Ich habe Geschichten auf Lager, die sind wirklich passiert.“ So sang er „und einmal war das Steuer weg, wir hatten einen Steuereinnehmer an Bord.“ Einfach köstlich war auch, als er einem Kapitän in halsbrecherischem Englisch beibringen wollte, wo er seine Fischfracht in Hamburg anlanden soll, bis sich herausstellte, das der Kapitän aus Blankenese stammte. Wenn Opa Möller Platt schnacken wolle, müsse er zu Mustafa zum Kiosk an der Ecke gehen, der habe es drauf, meinte Vogt. Dann kam er zu dem Schluss, dass Toleranz im Leben äußerst wichtig sei: „Morgen fange ich an.“

Nach der Pause wurde Jasper Vogt „literarisch anspruchsvoll“: „Das ist das Chanson von der Hühner-Bouillon“, begann er, um anschließend zu Goethe und Schiller zu wechseln. Die Vorträge vom „Erlkönig“ und „Wilhelm Tell“ auf Platt waren einfach köstlich in ihren pointierten Kurzfassungen, die für großen Beifall im Saal sorgten.

Besondere Lacher erntete Vogt mit einem Lied, in dem sich alles auf „Essen“ reimte: vergessen, gesessen, aus Hessen. Seine Geschichte über die Einträge in ein Poesiealbum waren etwas für die ältere Generation. Ein Eintrag bestach besonders in seiner Kürze und Präzision: „Berg auf, Berg ab, zuletzt ins Grab.“

Natürlich kam Vogt nicht ohne Zugaben von der Bühne. Er schloss mit einer „schweinischen“ Geschichte eines Reeperbahn-Besuchers, den zu Hause seine „Therese mit Haaren auf der Zahnprothese“ erwartete. Lang anhaltender Beifall belohnte Vogt für seinen lockeren Vortrag.

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