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Holsteinischer Courier

09. Dezember 2016 | 08:44 Uhr

Arpsdorf : Jakobs-Kreuzkraut: Seit einem Jahr wird in Arpsdorf geforscht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stiftung Naturschutz erprobt unterschiedliche Methoden zur Eindämmung des sich stark ausbreitenden Krauts.

Arpsdorf | Es leuchtet wunderschön gelb, doch vielen Menschen ist es ein Dorn im Auge: das Jakobs-Kreuzkraut. Es wächst auf Wiesen und am Straßenrand und ist giftig. In Arpsdorf gibt es eine von acht Projektflächen in Schleswig-Holstein, auf denen Methoden zur Eindämmung des Krauts erprobt werden. „Die Gefahr, die vom Jakobs-Kreuzkraut ausgeht, wird generell stark übertrieben“, sagt dazu Aiko Huckauf von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein mit Sitz in Molfsee, die das Projekt betreut.

Seit dem Frühjahr 2015 wird auf der Fläche in Arpsdorf geforscht. Sie liegt zwischen Willenscharen und Arpsdorf und gehört zu dem Projekt „Methoden der Zukunft“. Das Projekt ist auf fünf Jahre ausgelegt, läuft also bis zum Frühjahr 2020. „Die Versuchsflächen bleiben ganz normaler Bestandteil der existierenden Weidelandschaft, werden also weiterhin so genutzt wie der Rest der umgebenden Grünlandfläche“, erklärt Aiko Huckauf. Die Entwicklung der Vegetation auf den Versuchsparzellen wird sehr genau erfasst und dokumentiert, und zwar im Rahmen einer Doktorarbeit, die von der Stiftung Naturschutz aus Eigenmitteln finanziert wird. Auf der Fläche wird erprobt, wie das Jakobs-Kreuzkraut im Einklang mit dem Naturschutz mechanisch eingedämmt werden kann. Dazu wurden sieben Parzellen angelegt, auf denen die folgenden Methoden ausprobiert werden: einmalige Mahd, zweimalige Mahd, Übersaat, Durchsaat, Umbruch mit Neuansaat, Umbruch mit Mahdgutübertragung und die Nullvariante, das heißt, das Kraut wird einfach stehen gelassen. „Die Mahdvarianten werden natürlich jedes Jahr ausgeführt, Umbruch und Ansaat sowie Durchsaat nur einmal, und die Übersaat wird dieses Jahr noch einmal wiederholt“, erklärt Aiko Huckauf.

Sorgen müssen sich die Arpsdorer seiner Ansicht nach nicht. Die Pflanze sei weit weniger giftig als viele andere Pflanzen, die wie das Jakobs-Kreuzkraut zur heimischen Flora gehören oder zu den gängigen Zierpflanzen im Garten, aber eben nur, wenn man sie esse. „Menschen tun das offenkundig nicht, und auch Weidetiere meiden die Pflanze wegen ihres abstoßenden Geruchs und Geschmacks. Problematisch wird es, wenn das Jakobs-Kreuzkraut ins Tierfutter gerät, weil die Tiere dann nicht mehr richtig ausselektieren können. Insofern sollte auf Flächen, von denen Heu oder Heulage gewonnen wird, also kein Jakobs-Kreuzkraut stehen. Leider sind es aber oft genau diese extensiv bewirtschafteten, mageren Flächen, auf denen sich das Jakobs-Kreuzkraut wohl fühlt“, räumt Huckauf ein.

In die menschliche Nahrung können die Pyrrolizidinalkaloiden (PA) aus dem Jakobs-Kreuzkraut – das sind Pflanzenstoffe mit gesundheitsschädigendem Potenzial – über den Honig gelangen, wenn die Honigbienen vom Jakobs-Kreuzkraut Pollen und Nektar einsammeln. „In den vergangenen zwei Jahren waren die PA-Belastungen der heimischen Sommerhonige aber erfreulich niedrig – mal schauen, wie es in diesem Jahr sein wird, in dem viele Imker von einer ausgesprochen schwachen Sommertracht berichten“, sagt Huckauf.

In diesen Tagen erreicht die heimische Wildpflanze ihre Samenreife. Ähnlich wie beim Löwenzahn sät sich das Kraut selbstständig aus, indem die Flugsamen einige Dutzend Meter weit vom Wind verbreitet werden. „Aber der Samen fliegt nicht so gut wie Löwenzahn“, erklärt Dr. Aiko Huckauf. Dafür haftet er gut – und reist mit Tieren, Menschen oder Autos zu neuen Flächen – eben vielfach zu Straßenrändern.

Eine Gefahr für die Ausbreitung des Krauts geht laut Huckauf von den Versuchsfeldern nicht aus. Schließlich würden die Parzellen vor der Samenreife gemäht oder gar kein Jakobs-Kreuzkraut mehr enthalten. „Alleine auf der Nullparzelle darf und soll der Jakobs-Kreuzkraut-Bestand auf 30 mal 30 Metern weiter wachsen, und da um die Versuchsparzellen herum ohnehin gemäht wird, droht auch in dem Fall keine Ausbreitung“, sagt Huckauf.

Das Forschungsprojekt läuft noch weitere vier Jahre. Neben Arpsdorf liegen die anderen Versuchsfelder in Dörpstedt, Westerwohld, Preetz, Kesdorf, Schafhaus, Neversdorf und Berkenthin. Ob das Projekt nach 2020 weitergeführt wird, ist noch nicht klar.



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erstellt am 13.Aug.2016 | 20:00 Uhr

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