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Holsteinischer Courier

05. Dezember 2016 | 09:27 Uhr

Arpsdorf/Hardebek : Jakobs-Kreuzkraut: Landwirt will Stiftung verklagen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Beim Kampf gegen die giftige Pflanze fühlt sich Landwirt Torsten Blunck von der Stiftung Naturschutz im Stich gelassen. Die beruft sich auf die Vorgaben des Landes.

Arpsdorf | Das gelbe Jakobs-Kreuzkraut erhitzt weiterhin die Gemüter – erstes, weil es giftig ist, und zweitens, weil es sich stark verbreitet. Seit einem Jahr gibt es Versuchsflächen der Stiftung Naturschutz in Arpsdorf. Noch bis 2020 werden hier unterschiedliche Methoden zur Eindämmung des Krauts erprobt (der Courier berichtete). Doch die Arbeit der Stiftung stößt auch auf Unverständnis. Torsten Blunck aus Hardebek will jetzt gegen die Stiftung klagen.

Fakt ist, dass das Jakobs-Kreuzkraut sich in den vergangenen 15 Jahren massiv ausgebreitet hat. Weil es giftig ist, darf es nicht verzehrt werden und wird von Tieren in der Regel wegen des abstoßenden Geruchs und Geschmacks auch gemieden. Problematisch wird es, wenn das Kraut ins Tierfutter gerät, zum Beispiel im Heu. Darum wird es von Landwirten und insbesondere von Pferdebesitzern gefürchtet.

Auf extensiv genutzten Flächen, die der Stiftung gehören und teils verpachtet sind, verbreitet sich das Kraut. „Das stört schon“, sagt Landwirt Wolfgang Bartels aus Ehndorf. „Dem Jakobs-Kreuzkraut ist schwierig beizukommen“, räumt er ein und verweist auf die starke Ausbreitung am Wegesrand. Aus diesem Grund lässt Ehndorfs Bürgermeister Hauke Göttsch (CDU) die Straßenränder schon extra vom Gemeindearbeiter mähen, um die Ausbreitung der Samen zu verhindern. „Das Thema ist zu stark verniedlicht worden“, meint Göttsch und fragt sich, warum die Stiftung auf ihren Flächen nicht flächendeckend das Jakobs-Kreuzkraut mäht.

Wie Dr. Aiko Huckauf erklärt, hat die Stiftung klare Anweisungen zum Umgang mit dem Kraut. Es handelt sich um eine Landesstiftung, die die Vorgaben des Landes umsetzt. Huckauf leitet das Kompetenzzentrum Jakobs-Kreuzkraut der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein mit Sitz in Molfsee. Vorgegeben ist, dass ein Pufferstreifen von 30 bis 50 Metern zu den anderen Flächen gemäht wird, um die Verbreitung der Samen zu verhindern. „Das macht die Stiftung seit drei Jahren sehr sorgfältig, und das wird auch fortgesetzt“, sagt Huckauf.

Landwirt Torsten Blunck aus Hardebek reicht das alles nicht. Nachdem er diverse Medien, das Ministerium und den Bauernverband eingeschaltet hat und er mit den angebotenen Lösungen nicht zufrieden ist, erwägt er nun, rechtliche Schritte gegen die Stiftung einleiten. „Ich fühle mich im Stich gelassen“, sagt der 39-Jährige.

Die Familie Blunck bewirtschaftet 25 Hektar mit Acker- und Futterbau und hält etwa 30 Rinder. Eine sechs Hektar große Dauergrünlandfläche, die Blunck gepachtet hat, liegt neben einer extensiv bewirtschafteten Stiftungsfläche, auf der das Jakobs-Kreuzkraut sprießt. Das giftige Kraut wächst nun auch auf seiner Fläche. „Ich kann da nicht mehr mähen und Heu machen, da das Kraut in das Futter gelangen könnte“, sagt der Nebenerwerbslandwirt. „Meine Produkte enthalten zu 99,9 Prozent keine Giftstoffe. Aber wie lange noch?“, fragt er.

Torsten Blunk hält auf der Fläche auch noch Tiere. Im vergangenen Jahr habe er 100 Stunden damit zugebracht, das Jakobs-Kreuzkraut auszustechen. „Warum soll ich den Dreck von der Stiftung auf meine Kosten wegmachen?“, fragt er.

Nach einem Ortstermin im Oktober 2015 hatte die Stiftung den Pufferstreifen auf 50 Meter verbreitert und eine Knickverdichtung in Auftrag gegeben. „Das ist ein Witz“, sagt Blunck. Im August schaltete er den Bauernverband ein. Der Stiftung wurde angeboten, den Streit beizulegen und von einer Klage abzusehen, wenn die Bluncks die Fläche in Ackerland umwandeln dürfen. Die dann notwendige Ersatzfläche für Dauergrünland sollte dann die Stiftung zur Verfügung stellen. Auf einen solchen ,Deal‘ mit Ackerrechten wolle und könne die Stiftung sich nicht einlassen, antwortete Aiko Huckauf.

Besonders sauer ist Torsten Blunk auf Aiko Huckauf, weil der darauf hinwies, dass „sich das Jakobs-Kreuzkraut-Problem auf Herrn Bluncks Pachtflächen durch eine standortangepasste Narbenpflege erheblich reduzieren“ ließe. „Mein Grünlandmanagement ist nicht schlecht“, sagt Blunck erbost. Die Stiftung wolle die Pflanze gar nicht bekämpfen. Aiko Huckauf bleibt dabei und zitiert den Bauernverband: „Auf ordnungsgemäß bewirtschaftetem Grünland bereitet das Jakobs-Kreuzkraut keine Probleme.“

Den Vorwurf, die Stiftung habe nichts getan, weist Huckauf zurück. Es sei eher so, dass die Verwalter öffentlicher Liegenschaften und Privatleute nichts getan hätten. Bereits 2007 habe die Stiftung alle Pächter angeschrieben und darauf hingewiesen, dass das Jakobs-Kreuzkraut sich ausbreite. Dabei habe sie auch Hinweise gegeben,wie die Pflanze auf den Pachtflächen bekämpft werden könne. Seit 2013 gebe es jedes Jahr ein Schreiben an die Pächter.

Tosten Blunck hat in der kommenden Woche einen Termin beim Rechtsanwalt. Er erwägt eine Klage auf Schadenersatz wegen Nutzungseinschränkung, will die Arbeitsstunden für das Ausstechen vergütet haben, die Umwandlung seiner Fläche in Ackerland und dass die gesamte Stiftungsfläche gemäht wird.

Einer Klage sieht die Stiftung gelassen entgegen. In der vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes herausgegebenen Broschüre „Umgang mit dem Jakobs-Kreuzkraut“ wird darauf hingewiesen: Nachbarschaftsrechtlich ergebe sich kein Anspruch auf Entfernung des Jakobs-Kreuzkrautes von einem Nachbargrundstück, wenn die Beeinträchtigung ausschließlich auf Naturkräfte zurückgehe.

Das Jakobs-Kreuzkraut wird ein Thema bleiben. Laut Aiko Huckauf ist das Kraut „notorisch zyklisch“, so dass es nach großer Ausbreitung auch irgendwann wieder zur Eindämmung komme.

Auch Arpsdorfs Bürgermeister Peter Thomsen (KWG) ist nicht glücklich über die Ausbreitung des Kreuzkrautes und über die Versuchsflächen in seiner Gemeinde. „Wir stehen dem kritisch, aber abwartend gegenüber“, sagt er, betont aber auch: „Ich erkenne an, dass die Stiftung versucht, das Zeug los zu werden. Man sieht, dass etwas passiert.“

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erstellt am 21.Aug.2016 | 08:15 Uhr

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